28. Juni 2010

WOZ: «Masturbation mit Mausklick» (oder «Internet-Sexsucht»)

Am 24.6.2010 hat die Zeitung «WOZ Die Wochenzeitung» auf ihrer Internetseite einen mit «Masturbation mit Mausklick» betitelten Artikel veröffentlicht. Darin wird über die (etwas holprig benannte) Fachtagung «Online Sex und Sucht» berichtet, welche, organisiert vom Fachverband Sucht, am 16. Juni 2010 im Zürcher Volkshaus stattfand.
Der zweite Satz des Artikel-Leads lautet
In Zürich hat sich letzte Woche eine Fachtagung mit einem Phänomen beschäftigt, das wissenschaftlich noch kaum erforscht ist.
Der Rest des Artikels wird dieser Aussage seltsamerweise nicht gerecht: Weder die Inhalte der Tagung, noch das Thema im Allgemeinen werden hinterfragt, abweichende wissenschaftliche Positionen nicht erwähnt. Ist dies haltbar?

21. Juni 2010

DRS3 Input: Populäre Mythen der Psychologie

Die Sendung «Input» des öffentlich-rechtlichen Radiosenders DRS 3 hat sich in der mit «Trügerisches Wissen – populäre Mythen der Psychologie» betitelten Ausgabe vom Sonntag, dem 20. Juni 2010, darangemacht, einige sich hartnäckig haltende Mythen aus dem Bereich der Psychologie aufzuklären.
Einen der geäussertern Kritikpunkte, die vermeintlich biologisch determinierte psychische Unterschiedlichkeit von Mann und Frau, möchte ich um ein paar wissenswerte Fakten ergänzen. Der Autor berühmter Bücher wie «Men Are from Mars, Women Are from Venus», Dr. John Gray, ist nämlich kein Wissenschaftler.
Seinen Master-Abschluss hat Dr. Gray im Fach «Creative Intelligence» an der «Maharishi University of Management» erlangt, sein Psychologie-Doktorat an der 2000 per Gerichtsbeschluss geschlossenen Fernlern-Universität «Columbia Pacific University»

Die hörenswerte Sendung ist in voller länge von der DRS-Seite herunterladbar.

19. Juni 2010

20minuten: iPhones machen Rabeneltern

Die Gratiszeitung 20minuten hat am 17. Juni 2010 in online und tags darauf in der Druckversion einen mit «Kinder leiden unter dem iPhone-Boom» betitelten Artikel veröffentlicht.
Die im Artikel getroffenen Aussagen bedürfen einer kritischen Betrachtung.

17. Juni 2010

Pietro Sassi, Gesichtsleser

Am Dienstag, dem 8.6.2010, war Pietro Sassi, ein «Gesichterleser», zu Gast in der Sendung «TalkTäglich» auf TeleZüri, einem privaten zürcher Regionalsender. Pietro Sassi behauptet, anhand bestimmter Merkmale des menschlichen Gesichtes «Fähigkeiten und Neigungen» der jeweiligen Gesichtsinhaberinnen und -inhaber erkennen zu können. Dieser Behauptung möchte ich, anhand des Interviews in genannter Fernsehsendung, genauer nachgehen.

14. Juni 2010

Granderwasser und Steuergelder

In einem Beitrag vom Dienstag, dem 25.5.2010, hat sich die Sendung Kassensturz, ein kritisches, dem Konsumentenschutz verschriebenes Format des Schweizer Fernsehens, sogenanntem «Granderwasser» gewidmet.
Granderwasser ist ein esoterisch-pseudowissenschaftliches Produkt, welches in seiner schieren Unverschämtheit heraussticht; so behauptet der Firmengründer Johann Grander beispielsweise, «Jesus» persönlich sei im erschienen, um die Geheimnisse des Granderwassers kundzutun.
Der Beitrag des Kassensturz fasst die Situation mit «Granderwasser» gelungen zusammen: Das eigentlich problematische an diesem Betrug ist der Umstand, dass «Granderwasser»-Produkte tatsächlich auch mit Steuergeldern finanziert werden.

Tagesanzeiger: Ruf nach Kontrolle in der Alternativmedizin

In der Ausgabe von Samstag, dem 12.6.2010, hat der Tagesanzeiger einen kleinen Artikel veröffentlicht, in welchem die zu ziehenden Lehren aus dem Fall des Berner Akupunkturisten und «Heilers» besprochen werden. Es handelt sich um einen Alternativmediziner, welcher verdächtigt wird, mehrere Patienten mit dem HI-Virus angesteckt zu haben (oder, gemäss den Standards des Boulevard-Journalismus, erwiesenermassen absichtlich angesteckt hat). Der Tagesanzeiger-Artikel ist mit «Kontrollen gegen Scharlatane» interessant betitelt.
Der Inhalt aber geht in eine andere Richtung, als der Titel und Lead vermuten lassen.

9. Juni 2010

Foxconn-Selbstmorde: Fragwürdige Interpretationen

Die Berichterstattung zu der «Selbstmordserie» des chinesischen Elektronikherstellers Foxconn hat, nach kurzer Aufruhr, wieder abgeebbt. Die Behandlung dieser Vorfälle (Beispiel 1, Beispiel 2, Beispiel 3) zeigt zwei Dinge auf:
  • Wäre Apple nicht eine der von Foxconn belieferten Firmen, wäre die Berichterstattung wohl geringer ausgefallen. Dass Unternehmen wie Dell oder Nintendo einen Teil ihrer Produkte bei Foxconn herstellen lassen, wurde weniger betont.
  • Die Zehn Selbstmorde (die berechtigte Diskussion, ob der Begriff «Freitod» zu bevorzugen ist, wird hier ausgelassen) werden als aussergewöhnliche Häufung interpretiert.
Ob der zweite Punkt zutreffend ist, die Anzahl Selbstmorde also tatsächlich eine Aussergewöhnlichkeit bedeutet, lässt sich vielleicht mit einem Blick in verfügbare Zahlen klären.

5. Juni 2010

NZZ: Akupunktur lindert Schmerz (und bleibt ein Placebo)

In ihrer Online-Ausgabe hat die Zeitung NZZ einen Artikel zu einer neuen Studie  über Akupunktur mit dem Titel «Adenosine A1 receptors mediate local anti-nociceptive effects of acupuncture» veröffentlicht. Es wird erklärt, dass in einem Versuch an Mäusen beobachtet werden konnte, dass eine bestimmte chemische Reaktion eintritt, wenn Akupunktur-Nadeln gesetzt werden.
Dabei ist mir aufgefallen, dass in der behandelten Studie wie auch anschliessend im Artikel unklar ist, was es mit einem bestimmten Phänomen auf sich hat: Dem Placebo.

4. Juni 2010

Leave «Madame Etoile» alone!

Wie bereits erwähnt, ist die Stadtzürcher Zeitung «Tagblatt der Stadt Zürich» mit Werbung für allerlei Alternativmedizin und sonstigen Hokus-Pokus gespickt. Die Ausgabe von Mittwoch, dem 2. Juni 2010, geht einen Schritt weiter: Prominent auf Seite 2 des redaktionellen Teils ist ein Interview mit der Astrologin «Madame Etoile», Monica Kissling, abgedruckt.

3. Juni 2010

Universität Bern und «KIKOM»: Wissenschaft unerwünscht


Die Universität Bern ist eine öfentliche Bildungseinrichtung. Die medizinische Fakultät der Universität besteht aus einer Reihe von Institutionen. Eine davon trägt den Namen «KIKOM», abgekürzt für «Kollegiale Instanz für Komplementärmedizin». Das «KIKOM» beschäftigt insgesamt 12 wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter vier «DozentInnen». Diese vier «DozentInnen» stehen je einem Fachbereich vor:
Ist Ziel des «KIKOM», einen Beitrag zu kritischer, wissenschaftlichen Standards gerecht werdender Auseinandersetzung mit «CAM» («complementary and alternative medicine») zu liefern? Wie ich in diesem Blog zu zeigen suche, ist die Antwort auf diese Frage «nein».

2. Juni 2010

What's the harm?

Eines der Hauptargumente von Gruppen aller Art, welche Irrationales propagieren und kritisches Denken ablehnen, ist, dass der gewünschte Effekt vielleicht nicht auftrete, aber immerhin kein Schaden entstehe - ein wesentliches Verkaufsargument beispielsweise homöopathischer «Medizin» (sprich: mit Wasser beträufelter Zuckerkügelchen). Der diesem Argument inhärente Fehlschluss ist offensichtlich, doch bedarf es manchmal auch unmittelbar greifbarer Beispiele, welche aufzeigen, dass durch unkritisches Denken und Handeln sehr wohl Schaden entstehen kann.

Dieses Ziel verfolgt die Seite http://whatstheharm.net/.

An bisweilen krassen Beispielen wird aufgezeigt, wie gefährlich unkritisches Denken - egal, ob bei Alternativmedizin verschiedenster Art, Religion, Verschwörungstheorien - tatsächlich sein kann. Angesichts derartiger Einzelfälle zeigt sich, wie treffend doch das berühmte Thomas-Theorem ist:
If men define situations as real, they are real in their consequences.