19. August 2010

Schweizer Fernsehen: «Mysteriöse Schweiz»

Das Schweizer Fernsehen ist immer wieder für eine Überraschung gut, im Positiven (hier ein Beispiel) wie im Negativen (z.B. hier). Die 13-teilige Kurz-Dokumentarfilmreihe «Mysteriöse Schweiz» aus dem Jahr 2009 stellt einen Abstecher in unseriöse Gefilde dar. Der Titel ist zunächst wenig aussagekräftig, darum lohnt ein Blick in die Beschreibung der Sendung:
Die 13 Kurzfilme der Fernsehreihe «Mysteriöse Schweiz» führen in eine andere Schweiz. Eine Schweiz der Sagen mit Nachtgeistern, Feen, Göttinnen und Wasserhexen. Merkwürdige Heilpraktiken sind ebenso Thema wie fast vergessenes Wissen und seltsame Traditionen. Festmachen lässt sich nur Vereinzeltes in dieser Anderswelt; umso sorgsamer werden Bräuche und Sagen von Generation zu Generation weitergetragen.
Eine «andere Schweiz», wo unter anderem «fast vergessenes Wissen» (aus Atlantis?) Thema ist. In dieser «Anderswelt» (ein zugegebenermassen eigentümlich schönes Wort) lasse sich nur «Vereinzeltes» festmachen. Warum dem so ist, klärt vielleicht ein Blick in einen dieser Kurzfilme.

In diesem Blogeintrag möchte ich mich kurz der ersten Folge widmen, betitelt mit «Das Toggeli». Zunächst interessiert die Beschreibung des Filmes:
Das Nachtgespenst aus der Innerschweiz: Zu nachtschlafener Zeit sucht das Toggeli seine Opfer auf, sitzt ihnen auf die Brust und raubt ihnen damit den Atem. In der Innerschweiz machen heute noch haarsträubende Toggeli-Geschichten die Runde. Mit erfinderischen Abwehrmassnahmen versuchten sich Menschen seit jeher, sich gegen das niederträchtige Nachtgespenst zu wehren.
Man beachte: Der Satz lautet «Zu nachtschlafener Zeit sucht das Toggeli seine Opfer auf, sitzt ihnen auf die Brust und raubt ihnen damit den Atem.» - kein «angeblich», kein «gemäss Aussagen von». Aber immerhin, wieder ein, wie ich finde, sehr schönes Wort, «nachtschlafen». Doch was interessiert ist ja der eigentliche Film:
Zunächst fällt die Eingangs-Animation auf: Ein mysteriöser Schlüssel öffnet, begleitet von pompöser Musik, ein mysteriöses Buch. Mysteriöser noch als die Animation ist die verwendete Schriftart während der Animation, welche auch im Logo der Filmreihe zum Einsatz kommt:
Die mysteriöse Schriftart ist - sofern ich das beurteilen kann - «Papyrus».
Mysteriöser wäre nur noch «Comic Sans».

Der Inhalt des Dokumentarfilms ist schnell zusammengefasst: Menschen in einer Bergregion der Innerschweiz wachen manchmal mit Atembeschwerden auf. Einige der Betroffenen glauben, ein Nachtgespennst namens «Toggeli» sei dafür verantwortlich. Die interviewten Männer sind aber auch selbstkritisch; ob es das Toggeli wirklich gebe, sei, anders als z.B. bei der Frage nach «Erdgeistern» und «Kobolden», unklar.
Der Film ist untermalt von einer suggestiven Musik- bzw. Geräusch-Tonspur, welche wohl vermitteln soll, wie mysteriös das Gezeigte ist. Auch nichtssagende Einstellungen dunkler Räume dürften diesem Zweck dienen.

Dieser kurze Dokumentarfilm möchte die Zuschauerinnen und Zuschauer also Folgendes glauben machen: Bestimmte Vorfälle habe sich (angeblich) ereignet; die Betroffenen ziehen «das Toggeli» als Urheber in Betracht; diese Möglichkeit ist plausibel (vgl. «argument from ignorance»).

Das einzig Mysteriöse an dieser Dokumentarfilmreihe ist die Frage, wer beim Schweizer Fernsehen der Ansicht ist, es sei vernünftig, für solchen Unsinn Gebührengelder zu verschwenden.

1 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Unser liebes gebührenfinanziertes SF gefällt sich ja ohnehin darin eine einfache, heile Welt zu transportieren. Da kann man auch mal ganz unreflektiert ein Kupferrohr gegen die schädlichen Auswirkungen von Wasseradern im Garten vergraben.

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