5. Juni 2010

NZZ: Akupunktur lindert Schmerz (und bleibt ein Placebo)

In ihrer Online-Ausgabe hat die Zeitung NZZ einen Artikel zu einer neuen Studie  über Akupunktur mit dem Titel «Adenosine A1 receptors mediate local anti-nociceptive effects of acupuncture» veröffentlicht. Es wird erklärt, dass in einem Versuch an Mäusen beobachtet werden konnte, dass eine bestimmte chemische Reaktion eintritt, wenn Akupunktur-Nadeln gesetzt werden.
Dabei ist mir aufgefallen, dass in der behandelten Studie wie auch anschliessend im Artikel unklar ist, was es mit einem bestimmten Phänomen auf sich hat: Dem Placebo.

Die besagte Studie ist in voller Länge online abrufbar, sowie als PDF herunterladbar. Die Untersuchung hat Stärken und Schwächen (u.a. handelt es sich nicht um einen Doppelblind-Versuch, wie aus den Zusatzinformationen ersichtlich ist, was die ganze Studie grundsätzlich heikel macht), bei der Diskussion der Resultate fällt aber ein Punkt auf: Auf Seite fünf, bei der Besprechung der Resultate, beschreiben die Autoren einen Placebo-Effekt im Zusammenhang mit Akupunktur als «nonpenetrating needle application», ihr Vorgehen der tatsächlichen Nadelsetzung entsprechend also als Nicht-Placebo.

Das Problem ist: Was die Autoren in dieser Studie machen, ist das Hervorrufen eines reinen Placebo-Effektes.

In dem  Buch «Snake Oil Science - The Truth About Complementary and Alternative Medicine» (2007, Oxford University Press) geht der Autor, R. Barker Bausell, in einem mit «A Biochemical Explanation for the Placebo Effect» betitelten Kapitel genauer darauf ein, wie Placebos wirken. Nach Besprechung relevanter Forschungsergebnisse kommt er zu folgendem Schluss:
The placebo effect has a plausible, biochemical mechanism of action (at least for pain reduction), and that mechanism of action is the body's opioid system.
Das heisst: Werden keine Opioide während einer Behandlung in den Körper eingeführt, sondern körpereigene Opioide ausgeschüttet, ist dies ein Placebo-Effekt. Die analgetischen Effekte von Akupunktur, wie sie die Autoren in der Studie beobachten, sind demnach ein Placebo-Effekt: Durch bestimmte Reize werden körpereigene schmerzlindernde Stoffe freigesetzt.

Entsprechend verwirrend fällt auch die Berichterstattung im NZZ-Online-Artikel aus: Tatsächlich lindert Akupunktur Schmerz, aber durch Hervorrufen eine Placebo-Effektes und nicht durch Manipulation von unbewiesenen Energien, wie es die Akupunktur-Lehre behauptet.

Eine sehr lesenswerte, detaillierte Kritik dieser Studie und deren Verwertung ist an folgendem Ort zu finden:

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