18. Oktober 2012

Der skeptiker-blog ist tot - es lebe der Skeptiker-Blog

Nach knapp zweieinhalb Jahren und 180 Blogeinträgen, in denen vielleicht Schweiss, aber vor allem viel Freude und Leidenschaft stecken, verkünde ich hiermit den letzten Blogeintrag auf skeptiker-blog.ch.

Warum wird der Blog eingestellt? Bin ich des Schreibens müde? Oder liegt gar ein Fall von «Ehemaliger Skeptiker erkennt das Licht»-Konvertierung vor?
Beides kann ich energisch verneinen: Gebloggt wird weiterhin, nur an einem anderen Ort.

Im Juni 2012 wurde der Verein «Skeptiker Schweiz - Verein für kritisches Denken» gegründet, und zum Zeitpunkt des Schreibens dieses letzten Blogeintrages gebührt mir die Ehre, die «Skeptiker Schweiz» zu präsidieren.
Um auf unser Ziel, kritisches Denken und Freude an Wissenschaft zu verbreiten, hinzuarbeiten, wollen wir unsere Anstrengungen und Bemühungen möglichst gut bündeln. Das ist auch der Grund, warum ich künftig auf unserer Vereinshomepage


weiterbloggen werde.

Der «Skeptiker-Blog» (RSS-Feed) auf www.skeptiker.ch wird im gleichen Stil gehalten wie der «skeptiker-blog». Wer letzteren nicht mochte, wird auch am neuen Ort nicht glücklich; wer aber dem «skeptiker-blog» etwas abgewinnen konnte, wird auch weiterhin mit Inhalten bedacht, die Mal ernst, Mal mit einem Schmunzeln verfasst werden, aber immer ein Plädoyer für die Vorzüge des kritischen Denkens und eines vernunftgeleiteten Weltbildes sein sollen.

Was bleibt am Schluss zu sagen? Danke.

Danke an all jene, die sich Zeit genommen haben, den skeptiker-blog.ch zu lesen, und Danke an meinen Mitautor Kevin.

Ein Abschied ist dies aber nicht, sondern eine Ankündigung: Das war erst der Anfang.


Marko Kovic
Oktober 2012

3. Oktober 2012

«Kassensturz» testet Paranormale: Der Pendler

Die Verbraucherschutz-Sendung «Kassensturz» widmet sich in einer siebenteiligen Reihe der Erforschung angeblich (im weitesten Sinne) paranormaler Fähigkeiten. Können die Kandidatinnen und Kandidaten ihr paranormales Können unter Beweis stellen, winkt ihnen ein Preisgeld von 10'000 Franken - der Kassensturz orientiert sich also an berühmten Vorbildern wie der Million Dollar Challenge der James Randi Educational Foundation und dem PSI-Test der GWUP.
Am 2. Oktober wurde der erste von den sieben Tests ausgestrahlt. Der Kandidat dieser Ausgabe ist der Pendler Ernst Bieri aus Entlebuch, der behauptet, im Stande zu sein, mit seinem Pendel «Energien» zu erspüren. Bieri betreibt die Firma «Biotransmit» und verkauft ein «Schutzschild», welches vor «SCHLAFSTÖRUNG, DEPRESSIONEN, RHEUMA, MÜDIGKEITEN, EHEPROBLEME USW.» schützen soll und «ABSOLUT SERIÖS!» sei:

Die Jury, welche die Resultate begutachtet, besteht aus drei Personen:
  • Peter Brugger ist Professor an der Neuropsychologischen Abteilung des Universitätsspitals Zürich.
  • Rainer Bunge ist Professor am Institut für Umwelt- und Verfahrenstechnik an der Hochschule für Technik Rapperswil.
  • Christoph Borer ist Bühnenmagier (im Sinne eines Zauberkünstlers, nicht Zauberers)
Bieri sollte von neun Bechern mit Wasser jenen finden, welches mit Granderwasser gefüllt ist. Offenbar hat Bieri diesen Test selber vorgeschlagen. Nun könnte dem Kassensturz vorgeworfen werden, dass Bieri von Beginn weg zum Scheitern verurteil gewesen sei, weil Granderwasser eben keine aussergewöhnlichen Eigenschaften besitzt und sich von normalem Wasser nicht unterscheidet.
Zum einen hat Bieri selber diese Esoterik-Kaskade als Versuchsanordnung gutgeheissen (nach Ende des Tests beruft sich Bieri denn auch auf frühere Tests, die anders ausgefallen seien), und andererseits könnte argumentiert werden, dass das Pendel auch Profanes zu Tage fördern können müsste, wie also die Antwort auf die Frage, wo sich der Becher befindet, den Bieri sucht.
Der Ausgang des Tests zeichnet sich rasch ab:
Bieri hat nach drei Fehlversuchen aufgegeben, und schien sehr erschüttert ob des negativen Resultates. Hat sich der Kassensturz hier einen brutalen Scherz erlaubt mit einem älteren, aberlgläubischen Mann? Nur bedingt, denn nicht vergessen werden darf, dass Bieri seine Dienstleistungen und Produkte aktiv bewirbt und Heilsversprechen abgibt, und nicht etwa bloss ab und zu am Stammtisch pendelt.
Die Erklärung für Bieris Überzeugung (welche mir durchaus Wahrhaftig scheint) erklärt Peter Brugger: Das Ausschlagen des Pendels ist von Bieri selbst hervorgerufen, aber nicht unbedingt bewusst willentlich. Dadurch entsteht der teils überwältigende Eindruck, das Pendel habe von sich aus reagiert, weil eine bewusste Manipulation nicht stattfand. Das berühmteste Beispiel zu diesem ideomotorischen Effekt ist wohl das sogenannte «Ouija Board» (Bildquelle):

Dieses vor allem in den USA bekannte Spielbrett sorgt bei so manchen Kindern, aber auch Erwachsenen, für Gänsehaut, denn der Holzzeiger bewegt sich wie von Geisterhand von Buchstabe zu Buchstabe.
Die eigentlich Wichtigste Erkenntnis als Fazit des Pendlertests stammt von Rainer Bunge, wenn er die Reaktion Bieris auf seinen Misserfolg kommentiert:
Der Wissenschaftler, beispielsweise ich, fängt an, an der Theorie zu zweifeln, wenn die Ergebnisse in eine andere Richtung zeigen, also die Messergebnisse, während der Esoteriker an den Messergebnissen zweifelt und seine Theorie nicht in Frage stellt.
Eine prägnante Erklärung, die aber eines der wichtigsten, wenn nicht gar das wichtigste Kriterium der Unterscheidung zwischen wissenschaftlichem und nicht-wissenschaftlichem Vorgehen beschreibt.

30. September 2012

SkeptisCH - Folge 5: Über Klimawandel und Klimawandel-Skeptiker

Klimawandel ist ein Thema, welches die Gemüter erhitzt, und zwar in mancherlei Hinsicht. Die einen sehen in menschenverursachtem Klimawandel ein Sinnbild menschlicher Hybris, die anderen eine Aufgabe, welcher der menschliche Innovations- und Erfindergeist allemal gewachsen ist.
An dieser Stelle soll nicht die grosse politische und bisweilen poetische Debatte rund um Klimawandel befeuert werden, sondern die wissenschaftliche: Die die Theorie des menschenverursachten Klimawandels stützende wissenschaftliche Forschung ist in zunehmendem Masse einer Fundamentalkritik ausgesetzt. In Folge 5 unseres Podcasts widmen wir uns den (vermeintlich) skeptischen Argumenten zu Klimawandel.
Tobi hat mit Oliver die Veranstaltung «Swiss ECS» besucht, den «Swiss Energy and Climate Summit». An dieser Konferenz fand ein Streitgespräch zwischen dem Klimaforscher Thomas Stocker und Fritz Vahrenholt unter dem Titel «Ist die Sonne Schuld an der Klimaerwärmung?» statt. Letzterer kritisiert den Konsens der Klimaforschung, dass nämlich als Folge menschlichen Handelns ausgestossene Treibhausgase zum Klimawandel beitragen, und behauptet stattdessen u.a., dass Klimaerwärmung durch von Menschen unabhängige Effekte wie Zyklen der Sonnenaktivität gesteuert wird. Diese Hypothese hat Vahrenholt in seinem Buch «Die kalte Sonne» verarbeitet.
Weiterführende Links:
  • Die gängigsten Kritikpunkte an der Klimawandelforschung sind auf der Webseite http://wattsupwiththat.com/ zu finden (Die Bewegung der Klimaforschungs-Kritik hat denn auch ihren Ursprung im angelsächsischen Raum).
Wie immer wünschen wir gute Unterhaltung!

Der Podcast kann über RSS oder iTunes abonniert werden.

24. September 2012

Die wirre Welt der Finanzastrologie


The only function of economic forecasting is to make astrology look respectable.
Dieser bekannte, vom Ökonomen John Kenneth Galbraith geäusserte Spruch beinhaltet die Essenz auch der aktuellen Kritik an einigen gängigen wirtschaftswissenschaftlichen Ansätzen, bei denen Wirtschaftswissenschaft nicht mehr als Sozialwissenschaft, sondern im Wesentlichen als Naturwissenschaft behandelt wird.
Das mündet aber bald in Problemen, weil Ökonomie als eine der «Soft Sciences», also als eine der weichen Wissenschaften, ob der Komplexität des Untersuchungsgegenstandes (kontingentes, d.h. nicht grundsätzlich berechenbares menschliches Handeln auf Mikro-, Meso- und Makroebene) eben nur retrospektiv analysieren und nicht prospektiv voraussagen kann, wie dies etwa Physik oder Chemie mit ihren Untersuchungsgegenständen tun (vgl. zu einer ausführlicheren Unterscheidung zwischen «weichen» und «harten» Wissenschaften «Nonsense on Stilts» von Massimo Pigliucci).

Die kritische Diskussion rund um Möglichkeiten und Grenzen der Wirtschaftswissenschaften ist wichtig und willkommen. In diesem Zusammenhang wirkt der Artikel, welchen der Tagesanzeiger am 28. August veröffentlichte, wie ein satirischer Kommentar auf die Hybris bestimmter ökonomischer Denkschulen:
Leider ist der Artikel nicht Satire und der Inhalt nicht erfunden.
Die Pensionskasse des Kantons Zürich, BVK, hat 273 Millionen Franken verloren, welche sie bei der Investmentfirma «BT&T» angelegt hatte. In einem (noch nicht veröffentlichten) Bericht einer parlamentarischen Untersuchungskommission (bestehend aus Politikern unterschiedlicher Parteien) wird dokumentiert, dass die Firma «BT&T» einen Astrologen als Berater für Investitionstätigkeiten zur Hilfe zog. Darüber hinaus nahm der Astrologe offenbar Aufgaben im Personalwesen von «BT&T» wahr.
Der gemäss Tagesanzeiger-Artikel für die Anstellung des Astrologen Verantwortliche, Walter Meier, ist nach wie vor als Verwaltungsratspräsident bei «BT&T» tätig.

Der im Tagesanzeiger geschilderte Vorfall ist für sich genommen spannend. Er wirft aber auch einige weiterführende Fragen auf: Gehört die «Beratungstätigkeit» in der Finanzwirtschaft zum regulären Betätigungsfeld von Astrologinnen und Astrologen? Und vor allem: Warum lassen sich vermeintlich hoch gebildete Menschen wie z.B. Dr. Walter Meier von der «BT&T» von solchen Dienstleistungen überzeugen - kann es sein, dass Finanzastrologie tatsächlich «funktioniert»?

2. September 2012

SkeptisCH - Der kritische Schweizer Podcast: Folge 3

Folge 3 unseres Podcasts «SkeptisCH» ist online:

In dieser Folge versuchen wir etwas Neues: Wir unterhalten uns nicht mehr nur auf Schweizerdeutsch, sondern auch auf Hochdeutsch
Der Podcast kann (wie immer kostenlos) abonniert werden über RSS oder iTunes. Der Downloadlink für die Folge ist hier.

00:01:51 - 01:19:45 Neubesetzung der Naturheilkunde-Professur in Zürich (Hochdeutsch)
Der Lehrstuhl für Naturheilkunde an der Universität Zürich wird neu besetzt, und wir waren bei den Vorträgen der Kandidatinnen und Kandidaten dabei.

01:20:14 - 01:55:09 TCM-Selbstversuch (Schweizerdeutsch)
Tobi hat sich einer TCM-Behandlung ("traditionelle chinesische Medizin") unterzogen und berichtet von seinen Erlebnissen.

Wir wünschen wie immer gute Unterhaltung und freuen uns auf Feedback!

19. August 2012

SkeptisCH - Der kritische Schweizer Podcast: Folge 2

Die zweite Folge von «SkeptisCH» ist online:

Der Podcast kann (natürlich kostenlos) abonniert werden über RSS oder iTunes. Der Downloadlink für die Folge ist hier.
In Folge 2 sprechen wir über folgende Themen:

00:02:14 - 00:16:51 Negativkommentare zur Marsmission "Mars Science Laboratory"
Die Marssonde Curiosity liefert Daten in bisher einmaliger Fülle vom Mars, aber nicht allen gefällt das.
Links:

00:16:53 - 00:42:18 Erich von Däniken
Erich von Däniken meldet sich im Zusammenhang mit dem Film "Prometheus" zu Wort. Wir besprechen seine Theorien ein wenig.
Links:

00:42:47 - 01:00:00 Kinesiotapes
Kinesiotapes an den oympischen Spielen.
Links:

01:00:02 - 01:46-34 Filmreview: Prometheus
Wir besprechen den Film Prometheus von Ridley Scott aus skeptischer Sicht. Achtung Spoiler!
Links:
Wir wünschen viel Spass und freuen uns auf Feedback!

13. August 2012

Eine Typologie der Negativkommentare zur Marsmission «Curiosity»

Vor knapp einem Monat habe ich Online-Artikel, welche die Entdeckung des Higgs Bosons am CERN beschrieben, ein wenig unter die Lupe genommen: Ich wollte versuchen, Kommentare zu diesen Artikeln, die eine tendentiell ablehnende, kritisierende Meinung vertreten, nach bestimmten Typen zu unterscheiden.

Am 6. August ist die NASA-Marsmission «Mars Science Laboratory», inkl. dem Vehikel «Curiosity», erfolgreich auf dem Mars gelandet. Abgesehen davon, dass diese ca. 8 Monate andauernde Reise zum Mars eine technische Meisterleistung darstellt, werden mit dieser Marsmission Daten über unseren roten Nachbarn in bisher unerreichter Fülle gesammelt. Ähnlich wie bei den monumentalen Ergebnissen zum Higgs Boson ist die Marsmission nicht vor kritischen Kommentaren gefeit. Im Folgenden versuche ich, die kleine Typologie der Negativkomentare auf die NASA-Mission anzuwenden.

Erweiterung der Typologie

Die Typologie der Negativkommentare zum Higgs Boson umfasste folgende Kategorien:
  • Antiwissenschaft
  • Kein Nutzen und zu teuer
  • Hunger
  • Religion
  • Verschwörung
  • Zurück zur Natur
  • Besserwissenschaftler
Die Kategorien «Kein Nutzen und zu teuer», «Hunger», «Zurück zur Natur» lassen sich als Unterkategorien einer Kommentargruppe ansehen, die ich «Falsche Prioritäten» nenne. Diese Gruppe ergänze ich durch die Kategorie «Wichtigere Probleme». Die leicht veränderte Typologie sieht folgendermassen aus:
  • Antiwissenschaft
  • Falsche Prioritäten
    • Kein Nutzen und zu teuer
    • Hunger
    • Zurück zur Natur
    • Wichtigere Probleme
  • Religion
  • Verschwörung
  • Besserwissenschaftler

Antiwissenschaft

Die Gruppe der «Antiwissenschaft»-Kommentare ist relativ kleiner als bei der Higgs Boson-Geschichte, aber dennoch vertreten:
Antiwissenschafts-Kommentare werfen den involvierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Inkompetenz, unlautere Motive und letztlich Hybris vor: Die Erforschung des Mars bedeutet einen implizierten Verstoss gegen die «natürliche Ordnung». Die Antiwissenschafts-Gruppe leugnet nicht zwingend die faktische Seite der Ereignisse (d.h., es wird nicht zwingend bestritten, dass die Marsmission tatsächlich stattfindet).