31. August 2010

Wenn Wasser also ein «Gedächtnis» hat...

Im Anschluss an den letzten Blogeintrag (und als kleine Vorbereitung auf den nächsten) ein Bild, welches treffend eines der Hauptprobleme der Homöopathie anspricht (Quelle):
Auch wenn Homöopathie wirken sollte (was, abgesehen vom Placebo-Effekt, nicht der Fall ist), ist unklar, warum die Wirkung auf den Vorgang des «Potenzierens» zurückzuführen sei - schliesslich kommt Wasser mit Allerlei in Berührung.
Das homöopathische Schütteln ist letztlich willkürlich - Samuel Hahnemann, Vater der Homöopathie, kam auf die Idee mit dem Schütteln, als seine homöopathischen Wässerchen, in einer Kutsche vom Pferd gezogen, kräftig durchgeschüttelt wurden.

28. August 2010

Homöopathie-Propaganda auf «Tagesanzeiger online»

Heute, am 28. August, hat der Tagesanzeiger einen Artikel veröffentlicht, in welchem Martina Frei, eine ehemalige homöopathische «Ärztin», erklärt, warum Homöopathie doch wirkt und warum alle Kritikerinnen und Kritiker der Homöopathie Unrecht haben.
Dieser Artikel ist ausgezeichnetes Anschauungsmaterial für die Argumentationsstrategie von Homöopathinnen und Homöopathen. An und für sich ist bereits mit den ersten Sätzen die weitere Argumentation zusammengefasst:
Verdünnt man Wirkstoffe, verlieren sie an Kraft. Das ist die allgemeine Erfahrung. Als homöopathische Ärztin habe ich früher aber auch andere gemacht.
Die Autorin als Expertin hat früher bestimmte Erfahrungen gemacht.  Dieses Argument ist der Kern homöopathischer Rechtfertigungen: «Anekdotische Evidenz». Das Subjekt hat alltägliche Erfahrungen gemacht - und diese Erfahrungen sind durchaus, für das betroffene Subjekt, real. Das Problem dabei ist, dass der Anspruch auf Wirksamkeit homöopathischer Mittel nicht durch anekdotische Alltagserfahrungen, sondern wissenschaftliche Methode zu prüfen ist.

26. August 2010

Frauen mögen «Geeks» (behauptet eine Phantomstudie)

Es gibt wenig Schöneres, als Studien, welche unseren bequemen Lebensstandard in einem postitiven Licht erscheinen lassen. Über eine solche berichtete «Blick am Abend» in der Ausgabe vom 25. August:
Frauen ziehen «praktisch veranlagte» Männer Fitness-zentrierten Expemplaren vor - MacGyver «hätte die besten Chancen bei den Frauen»! Das klingt gut; was liegt also näher, als einen Blick in diese Studie (oder wie im «Blick am Abend»-Artikel beschrieben, Umfrage) zu werfen? Die einzige Hürde ist, dass über diese Studie bzw. Umfrage kaum Näheres in Erfahrung zu bringen ist.

22. August 2010

«Sonntagsblick»: Genveränderung ohne Genveränderung

Das «Sonntagsblick Magazin» hat in der heutigen Ausgabe vom 22. August einen kleinen, aber feinen Artikel veröffentlicht:

21. August 2010

«Das Magazin», zum Zweiten: Homöopathie und Nazis

In der aktuellen Ausgabe vom 21. August hat «Das Magazin» einen homöopathie-kritischen Artikel veröffentlicht - leider ein seltenes Ereignis in der massenmedialen Landschaft der Schweiz.
So erfreulich ein Homöopathie gegenüber kritischer Artikel ist, so problematisch ist der eigentliche Inhalt: Kaum wird thematisiert, warum Homöopathie nichts weiter als in Kügelchenform verkaufter Placebo-Effekt ist. Diskutiert wird, wie und warum die Nationalsozialisten unter Hitler Homöopathie anzuwenden suchten.

«Das Magazin», zum Ersten: Kritik am Schweizer Fernsehen

Am 14. August hat «Das Magazin» einen Artikel veröffentlicht, in welchem der Umgang des Schweizer Fernsehens mit Esoterik-Unsinn aller Art kritisiert wird. Ähnliche Kritik habe ich zwar auch schon geäussert, der gelungene «Das Magazin»-Artikel aber zeichnet ein umfassendes Bild der Problematik.

Insbesondere der Verweis auf Horkheimer und Adornos «Dialektik der Aufklärung» gefällt mir, weil damit  die Gewichtigkeit des Problems angedeutet wird: Vordergründig geht es zwar nur um jeweils wenige Minuten Sendezeit, dahinter aber stehen Grundsatzfragen der Funktion öffentlich-rechtlichen Rundfunkes:
Fröhlich und unterhaltsam bringt man die antiaufklärerische Botschaft rüber. Man scheint zu wissen, dass die Bereitschaft, diese aufzusaugen, grösser denn je ist. Alles so rational, alles so durchtechnisiert — neues Sinnangebot ist jederzeit willkommen. «Das Programm der Aufklärung war die Entzauberung der Welt», schrieben Horkheimer und Adorno schon 1944 in «Dialektik der Aufklärung». «Sie wollte die Mythen auflösen und Einbildung durch Wissen stürzen.» Also liefert das Schweizer Fernsehen das Gegenprogramm: Einbildung statt Bildung. Denn das Publikum will das ja. Wer keinen Trost in den «hellsichtigen Wurzelskulpturen» des Franz Huemer findet («Briefträger der Natur», «Kulturplatz», 26. Juni 2010); wer sein Heil in «Der Handaufleger» nicht sieht («Merkwürdige Geschichten aus dem Emmental», «Dok», 20. November 2008) — dem bescheren die spirituellen Werbespots zumindest ein schöner Schauder.
In der Tat darf öffentlicher Rundfunk nicht zum Agenten antiaufklärerischer Botschaften werden - nicht zuletzt, weil rationale Gegentstimmen zu privatem Rundfunk nötig sind.

19. August 2010

Schweizer Fernsehen: «Mysteriöse Schweiz»

Das Schweizer Fernsehen ist immer wieder für eine Überraschung gut, im Positiven (hier ein Beispiel) wie im Negativen (z.B. hier). Die 13-teilige Kurz-Dokumentarfilmreihe «Mysteriöse Schweiz» aus dem Jahr 2009 stellt einen Abstecher in unseriöse Gefilde dar. Der Titel ist zunächst wenig aussagekräftig, darum lohnt ein Blick in die Beschreibung der Sendung:
Die 13 Kurzfilme der Fernsehreihe «Mysteriöse Schweiz» führen in eine andere Schweiz. Eine Schweiz der Sagen mit Nachtgeistern, Feen, Göttinnen und Wasserhexen. Merkwürdige Heilpraktiken sind ebenso Thema wie fast vergessenes Wissen und seltsame Traditionen. Festmachen lässt sich nur Vereinzeltes in dieser Anderswelt; umso sorgsamer werden Bräuche und Sagen von Generation zu Generation weitergetragen.
Eine «andere Schweiz», wo unter anderem «fast vergessenes Wissen» (aus Atlantis?) Thema ist. In dieser «Anderswelt» (ein zugegebenermassen eigentümlich schönes Wort) lasse sich nur «Vereinzeltes» festmachen. Warum dem so ist, klärt vielleicht ein Blick in einen dieser Kurzfilme.

13. August 2010

NZZ: «Neugierige Frauen werden später Mütter»

Die NZZ hat in ihrer Online-Ausgabe vom 8.8.2010 über einer Studie berichtet, welche der Frage nachgeht, wodurch beeinflusst wird, wann Frauen ihr erstes Kind gebären.
Die Studie ist an und für sich interessant - die NZZ-Berichterstattung dazu aber ein Beispiel für völlig unverhältnismässige Gewichtung einer einzelnen Studie.

9. August 2010

«SonntagsZeitung»: Il buono, il brutto, il cattivo

Erst kürzlich habe ich versucht aufzuzeigen, wie widersprüchlich der Tagesanzeiger, zumindest in der Online-Ausgabe, mit Pseudowissenschaft umgeht. In der SonntagsZeitung vom 8.8.2010 kommt diese schizophrene Haltung des Tamedia-Verlags (u.a. Herausgeber des Tagesanzeigers, der SonntagsZeitung und von 20minuten; hier die vollständige Liste der Tamedia-Zeitungen) wiederum zur Geltung.

Il buono...
Ermutigend ist die Ankündigung auf der Titelseite des Bundes «Wissen»:
Ein Beitrag, welcher thematisiert, wie «Ideologen wissenschaftliche Tatsachen torpedieren»? Das klingt angenehm... skeptisch.

4. August 2010

«eso.tv»: Sie erwarten unseren Anruf

Der Tagesanzeiger hat online über das in der Schweiz neue Sendeformat «eso.tv» berichtet. Der Artikel ist kritisch gehalten, bemängelt wird aber vor allem der hohe Preis dieser «Dienstleistung» - dass dieser Hokus-Pokus blanker Betrug ist, wird nicht erwähnt.
Die Tätigkeiten von «eso.tv» werden auf dessen Homepage unter anderem wie folgt beschrieben:
ESO.TV stellt durch ihre kompetenten Berater uraltes Wissen und verlorene Weisheiten von Atlantis über die moderne Telekommunikations-und Informationstechnologie Ratsuchenden zur Verfügung und zwar in der Form, dass Ratsuchende telefonisch mit den ESO.TV-Beratern in Kontakt treten können.
Uraltes Wissen und verlorene Weisheiten von Atlantis! Mehr davon!