19. Juli 2010

Kreationismus an der ETH Zürich

Am 13. und 15. Juli fanden zwei Veranstaltungen in Räumlichkeiten der «Eidgenössischen Technischen Hochschule» (kurz «ETH») Zürich statt, deren Redner, Henry F. Schaefer, gegenwärtig eine Gastprofessur an der ETH inne hat. Das Thema war «The Big Bang, Stephen Hawking, and God»:
Der Vortrag war unverblümte Kreationismus-Propaganda. Es gibt eine Reihe von Gründen, so meine Kritik, warum eine derartige Veranstaltung in dieser Form problematisch ist; diese möchte ich erläutern.

Schwerpunktmässig möchte ich folgende vier Punkte behandeln:
  1. Organisatoren der Veranstaltung
  2. Hintergrund von Henry F. Schafer
  3. Inhalt des ETH-Vortrages
  4. Kreationismus und Hochschulen
1. Organisatoren der Veranstaltung
Wie dem obigen Bild des Flyers zu dem Vortrag zu entnehmen ist, haben zwei ETH- und Uni-bezogene Vereine diese Kreationismus-Veranstaltung eingerichtet: Zum einen «CAMPUSlive», zum anderen «Dozentenforum».
Das «Dozentenforum», bestehend aus wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Universität und der ETH, beschreibt die eigene «Idee und Zielsetzung» wie folgt:
Unter der Bezeichnung Dozentenforum haben sich Dozentinnen und Dozenten der Universität und der ETH Zürich zusammengefunden, um zu aktuellen Themen Denkanstösse aus christlicher Sicht zu geben.
Der Zweck dieser christlichen Gruppierung scheint demnach grundsätzlich legitim: Es handelt sich um eine Art religiösen «Think Tank», welcher nicht Wissenschaft mir Religion zu vermischen sucht, sondern religiöse Kommentare zu «aktuellen» Themen abgibt. Die Position des «Dozentenforums» ist aber insofern eher aggressiver Art ist, als das Christentum als einzig «wahre» Religion angesehen wird, veranschaulicht diese Aussage (Quelle):
Der nun begonnene Dialog zwischen christlichen und nichtchristlichen Religionen hat,in einer Zeit abnehmender Attraktion der etablierten Kirchen, so manche Kirchenmitglieder verunsichert oder sie dazu geführt, andere Religionen nicht nur rechtlich, sondern auch inhaltlich als äquivalent mit dem Christentum anzusehen.
Dies hilft zu verstehen, warum das «Dozentenforum» eine kreationistische Veranstaltung mitorganisiert, welche Wissenschaft religiös aufzuladen versucht.

«CAMPUSlive» ist ein in Basel, Bern, Lausanne und Zürich tätiger Verein, welcher sich selber wie folgt beschreibt (Quelle):
Durch verschiedene Anlässe, wie beispielsweise Hörsaalvorträge, Camps und Seminare (Erfolgreich Beziehungen aufbauen, Erfolgreich Studieren, EQUIP-Leiterschaftskurs), geben wir Impulse fürs Studium und fürs Leben weiter und greifen aktuelle Themen auf. Zudem bieten wir Interessierten die Gelegenheit, sich mit dem christlichen Glauben und dessen Bedeutung auseinanderzusetzen.
Es soll der Eindruck erweckt werden, primär führe «CAMPUSlive» nicht-religiöse Veranstaltungen durch, daneben gebe es noch ein religiöses Angebot (ablesbar an der Formulierung «Zudem bieten wir...»). Diese Gewichtung entspricht nicht den Tatsachen: «CAMPUSlive» ist ein christlicher Verein mit dem Ziel der Gewinnung neuer Mitglieder, der Verbreitung des vertretenen Glaubens. Ein Blick in den Angebots-Bereich von «CAMPUSlive» schafft Klarheit: «Gottesdienst» und «Besinnung und Gebet» (Gebetsgruppen) sind selbsterklärend, «Pioniereinsätze» meint Missionierungsreisen nach Asien. Der Bereich «Hörsaalvorträge» wird wie folgt beschrieben:
Regelmässig nehmen wir aktuelle und relevante Themen auf und laden dazu kompetente Redner und Professoren ein, uns in ihr Fachgebiet mit hinein zu nehmen. Die Fragezeit nach dem Vortrag gehört genauso dazu wie der Apéro, bei dem mit Freunden und Neubekannten das Thema weiter vertieft werden kann.
Ein vertiefender Blick in die einzelnen «Hörsaalvorträge» zeigt aber unmissverständlich, dass diese ohne Ausnahme einen christlichen Standpunkt vertreten; warum dies in der Beschreibung verschwiegen wird, ist unklar. Hier ist zu beachten, dass all diese Veranstaltungen scheinbar in Räumlichkeiten der ETH stattfinden, was im Abschnitt 4. relevant wird.
Die Angebote unter «Für Studierende im ersten Jahr» scheinen nicht religiös aufgeladen. Da ich diese nie besucht habe und mir Berichte von Teilnehmenden nicht vorliegen, kann ich nicht beurteilen, ob mein Verdacht, derartige «neutrale» Veranstaltungen dienten als niederschwellige religiöse Beeinflussung, gerechtfertigt ist - im Zweifel für den Angeklagten.
«CAMPUSlive» ist Teil des Missionswerkes «Campus für Christus», welches auf europäischer Ebene unter dem Namen «Agape Europe» organisiert ist und Teil der evangelikalen Organisation «Campus Crusade for Christ International» ist.
Im Bereich «Über uns - Wer wir sind» beschreibt «Campus für Christus» die eigene Tätigkeit unter dem Titel «Unsere Vision»:
Unsere Vision ist es, überall geistliche Bewegungen entstehen zu lassen, die gewinnen, ausbilden und senden (win – build – send), damit jeder jemand persönlich kennt, der Jesus nachfolgt.
Geistliche Ströme in Form von Menschen, Know-how und Ressourcen sollen aus der Schweiz in die ganze Welt fliessen, um überall Gottes Liebe ganzheitlich bekannt zu machen. 
Ziel ist also unmissverständlich Missionierung: Es sollen so viele Menschen wie möglich zu dem von «Campus für Christus» propagierten Glauben konvertiert werden. «CAMPUSlive» ist der zu diesem Zweck in Hochschulen tätige Arm von «Campus für Christus». Diese Strategie wird in dieser harmlos erscheinenden bildlichen Darstellung vermerkt:

2. Henry F. Schaefer
In diesem Abschnitt möchte ich mich kurz dem akademischen wie ausserakademischen Hintergrund von Henry F. Schaefer widmen, dem Redner der in hier kritisierten ETH-Veranstaltung.
Über die zweifellos vorhandene wissenschaftlichke Qualifikation von Henry Schafer gibt Wikipedia ausreichend Auskunft. Ebenfalls relevenat ist Schafers Verbandelung mit dem «Discovery Institute», einem konservativ-christlichen US-amerikanischen «Think Tank», welcher, unter dem Begriff «Intelligent Design», Kreationismus propagiert. Unter dem Motto «Teach the Controversy» versucht das «Discovery Institute», Kreationsmus als wissenschaftliche Theorie darzustellen, deren Erklärungsgehalt mindestens so hoch wie jener der Evolutionstheorie sei.

3. Inhalt des ETH-Vortrages
An dieser Stelle muss ich betonen, dass ich persönlich an keinem der zwei Vorträge an der ETH zugegen war.  Deswegen stütze ich mich einerseits auf Material, welches zu diesem Vortrag online einsehbar ist (diesen Vortrag hält Prof. Schaefer schon seit Jahren), andererseits auf Berichte und Dokumentation der «Hochschulgruppe 'frei denken'», welche Teil der «Freidenker-Vereinigung der Schweiz» ist. Für die Unterstützung und das Engagement der «Hochschulgruppe 'frei denken'» möchte ich mich an dieser Stelle bedanken.

Auf YouTube sind Videos zu diesem Vortrag vorhanden, wie ihn Schaefer 2008 in Mumbai gehalten hat. Ich betone nochmals, dass ich bei dem aktuellen ETH-Vortrag nicht vor Ort war und entsprechend nicht weiss, ob die der in den YouTube-Videos festgehaltene Vortrag inhaltsgleich mit dem ETH-Vortrag ist. Dennoch an dieser Stelle Teil 1 der Video-Reihe:
Die restlichen Videos sind zu finden unter: Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5. Für den Rest dieses Abschnittes stütze ich mich auf einen Aufsatz (zusätzlich hier zum Download bereitgestellt), welcher die schriftliche Version eines von Schaefers «The Big Bang, Stephen Hawking, and God»-Vorträgen ist. Seitens der «Hochschulgruppe 'frei denken'» wurde mir mitgeteilt, dass der Inhalt des Vortrages an der ETH vor allem zum zweiten Termin weniger «scharf» als die oben verlinkte Text-Version ausfiel. Da das Argument im Wesentlichen dasselbe bleibt, beziehe ich mich dennoch auf den Text.
Der Inhalt dieser kreationistischen Argumentation unterscheidet sich beispielsweise von der «Harun Yahya»-Variante: Zum einen ist Thema nicht Evolution sondern Kosmologie, zum anderen wird nicht Antagonismus zu Wissenschaft, sondern der Versuch einer pseudowissenschaftlichen Ergänzung von Wissenschaft inszeniert. Dies macht Schaefers Kreationismus womöglich attraktiver als Kreationismus, welcher in Grundsatz-Opposition zu bestimmten wissenschaftlichen Disziplinen steht (wie z.B. den «Harun Yahya»-Kreationismus).
Schaefers Argumentation in dem oben verlinken Aufsatz lässt sich auf wenige Sätze reduzieren. Er behauptet, dass die Urknall-Theorie zwingend voraussetzt, dass es einen «Gott» als Ursache für den Urknall gebe. Insgesamt nenn Schafer 5 «traditionelle Argumente» für die Existenz Gottes:
1) The cosmological argument: the effect of the universe's existence must have a suitable cause.
2) The teleological argument: the design of the universe implies a purpose or direction behind it.
3) The rational argument: the operation of the universe according to order and natural law implies a mind behind it.
4) The ontological argument: man's ideas of God (his God- consciousness, if you like) implies a God who imprinted such a consciousness.
5) The moral argument: man's built-in sense of right and wrong can be accounted for only by an innate awareness of a code of law - an awareness implanted by a higher being
Das erste, das «kosmologische» Argument, ist an und für sich der ganze Inhalt des Vortrages: Weil es einen Urknall gab, muss Gott Initiator des Urkanlls sein. Diese völlig unbegründete Aussage, welche sich auch zu «Nicht alles ist bekannt, also war es Gott» umformulieren lässt, sucht Schaefer durch Zitate von Wissenschaftlern, in welchen die Existenz Gottes vorgeschlagen wird, zu stützen. Ein gewichtiges Beispiel für dieses «quote mining» ist der Versuch, Stephen Hawkings Forschung als Beleg für die Notwendigeit der Gottesexistenz darzusellen. Die Existenz eines Gottes ist für Schaefer also Prämisse, was die ganze Argumentation allenfalls zu einer religiösen Schrift macht, mit Wissenschaft aber nichts zu tun hat.
Der Aufsatz Schaefers schliesst mich acht Punkten, welche logische Konsequenz aus der Urknall-Theorie sein sollen:
1. The big bang represents an immensely powerful yet carefully controlled release of matter, energy, space, and time within the strict confines of very carefully fine-tuned physical constants and laws which govern their behavior and interactions. The power and care this explosion reveals exceed human potential for design by multiple orders of magnitude.
Bereits «carefully controlled» meint, dass jemand oder etwas den Urknall gesteuert habe - eine Behauptung, welche jeglicher wissenschaftlicher Theorie wie Empirie entbehrt. Punkt zwei ist noch einen Schritt absurder (die restlichen Punkte drei bis acht sind ebenso hanebüchen):
2. A Creator must exist. The big bang ripples (April 1992) and subsequent scientific findings are clearly pointing to an ex nihilo creation consistent with the first few verses of the book of Genesis.
Ein «Erschaffer» muss angeblich existieren, weil die Urknalltheorie stützende Messungen angeblich auf «Schöpfung» deuten, wie sie in einem un- und vorwissenschaftlichen Buch steht. Spätestens ab diesem Punkt ist unbestreitbar, dass die Ausführungen Schaefers nicht in Wissenschaft gründen: Er ist ein Mann, welcher versucht, seinen Glauben und seine religiöse Zugehörigkeit durch Usurpation von Wissenschaft zu propagieren.
Henry Schaefer ist ein gutes Beispiel dafür, dass kritisches Denken, dass Skepsis nicht einhergeht mit akademischem Erfolg. Es handelt sich hier um einen klassischen Fall eines «Autoritätsargumentes»; wie es leider keine Seltenheit ist.
Im Anschluss an den Vortrag haben Mitglieder der «Hochschulgruppe 'frei denken'» Flugblätter verteilt, welche die grössten Fehlschlüsse und Ungereimtheiten der Argumentation Schaefers zusammenfassen (ich habe nur den Text übernommen, die Formattierung entspricht nicht dem originalen Flugblatt; die PDF-Datei ist hier herunterladbar):

4. Kreationismus und Hochschulen
In den vorherigen drei Abschnitten habe ich darzustellen versucht, welche Organisationen hinter dieser Veranstaltung stehen und, dass der Inhalt des Vortrages von Schaefer Kreationismus, nicht Wissenschaft ist. In diesem letzten Abschnitt nun möchte ich mich der Frage widmen, ob derartige Veranstaltungen an der ETH im Besonderen, an Hochschulen im Allgemeinen, tolerierbar sind.

Zunächst der Verweis auf das «Reglement für die Benützung von Räumen der ETH Zürich (Raumbenützungsreglement)». Unter Artikel 10, «Bewilligung und Gebühren», heisst es:
Eine Bewilligung wird nicht erteilt, wenn:
a. der falsche Eindruck eines Bezugs der Veranstaltung oder der Veranstalter zur ETH entstehen könnte;
b. an der Veranstaltung Diplome einer anderen Ausbildungsstätte erteilt werden sollen;
c. eine regelmässige Benützung für Unterrichtszwecke einer anderen Ausbildungsstätte angestrebt wird und dies nicht im Rahmen einer Zusammenarbeit mit der ETH erfolgt;
d. die Veranstaltung einen politischen oder konfessionellen Charakter hat.
Ob a. zutrifft, ist wohl nicht eindeutig (vgl. Bild des Flugblattes zu Beginn dieses Blogeintrages); dass d. zutrifft, steht ausser Frage. Wie genau die ETH dieses Reglement anwendet, ist unklar. Unabhängig von dem Vollzug bestehender Regeln, drängt sich die Frage auf, ob Veranstaltungen wie der offensichtliche Kreationismus-Vortrag von Henry Schaefer an öffentlichen Hochschulen zu dulden sind.
Das Argument der freien Meinungsäusserung ist wichtig: Hochschulen sollen Stätten des freien Austausches von Argumenten sein, wobei Kritik über deren wissenschaftliche Güte befindet. Das bedeutet aber keinesfalls, dass alles unter dem Deckmantel der Wissenschaft akzeptierbar ist. Die Frage der Götterexistenz kann durchaus kritisch diskutiert werden, Kreationismus ist aber das Gegenteil kritischen Denkens, Kreationismus ist Glaube. Henry Schaefer behauptet in seinem Vortrag explizit, es handle sich um wissenschaftliche Ausführungen - dem ist nicht so.
Obwohl der Vortrag also nicht eine offizielle ETH-Veranstaltung war, hat eben ein Angestellter der ETH (!) einen rein religiösen Vortrag mit Anspruch auf Wissenschaftlichkeit gehalten. Damit schadet die ETH ihrem eigenen Ruf: Eine seriöse Bildungsinstitution darf nicht tolerieren, wenn «nach Feierabend» innerhalb ihrer Mauern Pseudowissenschaft zelebriert wird.

Damit hören die Probleme aber nicht auf. Am Ende Anfang des Vortrages wurden folgende «Feedback-Formulare» verteilt (Dank an die «Hochschulgruppe 'frei denken'» für dessen Bereitstellung; PDF hier herunterladbar):
Da nur ca. ein Drittel der Seite eigentlichem Feedback gewidmet ist und dazu nur zwei offene Fragen vorhanden sind (offene Fragen bleiben eher unbeantwortet als geschlossene, da den Schreibenden mehr Aufwand abverlangt wird), ist anzunehmen, dass Feedback nicht der eigentliche Sinn dieses Formulares ist. Sowohl der Bereich «Service» als auch «Unser Angebot» sind Versuche des Vereins «CAMPUSlive», mit Individuen Kontakt aufzunehmen.
Insbesondere das Angebot des «Alphalive-Kurses» ist problematisch: Dabei handelt es sich um ein aus England stammendes 10-wöchiges Programm, mit dem alleinigen Ziel, die Teilnehmenden zu der propagierten Variante des Christentums zu konvertieren. Angepriesen wird der «Alphalive-Kurs» u.a. mit folgendem Werbefilm:

Die ETH als öffentliche Einrichtung muss sich aus zwei wesentlichen Gründen von Vereinen wie «CAMPUSlive» distanzieren:
  1. «CAMPUSlive» verbreitet Pseudowissenschaft in Form von Kreationismus.
  2. «CAMPUSlive», als Teil des Vereines «Campus für Christus», hat den Auftrag, an Hochschulen zu missionieren.

2 Kommentare:

Daniel Stekhoven hat gesagt…

Ich habe an der zweiten Veranstaltung am 15. Juli teilgenommen, da ich mir a priori nicht vorstellen konnte, dass ein Redner wie H. Schaefer an der ETH vortragen dürfte. Ich habe ihn vorher nicht gekannt, wurde aber durch ein prominent angebrachtes Poster bei der Mensa auf die Veranstaltung hingewiesen und habe anschliessend den Namen gegooglt. Dabei bin ich auf das gleiche Transkript gestossen, welches Du hier verlinkt hast.

Deinen Ausführungen kann ich mich in allen Punkten nur anschliessen, weswegen ich auch eine Beschwerde an den ETH Präsidenten geschickt habe, um auf diesen Missstand hinzuweisen. Vier Tage später erhielt ich eine Antwort durch den Rechtsdienst der ETH, darin stand (auszugsweise):

Grundsätzlich werden Bewilligungsgesuche zur Nutzung von Räumlichkeiten an der ETH Zürich sehr sorgfältig geprüft. Im vorliegenden Fall vermuten wir, dass der konfessionelle Charakter der Veranstaltung dem Gesuch nicht zu entnehmen war.

Was wahrscheinlich zu der "Verschleierungstaktik", wie sie auf der CAMPUSlive Homepage praktiziert wird, passt. Desweiteren ist zu vermuten, dass diese Gesuche - gestützt durch die Prominenz der Mitglieder des Dozentenforums - etwas weniger "strikt" kontrolliert werden. Auf jeden Fall schreibt der Rechtsdienst weiter:

Jedenfalls werden wir aber dafür besorgt sein, dass Gesuche von den zuständigen Stellen inskünftig noch gründlicher im Sinne der Bestimmungen des Raumbenützungsreglements der ETH Zürich geprüft werden.

Hier noch ein paar Anekdoten zu der Veranstaltung am 15. Juli:

Herr Schaefer hatte den Titel seines Vortrages geändert. Auf dem ersten Slide stand: The Big Bang, Stephen Hawking and (...) worldviews. Leider bin ich mir nicht mehr ganz sicher, was für ein Adjektiv vor 'worldviews' stand, aber auf jeden Fall stand nicht 'god'. Leider habe ich es versäumt, Herrn Schaefer über seine Beweggründe zu befragen.

Die erste Frage lautete (sinngemäss): Falls es nun eine transzendete, intelligente Wesenheit geben sollte, welche den Urknall orchestriert hat - warum sollte das der christliche Gott sein? Herr Schaefer holte anschliessend aus, wie er im zarten Alter von 28 zu Jesus gefunden hatte und so weiter, aber gab keine Antwort. Als er durch den Fragenden darauf hingewiesen wurde, erwiderte er: "Ich denke nicht, dass sie erwartet haben, dass ich Ihnen eine Antwort darauf gebe."

Auf den Hinweis eines aufgebrachten Hörers gegen Ende des Vortrages, dass die Hausregeln der ETH vorsähen, dass keine politischen oder konfessionellen Meinungen vorgetragen werden dürfen (siehe oben), erwiderte Prof Schaefer, dass diese Regeln auf ihn als Gastprofessor nicht zutreffen, und Herr Urs Wolf (CAMPUSlive, leitete die Veranstaltung) meinte, es stünde ja "God" im Titel, daher hätte jeder gewusst, was ihn erwartet...

Eine junge Dame stellte die Frage, inwiefern die Urknalltheorie (13.7 Mrd Jahre altes Universum) mit dem 1. Kapitel Genesis (Schaffung des Universums/Erde in 6 Tagen) übereinstimmen könnte. Darauf meinte Herr Schaefer, dass das perfekt passe und sie sich wohl nur ab dem Wort 'Tag' störe, welches man nicht als einen 24 Stunden Tag verstehen dürfe.

Es könnte noch weiter gehen, aber der Standpunkt ist wohl gemacht: Es steht der ETH nicht, dass ein Fellow des Discovery Institutes eine Basis erhält um pseudowissenschaftliche Ideen zu verbreiten und die Namen von grossen Wissenschaftlern zu missbrauchen.

Marko Kovic hat gesagt…

Hallo Daniel

Vielen Dank für die Infos - und für deine Kontaktaufnahme mit dem Rechtsdienst der ETH! Vielleicht werden solche Veranstaltungen in Zukunft wirklich seltener an der ETH stattfinden.
Dass nicht zuletzt der prominente Redner, wie du vermutest, ein Grund war, warum diese Veranstaltung 'durchgewunken' wurde, macht durchaus Sinn.

Deine Schilderungen des Vortrages sind spannend: Warum sah sich Prof. Schaefer wohl gezwungen, den Inhalt 'abzuschwächen'? War es die sich anbahnende Kritik bei dem zwei Tage früher stattfindenden Vortrag - oder die Einsicht, dass das Publikum eher überzeugt werden kann, wenn der Kreationismus stärker verschleiert wird?
Dass Prof. Schaefer und Herr Wolf meinen, ein Verstoss gegen die Hausordnung sei in diesem Falle kein Problem, überrascht mich ehrlich gesagt wenig: Wer Religion als Wissenschaft verkauft, ist es gewohnt, sich Tatsachen zurechtzubiegen ;).

Gruss

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