20. Mai 2010

Akupunktur + «Stoffwechsel-Analyse» = Gewichtsreduktion (des Portemonnaies)

Das «Tagblatt der Stadt Zürich» ist eine Tageszeitung, in welcher oft Anzeigen für Humbug aller Art gedruckt werden: Von Wunderheilern über Homöopathen bis hin zu Wahrsagern - nach Pseudowissenschaft Dürstende werden bedient.
In der Ausgabe von Mittwoch, dem 19.5.2010 (Nr. 20), fällt eine Anzeige auf. In dieser werden zwei Pseudowissenschaften miteinander verwoben, ja gleichsam zu einer neuen Disziplin alternativer (sprich: unwirksamer) Heilkunst geformt. Es geht um Folgendes:

Zum einen wird die Methode der Akupunktur angewendet, zum anderen eine sogenannte «Stoffwechselanalyse» durchgeführt, um beim Abnehmen zu helfen.
Ich möchte mich einigen Aussagen in dieser Anzeige widmen. Im ersten Absatz wird folgende Behauptung gemacht:
Durch Akupunktur wird in einer ersten Phase die Fettverbrennung angeregt, in einer zweiten Phase werden die Fettzellen so stabilisiert, dass sie sich nicht mehr füllen können.
Dieser Satz macht klar, was Ziel dieser «Behandlung» ist: Um Gewicht zu verlieren, reicht es, ein paar magische TCM-(«traditional chinese medicine»)Tricks anzuwenden - Disziplin beim Essen und regelmässige körperliche Ertüchtigung sind unnötig. Offenkundig ist, warum absurde versprechen wie jene in dieser Anzeige trotzdem Anklang finden: Es ist verlockend, bestimmte Ziele zu erreichen, ohne dafür grossen Aufwand betreiben zu müssen. Zudem passt das Timing, die nächste Bikini- und Badehosen-Saison steht vor der Tür.

Ein weiteres Zitat bekräftig das oben Geschriebene:
Wenn man «Ernährung umstellen» hört, denkt man automatisch an «viel Gemüse essen, wenig Fett». Dies stimmt so aber nicht. «Jeder Mensch reagiert anders auf Lebensmittel. Der eine verträgt keine Tomaten, während ein anderer keine Steinpilze essen sollte», erklärt Monica Stiefel.
Faszinierend. Wer also irrtümlicherweise geglaubt hat, Kalorienüberschüsse (mehr Energie aufnehmen als verbrennen) führten mittel- und langfristig zu Gewichtszunahme, täuscht sich - der Trick liegt im «Vertragen».
Dass die Rede von Tomaten und Steinpilzen ist, ist natürlich kein Zufall. Damit wird suggeriert, dass Übergewicht auch durch vermeintlich gesunde Lebensmittel verursacht werden kann. Wer hört denn nicht gerne, dass zum Abnehmen kein Verzicht Chips, Schokolade und Softdrinks von Nöten ist, sondern nur das Auslassen von Tomaten und Pilzen? Wiederum wird das Motiv der Gewichtsreduktion ohne Eigenleistung auf hinterlistige Art propagiert. Dazu noch ein weiteres Zitat:
«Wer nur schlecht auf ein Lebensmittel verzichten kann, dem wird auch geholfen. Mit kleinen Goldnadeln wird der Suchtnerv im Ohr akupunktiert, so dass man sich besser beherrschen kann», so Monica Stiefel.
So einfach kann es im Leben manchmal sein.

Akupunktur ist auch in der Schweiz weitverbreitet. Was aber ist «Stoffwechsel-Analyse»?
Dabei handelt es sich um eine hierzulande noch eher unbekannte Pseudowissenschaft; im angelsächsischem Raum ist diese unter dem Namen «metabolic typing» bekannt. Eine kurze Beschreibung ist auf wikipedia einsehbar. Ursprünglich wurde «metabolic typing» als vermeintliches Heilmittel für Krebs entwickelt.
Sehr wohl funktioniert der Stoffwechsel nicht exakt gleich bei allen Menschen. Die Frage von Gewichtszu- und Abnahme ist aber universal: Mehr Energie aufnehmen, als der Körper verbrennt, führt zu Gewichtszunahme; weniger Energie aufnehmen, als der Körper verbrennt, führt zu Gewichtsabnahme.
Es kann gut sein, dass Menschen, welche sich in die oben besprochene «Behandlung» begeben, letztlich sinnvolle Ratischläge zur Gewichtsreduktion gegeben werden. Das rechtfertig aber nicht die an Betrug grenzenden Behauptungen und Versprechen, welche von der in der Anzeige werbenden Firma gemacht werden.

4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Wer sich etwas auskennt in chinesischer Medizin und in Biologie, sieht bei diesem Text auf den ersten Blick, das der von jemandem geschrieben wurde, der von Beidem keine Ahnung hat. Kritik sollte nur der schreiben, der sich mit dem Stoff eingehend befasst hat und auch die Hintergründe kennt.

Marko Kovic hat gesagt…

Nun, wie es der Zufall will, habe ich doch ein paar Jahre Biologieunterricht geniessen dürfen, und sogar Chemie, und auch Physik - Abnehmen ist ein ganz einfacher Vorgang.

Ich lasse mich aber sehr gerne eines Besseren belehren: Insbesondere klingt die Behauptung, im Ohr gebe es einen "Suchtnerv", welcher durch Nadelung beeinflussbar sei, interessant. Für Aufklärung danke ich im Voraus.

Mit freundlichen Grüssen

raskalnikow hat gesagt…

 "Mit kleinen Goldnadeln wird der Suchtnerv im Ohr akupunktiert, so dass man sich besser beherrschen kann"

Also echt... Eine überprüfbare Aussage! Und die ist natürlich falsch: Es gibt keine "Suchtnerven". Und wenn es die gäbe, dann könnte man auch Drogensüchtige leicht kurieren...

raskalnikow hat gesagt…

 Wer sich auskennt in TCM, der weiss, dass weder Qi noch Meridiane je nachgewiesen wurden.
Wie bei allen esoterischen Behandlungen fehlt der kausale Zusammenhang von Behandlung und angeblicher Wirkung.

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