21. August 2010

«Das Magazin», zum Ersten: Kritik am Schweizer Fernsehen

Am 14. August hat «Das Magazin» einen Artikel veröffentlicht, in welchem der Umgang des Schweizer Fernsehens mit Esoterik-Unsinn aller Art kritisiert wird. Ähnliche Kritik habe ich zwar auch schon geäussert, der gelungene «Das Magazin»-Artikel aber zeichnet ein umfassendes Bild der Problematik.

Insbesondere der Verweis auf Horkheimer und Adornos «Dialektik der Aufklärung» gefällt mir, weil damit  die Gewichtigkeit des Problems angedeutet wird: Vordergründig geht es zwar nur um jeweils wenige Minuten Sendezeit, dahinter aber stehen Grundsatzfragen der Funktion öffentlich-rechtlichen Rundfunkes:
Fröhlich und unterhaltsam bringt man die antiaufklärerische Botschaft rüber. Man scheint zu wissen, dass die Bereitschaft, diese aufzusaugen, grösser denn je ist. Alles so rational, alles so durchtechnisiert — neues Sinnangebot ist jederzeit willkommen. «Das Programm der Aufklärung war die Entzauberung der Welt», schrieben Horkheimer und Adorno schon 1944 in «Dialektik der Aufklärung». «Sie wollte die Mythen auflösen und Einbildung durch Wissen stürzen.» Also liefert das Schweizer Fernsehen das Gegenprogramm: Einbildung statt Bildung. Denn das Publikum will das ja. Wer keinen Trost in den «hellsichtigen Wurzelskulpturen» des Franz Huemer findet («Briefträger der Natur», «Kulturplatz», 26. Juni 2010); wer sein Heil in «Der Handaufleger» nicht sieht («Merkwürdige Geschichten aus dem Emmental», «Dok», 20. November 2008) — dem bescheren die spirituellen Werbespots zumindest ein schöner Schauder.
In der Tat darf öffentlicher Rundfunk nicht zum Agenten antiaufklärerischer Botschaften werden - nicht zuletzt, weil rationale Gegentstimmen zu privatem Rundfunk nötig sind.

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