28. Januar 2012

Ist die Migros-Sammelaktion «Animanca» esoterisch?

Migros, die grösste Detailhändlerin der Schweiz, hat vor Kurzem eine neue Sammelaktion gestartet: «Animanca».
Diese Sammelaktionen der Migros sind gelungene Werbekampagnen, um mit Kinderspielzeug Verkäufe anzukurbeln (ab einem bestimmten Einkaufswert erhält die Kundin oder der Kunde eine odere mehrere Figuren/Steine/Objekte), und auch der neueste Streich der Migros dürfte wieder grossen Anklang finden; nicht zuletzt, weil die Spielsteine einen durchaus hochwertigen Eindruck hinterlassen:

Wie 20minuten-Online berichtet, ist «Animanca» aber nicht gänzlich unumstritten:

Die Kritik kommt von «Jesus.ch»:
Bei Jesus.ch, einer Seite des Vereins «Livenet», handelt es sich um ein Freikirchen-Organ in trendiger Aufmachung. Es entbehrt also nicht einer gewissen Ironie, wenn Freikirchen, wo u.a. gelehrt wird, Evolution gebe es nicht und Homosexualität sei eine «Sünde» und «Krankheit», Spielzeug als «esoterisch» kritisieren. Ein Blick in die Argumente von Jesus.ch ist aber dennoch angebracht.

Jesus.ch kritisiert zunächst, dass die Animanca-Steine, die als Amulette genutzt werden können bzw. sollen, von der Migros ausdrücklich als mit besonderen Kräften ausgestattet angepriesen werden:
Die «mytischen» [sic] Steine, wie sie von der Migros bezeichnet werden, sollen «das Tier und Kräfte in uns wecken». Es seien «Steine mit geheimnisvollen Symbolkräften».«Doch Vorsicht: Es gibt Steine, die du besser nicht einsammeln solltest», wird in der Ankündigung erwähnt. Weshalb, wird nicht erklärt.

Was für Kräfte? Tönt doch recht esoterisch. Ein Anruf beim Migros-Genossenschafts-Bund brachte keine Klärung. Man gab sich eher bedeckt und erstaunt: Nein, hiess es, man sehe hier nichts Esoterisches, das sei nur ein Spiel, man wolle die kritische Anfrage jedoch weiterleiten. Die Idee dieser Werbung sei Migrosintern [sic] entwickelt worden. Kann es sein, dass die Verantwortlichen wirklich nur das Spielerische gesehen haben?
Jesus.ch mutmasst mit dem letzten Satz, dass Migros dieses Kinderspielzeug nicht nur als solches ansieht, sondern bewusst Esoterik verbreiten will. Eine Mini-Verschwörungstheorie kann ja nie schaden.
Und warum ist das Ganze ein Problem? Nicht, weil Esoterik an sich irrational ist, sondern weil es den christlichen Kirchen nicht passt:
In Europa wandte sich die christliche Kirche schon früh gegen den Aberglauben, zu dem auch Amulette gerechnet wurden. Das hinderte den Volksglauben aber nicht daran, an Amuletten festzuhalten.

Fazit
Die Migros-Sammelaktion «Animanca» ist zweierlei: Eine Werbe-Aktion und Kinderspielzeug. In der Tat ist dieses Spielzeug mit esoterisch-animistisch klingendem Vokabular versehen - es ist aber ziemlich eindeutig, dass Migros nicht versucht, Kindern beizubringen, diese Magie sei Wirklichkeit.
«Animanca» ist ein Spiel, in welchem fiktionale Regeln zur Anwendung kommen. Das machen Kinder angeblich von Zeit zu Zeit: Ihrer Fantasie freien Lauf lassen.

Die Kritik von Jesus.ch ist nicht gerechtfertigt, da lediglich bemängelt wird, Kinder übten sich in Tätigkeiten, welche für christliche Glaubenssysteme (angeblich) nicht zulässig sind. Die Auslegung von Jesus.ch, dass Christen jede Form von fiktionaler Unterhaltung ablehnen müssten - also keine Bücher, Filme, Musik, Spiele usf. mit fiktionalen Inhalten geniessen dürfen - , welche in irgendeiner Form dem totalitären Anspruch der Freikirchen-Ideologie widerspricht, scheint wenig mehr als typischer Freikirchen-Fundamentalismus.

Übrigens: Dieselben Kreise sehen auch in Pokémon die Mächte des Bösen am Werk:

23. Januar 2012

Verursachen Vitamine Krebs?

Am 17. Januar veröffentlichte Tagesanzeiger-Online ein Interview mit Peter Jüni, dem Abteilungsleiter des Lehrstuhls für klinische Epidemiologie und Biostatistik an der Universität Bern.
Jüni äussert sich kritisch gegenüber sogenannten Vitamin-Supplementen, also Vitaminen, welche als Nahrungs-Ergänzungsmittel verkauft werden. Etwa zeitgleich hat die Zeitschrift «Der Spiegel» einen kritischen Artikel veröffentlicht, welcher ebenfalls nicht nur behauptet, Vitamin-Supplemente seien weitgehend nutzlos, sondern dazu bisweilen auch noch gefährlich (zur Zeit ist das Thema Urheberrecht im Internet zwar ein heikles Thema, den Artikel lade ich trotzdem vollständig rauf):
 
 
 
 
Was hat es nun mit Vitamin-Supplementen auf sich? Sind sie tatsächlich so nutzlos und gar gefährlich, wie in den obigen Artikeln kritisiert?

13. Januar 2012

Wegweiser für Quacksalberei

Der Blog Science meets Society verweist auf die tolle Grafik «The Red Flags of Quackery» auf Sci-Ence.org. Die Grafik fasst wunderbar zusammen, wann bei angeblichen Heilverfahren Vorsicht geboten ist:
Auch nicht schlecht: The Periodic Table of Irrational Nonsense. Gibt es auch auf deutsch:
Diese Grafiken zeigen, warum man als Skeptikerin bzw. Skeptiker durchaus auch müde wird - Esoterik und Pseudowissenschft bedienen sich eigentlich immer der gleichen Argumente, und immer die gleichen Gegenargumente zu bringen, ist mit der Zeit nicht mehr so spannend.

11. Januar 2012

20minuten: Es spukt in der Schule

Gestern am 10. Januar berichtete 20minuten über eine Schule, in welcher es angeblich spukte oder immer noch spukt.
Als musikalische Untermalung für den Artikel eignet sich folgendes Stück:

Hier der Artikel:
Ein Punkt muss vielleicht trotzdem explizit betont werden: Drahtloses Internet ist fast definitiv nicht für die beschriebenen Symptome der Schulkinder verantwortlich.

6. Januar 2012

Schweizer Fernsehen: Freie Bahn für Esoterik

Das neue Jahr ist erst wenige Tage alt, eine Verschnaufpause wird nach Vernunft Dürstenden aber nicht gewährt. In der «Club»-Ausgabe vom 3. Januar haben sich fünf Gäste zusammengefunden, um das Thema «Lebenshilfe aus dem Übersinnlichen» zu besprechen:
Club vom 03.01.2012 Das Hauptproblem dieser Sendung wird mit diesem Bild des einen unbesetzten Sitzplatzes veranschaulicht:
In dieser Parade des Paranormalen fehlte eine Stimme der Vernunft.

29. Dezember 2011

Das Spukhaus von Stans, oder: Wie einfach es ist, die menschlichen Sinne zu täuschen, oder: Lesetip: Paranormality

Die NZZ hat gestern am 28. Dezember einen Artikel über ein (mittlerweile abgerissenes) «Spukhaus», in welchem Geister ihr Unwesen getrieben haben sollen, veröffentlicht:
Der Artikel hinterfragt die angebliche paranormale Aktivität im Haus nicht. Und wenn es um unkritischen Boulevard-Journalismus geht, ist auch das Schweizer Fernsehen nicht weit: Im Februar 2010 wurde in der Sendung «Schweiz Aktuell» ebenfalls über das «Spukhaus» berichtet.
Schweiz aktuell vom 17.02.2010
Was hat es auf sich mit den Geister-Geschichten rund um das «Spukhaus von Stans»? Endgültig untersuchen lassen sich die angeblichen übernatürlichen Vorkommnisse nicht - die Aussagen der Betroffenen sind eben nur das, unbewiesene Aussagen. Weiter recherchieren ist nicht möglich: Der angebliche Spuk ereignete sich im 19. Jahrhundert; auch wenn das «Geisterhaus» heute noch stünde, wäre eine gegenwärtige Nicht-Nachweisbarkeit von Übernatürlichem kein endgültiger Beweis, dass im 19. Jahrhundert nicht doch etwas vorfiel.


Paranormality: Why we see what isn't there
Wenn es nicht möglich ist, den interessierenden Gegenstand direkt zu untersuchen, stellt sich die Frage, wie gut erforscht das Phänomen der (Polter-)Geister im Allgemeinen ist; womöglich liefert Wissen zum Phänomen der Geisterwahrnehmung Antworten auch im Falle des «Spukhauses von Stans». Hier schafft Richard Wisemans «Paranormality: Why we see what isn't there» einen guten kritischen Überblick:
Im Kapitel «Ghost-hunting» geht Wiseman explizit auf das Phänomen der Geister und Poltergeister ein (mit Letzterem meine ich solche Geister, welche angeblich nur innerhalb bestimmter Gebäude agieren).

20. Dezember 2011

2012 ist nicht der Weltuntergang - die Aliens kommen einfach zurück!

Dass im kommenden Jahr etwas ganz Grosses passieren wird, wissen wir ja alle - irgendetwas ist ja mit dem Kalender der Mayas, und uraltes Geheimwissen und so, also wahrscheinlich der Weltuntergang. 
Eine alternative Theorie schlägt Erich von Däniken, Experte auf dem Gebiet des Geschichtenerfindens, vor. 2012 geht die Welt nicht unter, nein: Die Ausserirdischen, deren erster Besuch damals den Beginn des Maya-Kalenders markierte, kommen wieder zurück; das Ende des Maya-Kalenders ist also das Datum für den bevorstehenden extraterrestrischen Besuch.
Die letzten zwei Sätze von Dänikens sind köstlich:
Ich freue mich auf die Wiederkunft der Götter, doch kann man sich leider nicht auf das Datum verlassen. Die Umrechnung des Maya-Kalenders auf unseren Kalender lässt einige Lücken offen.
So spricht einer, der sich völlig im Klaren ist, dass er Unfug verzapft.

Zur Ergänzung noch etwas Seriöseres zum Thema 2012: Bei Astrodictum Simplex ist ausführlich nachzulesen, warum die Maya-Weltuntergags-Fantasien für 2012 eben nur dies, Fantasien, sind.