3. Juni 2010

Universität Bern und «KIKOM»: Wissenschaft unerwünscht


Die Universität Bern ist eine öfentliche Bildungseinrichtung. Die medizinische Fakultät der Universität besteht aus einer Reihe von Institutionen. Eine davon trägt den Namen «KIKOM», abgekürzt für «Kollegiale Instanz für Komplementärmedizin». Das «KIKOM» beschäftigt insgesamt 12 wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter vier «DozentInnen». Diese vier «DozentInnen» stehen je einem Fachbereich vor:
Ist Ziel des «KIKOM», einen Beitrag zu kritischer, wissenschaftlichen Standards gerecht werdender Auseinandersetzung mit «CAM» («complementary and alternative medicine») zu liefern? Wie ich in diesem Blog zu zeigen suche, ist die Antwort auf diese Frage «nein».
Das «KIKOM» möchte ich in drei Schritten vorstellen:
  1. Biographien der vier Fachbereich-Vorsteherinnen und Vorsteher
  2. Selbstportrait des «KIKOM»
  3. Auswahl an Forschungsergebnissen der vier Fachbereiche

1. Biographien der Instituts-Vorsteherinnen und Vorsteher
Zunächst gilt es, die Werdegänge der vier Fachbereich-Vortsteherinnen und Vorsteher zu betrachten (ich verwende den Begriff «Fachbereich-Vortsteherinnen und Vorsteher», weil es sich dabei nicht um vier Lehrstühle im eigentlichen Sinn zu handeln scheint). Dabei beziehe ich mich einzig auf auf der «KIKOM»-Seite frei zugängliche Daten.

Ich beginne mit Dr. med. Brigitte Ausfeld-Hafter, der DozentIn für «Traditionelle Chinesische Medizin/Akupunktur». 1976 hat sie an der Universität in Zürich in Medizin doktoriert. 1977 hat sie sich in «traditioneller chinesischer Medizin» weitergebildet, welche sie ab 1984 in ihrer Praxis anbietet. Zwischen 1992 und 2008 war sie bei der «Schweizerischen Ärztegesellschaft für Akupunktur und Aurikulomedizin SÄGAA» engagiert. In weiteren «komplementärmedizinischen» Organisationen war und ist sie involviert.
Dr. med. Lorenz Fischer hat ebenfalls in Medizin doktoriert (in Bern) und betreibt seit 1989 eine Praxis mit dem Schwerpunkt «Neuraltherapie».
Dr. med. Martin Frei-Erb hat 1993 sein Medizin-Doktorat erlangt (Bern) und nach einer anschliessenden «Homöopathie-Weiterbildung» eine Praxis im Jahr 1994 eröffnet und sich an diversen Orten in Homöopathie-Lehrtätigkeit profiliert.
Dr. med. Ursula Wolf ist, wie alle oben Erwähnten, in Besitz eines Medizin-Doktorates, erarbeitet in den USA. Sie ist u.a. Vorstandsmitglied  der «Vereinigung anthroposophisch orientierter Ärzte in der Schweiz».

Wozu dieser Kurzüberblick der Biographien der vier Fachbereich-Leiterinnen und -Leiter der «KIKOM»? Alle vier Personen sind in Schulmedizin ausgebildet, sind also zweifellos mit den hohen Ansprüchen an evidenzbasierte Medizin vertraut. Daneben fällt auf, dass alle vier Personen mit «CAM»-Disziplinen verbandelt sind. Den Begriff «verbandelt» wähle ich, weil sie auf ihren jeweiligen «CAM»-Spezialgebieten nicht die Rolle skeptischer Beobachterinnen und Beobachter annehmen, sondern sich aktiv für die Verbreitung dieser Heilmethoden einsetzen und, bis auf Dr. med. Ursula Wolf, aktiv Geld mit der Ausübung von «CAM» verdienen.
Der Interessenkonflikt könnte eindeutiger nicht sein. Das muss nicht zwingend zur Folge haben, dass die vier hier problematisierten Personen eine unkritische Haltung gegenüber «CAM» haben. Die Gefahr aber, dass, wer Interesse an der Verbreitung eines Produktes hat, eher weniger Kritik an diesem Produkt anbringt, besteht - und darf nicht vergessen gehen.

2. Selbstportrait des «KIKOM»
Wie aber beschreibt das «KIKOM» die eigenen Forschungsätigkeiten? Auf der Startseite der Homepage steht Folgendes:
Die KIKOM als universitäre Einrichtung vereint konventionelle Medizin und Komplementärmedizin in den Bereichen Patientenbetreuung, Forschung und Lehre.
 Dieser Satz ist wenig aussagekräftig. Es lohnt sich darum, die Beschreibungen zu den einzelnen Fachbereichen aufzusuchen. Der erste davon ist «anthroposophische Medizin»; dazu ist geschrieben:
Die moderne Anthroposophie wurde von Dr. Rudolf Steiner (1861-1925) begründet als eine Geisteswissenschaft, die sich mit dem Immateriellen in Mensch und Natur auf eine vergleichbare Art wissenschaftlich beschäftigt, wie die Naturwissenschaft mit dem Materiellen. Der Mensch weist, wie auch schon die Pflanze, die typischen Eigenschaften des Lebens auf, wie Wachstum, Selbstheilung oder Reproduktion. Mit dem Tod verschwinden diese Eigenschaften, der Körper löst sich in seine mineralischen Bestandteile auf.
Es kann gezeigt werden, dass diese Auflösung während des Lebens andauernd durch die Tätigkeit von spezifischen Lebenskräften verhindert, und in ihr Gegenteil umgewandelt wird: In die für das Lebewesen typische hochkomplexe räumliche und zeitliche Organisation. 
 Noch Fragen? Verständlicher ist die Zusammenfassung auf wikipedia. Es handelt sich also um eine in der Schweiz entstandene esoterisch-spiritualistische Weltanschauung, welche auch Medizin umfasst. Grundlage ist ein «holistisches» Weltbild, gemäss welchem der Mensch Teil bestimmter übersinnlicher Energien ist und Gesundung bedeutet, wieder in Einklang mit diesen zu kommen. Anthroposophische Arzneimittel werden gemäss homöopathischer Potenzierung hergestellt; «Kunsttherapie» geht davon aus, dass künstlerischer Audruck Heilungsenergien freisetzt; «Rhythmologie» meint die Wiederherstellung des Energiegleichgewichtes, dessen Störung die Krankheit verursacht hatte, durch Tanz, Massage u.a.

Als nächstes ist eine Beschreibung zu klassischer Homöopathie gegeben:
Dauerstreitpunkt zwischen Homöotherapeuten und naturwissenschaftlichen Medizinern ist die "Potenzierung". Hahnemann hatte ursprünglich Substanzen in der zur damaligen Zeit üblichen Dosierung verabreicht. Mit der Zeit fand er auf empirischem Weg heraus, dass die Heilkräfte von Mineralien, Pflanzen, Tieren oder Nosoden stärker in ihrer Heilwirkung, jedoch sanfter in ihrer Giftwirkung werden, wenn man die Potenzierung durchführt. Dabei handelt es sich um einen Prozess, bei der die Ausgangssubstanz in 10-er, 100-er oder 50'000-er Schritten verdünnt wird. Bei jedem Verdünnungsschritt wird das Mittel gleichzeitig entweder verrieben oder verschüttelt. Theoretisch dürften, chemisch-pharmakologisch betrachtet, ab einer Konzentration von 10-24 (D 24, C 12, Q 6) diese Heilmittel nicht mehr wirken. Umso faszinierender ist, dass homöopathische Arzneien trotzdem wirken, auch bei Säuglingen oder Tieren, bei welchen man eine "Placebowirkung" nur schwer annehmen kann. In der KIKOM-Unterabteilung Grundlagenforschung Homöopathie und Anthroposophische Medizin (siehe Fachbereich Anthroposophisch erweiterte Medizin) wird Forschung zu Natur und Wirkungsweise homöopathischer Potenzen durchgeführt.
 Dieser Absatz aus der Beschreibung reicht vollends, um die Unwissenschaftlichkeit des «KIKOM» zu demonstrieren. Zunächst wird behauptet, Hahnemann, der Begründer der Homöopathie, habe auf «empirischem Weg» herausgefunden, dass mit zunehmender Verdünnung die Wirksamkeit seiner Arzneien zunehme. Das ist völliger Unsinn: Egal, wie Hahnemann zu seinen haarsträubenden Vorstellungen gekommen ist - «empirisch» im Sinne von «in klinischen Doppelblindtests überprüft» war das Ganze selbstverständlich nicht. Hier meint «empirisch» eher «ein bisschen etwas ausprobiert». Zwar handelt es sich dabei auch um Erfahrungstatsachen, also um Empirie, aber nicht um wissenschaftlich verwertbare Empirie, sondern um sogenannte «anecdotal evidence».
Nachdem erläutert wird, dass, chemisch gesehen, in der Regel keine Moleküle der aktiven Substanz mehr in homöopathischen Mitteln vorhanden sind, wird betont, wie «faszinierend» es aber sei, dass bei Tieren und Säuglingen Homöopathie auch wirke und, dass bei Tieren (ist der Mensch etwa kein Tier?) und Säuglingen der Placebo-Effekt nur «schwer» annehmbar sei. Resultate, welche dies belegen würden, genügen Ansprüchen von Doppelblindtests nicht; der «Tier und Baby»-Mythos der Homöopathen ist, egal wie oft als ungültig erwiesen, nicht totzukriegen.
Der letzte Satz rundet alles ab: Es werde am «KIKOM» «Forschung zu Natur und Wirkungsweise homöopathischer Potenzen» durchgeführt. Es geht also nicht um die Frage, ob Homöopathie wirkt - das ist Prämisse -, sodern um die Frage, wie und warum sie wirkt.

Die Dritte am «KIKOM» untersuchte und gelehrte «CAM» ist die «Neuraltherapie». Ein Auszug aus der Beschreibung:
Die Neuraltherapie nach Huneke ist eine Regulationstherapie. Sie geht auf die Entdeckung durch die Brüder Walter und Ferdinand Huneke (1925) zurück.
Die Neuraltherapie ist eine Injektionsbehandlung, welche Lokalanästhetika zur Diagnostik und Therapie benutzt: Es werden gezielt Reize gesetzt und pathologische Belastungen unterbrochen (z.B.“Teufelskreis“ im Schmerzgeschehen). Dadurch kann sich das System neu organisieren und den physiologischen Zustand wieder anstreben.
 Dies klingt nach einer Art der Schmerztherapie, welche dem Ansatz der «gate control theory of pain» Folge leistet, also durchaus einen theoretisch begründeten Hintergrund besitzt. Da ich diese «CAM» kaum kenne, ist eine kurze Beurteilung einer Forschungsarbeit aus diesem Bereich im dritten Teil dieses Blogeintrages von Interesse.

Die letzte im «CAM»-Bunde bildet «TCM/Akkupunktur». Als Beispiel soll die prägnante Beschreibung von Akupunktur dienen:
Die Akupunktur (Körper-, Ohr- und Schädelakupunktur) hat sich im Westen als hauptsächlich verwendete Methode der TCM etabliert und ist die gezielte therapeutische Beeinflussung von Körperfunktionen über spezifische Punkte der Körperoberfläche. Eine besondere Bedeutung hat in Europa die Ohrakupunktur nach Paul Nogier erlangt, aus der sich ein eigenständiges modernes Akupunktur-Therapiekonzept entwickelt hat: die Auriculomedizin.
 Fairerweise muss gesagt werden, dass obiges Zitat keine expliziten Aussagen zu der Wirksamkeit von Akupunktur macht, sondern die Beschreibung der Verbreitung und Verwendung von Akupunktur im Westen thematisiert.

3. Auswahl an Forschungsergebnissen
Eine Liste veröffentlichter Studien ist hier zu finden. Eine umfassendere Liste in PDF-Form, welche nur Arbeiten bis zum Jahr 2005 beinhaltet, wird zum Download angeboten

Anthroposophie und Homöopathie betrachte ich zusammen unter dem Gesichtspunkt der Wirksamkeit homöopathischer Mittel. Eine der Studien in diesem Bereich klingt ausserordentlich spannend: «Homeopathic Preparations of Quartz, Sulfur and Copper Sulfate Assessed by UV-Spectroscopy». Diese ist hier vollständig online einsehbar oder als PDF herunterladbar. Die PDF-Datei habe ich zusätzlich zum Download bereitgestellt.
Mittels sehr komplizierter Messverfahren («nuclear magnetic resonance») wurde anscheinend bewiesen, dass homöopatisch behandeltes, also «potenziertes», Wasser tatsächlich Unterschiede gegenüber nicht-potenziertem Wasser aufzeigt. Deutet dies, wie die Autoren vermuten, auf die Gültigkeit der «Potenzierung», also der Homöopathie allgemein? Angesichts zahlreicher Arbeiten, welche die Qualität von NMR-Messungen in diesem Kontext kritisieren, sind Zweifel angebracht:

Die andere Seite der Homöopathie-Medaille ist die Frage, ob Resultate experimenteller Doppelblindverfahren Wirksamkeit bei Patienten belegen. Bezeichnend für den Umgang mit diesem essentiellen Kriterium, dem Doppelblindtest, seitens des «KIKOM» (und folglich bezeichnend für die wissenschaftliche Güte der Untersuchungen des «KIKOM» zum Thema Homöopathie), ist eine Studie in der oben verlinkten PDF-Liste mit Forschungsergebnissen. Unter Punkt 4.4.2.6 auf Seite 33 ist eine Studie zusammengefasst, welche die folgende Forschungsfrage zu beantworten suchte:
Wie können nicht-randomisierte klinisch-homöopathische Studien angemessen beurteilt und für die Situation in der Schweiz dargestellt werden (HTA)?
 Das altbekannte Spiel der Homöopathen: Klinische Studien widerlegen die Wirksamkeit homöopathischer Mittel, also ist die Form der Untersuchung falsch. Entsprechend absurd  das Resultat dieser Studie:
Für die Praxisrelevanz ist bei der Durchführung einer Studie die Ähnlichkeit mit der alltäglichen Praxis wichtiger als die methodische Qualität.
 Will heissen: Für die Praxisrelevanz ist nicht wichtig, ob eine Behandlung tatsächlich wirkt. Solche Aussagen haben nichts mit Wissenschaft, nichts mit kritischem Denken, nichts mit Vernunft zu tun. Es ist alarmierend, dass Derlei als «Wissenschaft» durchgeht.

Für Neuraltherapie lässt folgende Aussage (gegen Ende der Seite), welche über den «wissenschftlichen Nachweis» berichtet, erahnen, wie es um die Qualität der Forschung steht:
Dieser wird erbracht durch eine grosse Zahl publizierte [sic] Einzefallkasuistiken und durch verschiedene klinische Studien.
 Es gibt also eine «grosse Zahl» «Einzellfallkasuistiken», aber nur «verschiedene» klinische Studien. Nun, «Einzelfallkasuistiken» (das Wort klingt beeindruckend, bleibt aber ein Pleonasmus) sagen vielleicht etwas über Einzelfälle aus. Über die Wirksamkeit der jeweils interessierenden Behandlung geben nur klinische Studien bescheid - darum konzentriere ich mich auf eine der angegebenen klinischen Studien, und zwar auf «Wirksamkeit der Neuraltherapie bei überwiesenen Patienten mit therapieresistenten chronischen Schmerzen.». Dr. med. Lorenz Fischer ist Mitautor dieser Arbeit. Diese habe ich zum Download bereitgestellt.
Auf Seite 1 wird übersichtlich das Studiendesign festgehalten:
Offene Studie in einer neuraltherapeutischen Praxis.
 «Offene Studie» lässt wenig Gutes erhoffen. Die Frage ist aber, ob Neuraltherapie wirkt. Die Erklärung zu den Methoden klärt das konkrete Vorgehen:
In die Studie aufgenommen wurden alle Patienten mit therapieresistenten chronischen Schmerzen (n=72), welche in einem Zeitraum von drei Jahren zur Neuraltherapie zugewiesen wurden. Bei allen Patienten lagen schwere, chronische Schmerzzustände vor (am häufigsten Rückenleiden), welche auf konventionelle (Medikamente, physikalische Therapien, Operationen usw.) und auf komplementäre Therapien (z.B. Akupunktur) resistent waren. Der Behandlungserfolg der Neuraltherapie wurde nach einer Langzeitbeobachtung mit den Zielgrössen Schmerz und Medikamentenverbrauch erfasst.
 Das ist kein klinischer Test, das ist Blödsinn. Es werden also an chronischen Schmerzen leidende Patienten untersucht. Diesen konnte bisher weder mit konventioneller Medizin, noch mit «CAM» geholfen werden. Nun werden diese Patienten mit Neuraltherapie behandelt - und die Autoren kommen zu folgendem Schluss:
Bei chronischen Schmerzpatienten mit Resistenz auf konventionelle und komplementäre Behandlungen liefert die Neuraltherapie bei einer Mehrheit der Patienten gute Langzeitergebnisse.
 Diese Aussage ist grotesk falsch. Nicht, dass es einen derartigen positiven Effekt der Neuraltherapie nicht geben könnte - aber diese Untersuchung hat unter Missachtung evidenzbasierter Forschung, unter offensichtlicher Umgehung eines Doppelblindverfahrens, nicht den geringsten Beitrag zur Klärung der tatsächlichen Nützlichkeit von Neuraltherapie beigetragen.

Ich verzichte vorläufig auf eine Kritik der an der «KIKOM» erarbeiteten Befunde zu traditioneller chinesischer Medizin (was ich in einem allfälligen weiteren Blogeintrag nachholen werde). An dieser Stelle bietet sich ein kurzes Fazit an.
Obwohl meine Ausführungen selbstredend nicht die ganze Tätigkeit des «KIKOM» abdecken, identifiziere ich teils grobe Verstösse gegen elementare Regeln nicht nur wissenschaftlichen, sondern allgemein kritischen Vorgehens. Die eklatanten Interessenkonflikte der involvierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werfen bereits viele Fragen auf. Die bisweilen klar durchschimmernde Grundannahme, «CAM» funktioniere und wissenschaftliche Methodik dürfe zurechtgebogen werden, um diese Annahme zu bestätigen, ist katastrophal.
Unfassbar ist: Diese Un-Wissenschaft wird durch öffentliches Geld finanziert.

9 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

guter Beitrag, chapeau.

giordano hat gesagt…

Sehr schön, besten Dank für diese Ausführungen. Es gibt etliche Studien in der Art der Neuraltherapie, wo einfach eine Kontrolgruppe weggelassen wurde. Z.B.:
Anthroposophic medical therapy in chronic disease: a four-year prospective cohort study
Harald J Hamre, Claudia M Witt, Anja Glockmann, Renatus Ziegler, Stefan N Willich and Helmut Kiene
http://www.biomedcentral.com/content/pdf/1472-6882-7-10.pdf
Claudia Witt ist Professorin an der Charite in Berlin.

Dabei ist der intelligente Einsatz einer Kontrolgruppe das, was Wissenschaft ausmacht.

Neben fehlender Kontrollgruppe kann kann man eine statistische Signifikanz erhalten, in dem man einfach genügend oft misst:
In-vivo- und In-vitro-Versuche
zur Erforschung der Wirkungsentfaltung
von Homöopathika.
http://content.karger.com/ProdukteDB/produkte.asp?Aktion=ShowPDF&ArtikelNr=21092&Ausgabe=225782&ProduktNr=224242&filename=21092.pdf
Hier wird gezeigt, dass schütteln (potenzieren) und rühren die Enzyme verschieden stark beeinflusst. Auffallend ist, dass die Enzymaktivität der beiden Vermischungsarten so oft gemessen wurde, bis ein statistisch signifikanter (physiologisch nicht relevanter) Unterschied detektiert wurde . Dieser Unterschied, vermute ich, ist auf Verdünnungsfehler zurückzuführen.

Das Erstaunliche an diesen Untersuchungen ist, dass sie doch beträchlich aufwendig sind, und das alles für die Katz.

Marko Kovic hat gesagt…

Vielen Dank für die Links!

Das mit der Signifikanz ist tatsächlich ein Punkt, auf dem Alternativmedizin-Verfechter immer wieder herumreiten - aber auch Forscherinnen und Forscher in anderen Gebieten. Nichts führen z.B. "Killerspiel"-Gegner lieber ins Feld, als eine 5%- oder 1%-Signifikanz. Ob das, was dahinter steht, Sinn macht, ist dann unwichtig.
Symptomatisch ist bei solchen Signifikanz-Schlachten oft, dass die Prämissen der Untersuchung gar nicht thematisiert werden - Homöopathen gehen davon aus, dass Homöopathie wirkt, und versuchen dies mit Signifikanzen zu demonstrieren. Dabei warten wir immer noch auf eine Erklärung, warum genau die homöopathische Ausgangssubstanz die angebliche Wirkung hat, und nicht eines der unzähligen anderen Dinge, mit denen das Wasser sonst noch in Kontakt kam.

Der zweite Artikel zu dem in-vivo-/in-vitro-Vergleich stammt aus einer Alternativ-Medizin-Zeitschrift, "Forschende Komplementärmedizin". Für meinen nächsten Blogeintrag werde ich eine Studie aus eben dieser Zeitschrift kritisieren (sobald ich Zeit dazu finde ;) ), welche an der Uni Zürich am "Institut für Naturheilkunde" verfasst wurde.
Ich schätze, dass nicht zuletzt Pseudo-"peer review"-Zeitschriften wie "Forschende Komplementärmedizin" dazu beitragen, Alternativmedizin in der Öffentlichkeit als wissenschaftlich nachweisbar wirksam darzustellen. in "Forschende Komplementärmedizin" beispielsweise kommen - keine Überraschung - praktisch alle Studien zum Schluss, dass das jeweilige alternativmedizinische Mittelchen wirkt.

Zauberer hat gesagt…

Tönt spannend. Aber ich bin vom Grundsatz her skeptisch dagegen... :)

Anonym hat gesagt…

Es ist sicher richtig kritisch zu sein. Aber dann einfach in beide Richtungen! Die sogenannte evidence based medicine enthält auch ganz schön viele bias. und die nette Pharmaindustrie schaut auch schön dazu, dass nur positive Resultate der Öffentlichkeit zugängig werden.
Dann kommt einfach noch ein weiterer Aspekt hinzu: Die menschliche Psyche. Und es ist auch in der evidence based medicine anerkannt, dass diese eine wichtige Rolle für das Verhalten und so auch die Genesung spielt. Interessanterweise lassen sich Placebo-ausgelöste Effekte sogar mit "richtigen" Medikamenten hemmen...Da kann man sich natürlich fragen, ob all diese homeopathischen Angehungsmethoden nicht doch evt. ein bisschen was bewirken können. Und sei es über die Psyche des Patienten. Ist im Endeffekt doch auch völlig egal. Hauptsache es wirkt.
Abgesehen davon, verstehen wir noch längst nicht alles so genau, als dass wir behaupten könnten, ob kleine Mengen nichts bewirken oder schon.

Anonym hat gesagt…

„Schmerz ist ein unangenehmes Sinnes- oder Gefühlserlebnis, das mit tatsächlicher oder potenzieller Gewebeschädigung ... „

Es ist individuelle Empfindung, und sie wollen Wissenschaftlichen Kontroll gruppen...?

Für diejenige welche noch nicht gemerkt haben Erde ist schon lange in der Vorstellung nicht nur die Scheibe…

Transport hat gesagt…

Die Wissenschaft hat schon immer Claims abgesteckt, bevor sie ganz sicher war... Ich meine, so funktioniert sie halt... Dass sie sich selbst aber unzählige Male im Nachhinein korrigieren musste, gehört dann natürlich auch dazu...

http://www.umzug-transport-bern.ch

pascalshow magician hat gesagt…

Ja, oder anders ausgedrückt: "Man sollte heute schon wissen, was sich morgen als Fehler erweist!" Doch leider und das ersieht man deutlich in der Politik, sind nur wenige nachträglich erkannte Irrtümer einzugestehen. Man spricht einfach nicht mehr darüber und wartet auf den Generationenwechsel"

http://www.pascalshow.ch

Alexander hat gesagt…

Vielen Dank, ein guter Artikel ueber die notwendige Trennung von Schul- und Alternativmedizin, wie z.B. Akupunktur, Homöopathie, Massage, etc. Dies erinnert mich leicht an den auch immer sehr präsenten Diskurs, ob man Staat und Religion vermischen oder trennen soll. Auch hier stehen sich folgende gegenueber: Vernunft, Wissenschaft und Empirie vs. Gefuehl, Glauben und Ideologie.

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