30. September 2010

NZZ: Weniger Suizide bei Katholiken

Am 29. September hat NZZ-online einen Artikel zu einer lesenswerten Studie veröffentlicht (der Titel des NZZ-Artikels verwirrt leicht, da es in der Studie nicht nur um Katholiken geht). Die Studie ist mit «Religion and assisted and non-assisted suicide in Switzerland: National Cohort Study» betitelt (Download-Link).
Weder der NZZ-Artikel zu der Studie noch die Studie selber sind grundsätzlich problematisch. Dennoch eignet sich dieses Beispiel, um zu besprechen, wie genau «Suizid» zu verstehen ist - wörtlich als «Selbstmord», oder eher als «Freitod».

27. September 2010

Der Wunderheiler «Braco» war in Zürich, ich war bei «Braco»

Am Sonntag, dem 26. September, beehrte der kroatische Wunderheiler «Braco» (was so viel wie «Brüderchen» bedeutet) Zürich - diese Gelegenheit konnte ich mir nicht entgehen lassen. Ausgerüstet mit Kamera und Stativ wollte ich diese Veranstaltung filmen, doch leider war dies untersagt. Die bescheidene filmische Ausbeute ist in folgendem Video festgehalten:
Die Gesichter der beferagten Personen habe ich verzerrt, weil ich ihnen nicht explizit erklärt habe, in welchem Kontext ihre Aussagen verwendet würden.

Für den Rest werden meine Notizen, welche ich während der Veranstaltung gemacht habe, herhalten müssen. Die spannendste Erkenntnis vorweg: Von einigen von «Bracos» kroatischen bzw. kroatisch sprechenden Mitarbeitern an der Veranstaltung lernte ich ein paar neue schlüpfrige Witze:
  • Was ist der Unterschied zwischen einem männlichen und einem weiblichen Igel? Der männliche hat einen Stachel mehr.
  • Was ist der Unterschied zwischen Prostituierten und Gynäkologen? Keiner: Beide verdienen ihr Geld mit «Fotzen».
Die eigentliche Veranstaltung, inklusive zweier Auftritte «Bracos», war hingegen eher enttäuschend.

25. September 2010

20minuten: Doch kein Zauberstab!

Themen, welche auf diesem Blog kritisch «besprochen», oder zumindest erwähnt, werden - Mal mit dem Versuch etwas tiefergehender Analyse, Mal eher augenzwinkernd - folgen oft einem einfachen Muster: Ein (Massen-)Medium verwertet ein mehr oder weniger aktuelles bzw. relevantes wissenschaftliches oder pseudowissenschaftliches Thema, ohne dieses kritisch zu hinterfragen, obwohl dies angebracht wäre.
    Ein kurzer Artikel, welcher am 24. September in 20minuten erschien, folgt auf den ersten Blick diesem Muster:
    So wollte ich denn auch zunächst, nach gewohnter Manier, mein Standardprogramm abspulen («Pseudowissenschaftliches Ereignis → 20minuten hinterfragt nicht, sondern verstärkt20minuten=schlecht»). Auf den zweiten Blick aber offenbart sich in diesem Artikel ein Mechanismus, welcher nicht ganz dem oben beschriebenen gewöhnlichen Muster entspricht - und potentiell noch schädlicher ist: 20minuten deutet ein neutrales Ereignis pseudowissenschaftlich.

    23. September 2010

    «odysso» auf SWR: «Scharlatane und Pseudowissenschaftler»

    Zwar ist der «Südwestrundfunk» («SWR») ein deutscher Sender, welcher sich in der Regel nicht gross der Schweiz widmet, aber die Sendung «odysso» vom 29. September ist zweifellos auch für hierzulande Sesshafte sehenswert. Thema der Sendung ist «Scharlatane und Pseudowissenschaftler»:

    Kritisch werden mehrehre Themen behandelt:

    • «Die Liga der Gurus und Geistheiler» ist ein Beitrag zum offenbar weit verbreiteten Gebrauch von Wunderheilern aller Art in der Fusballiga Deutschlands.
    • «Krebs durch Schicksallsschläge» kritisiert die immer noch vorhandene und möglicherweise lebensgefährliche Idee der «Krebspersönlichkeit».
    • «Scharlatan-O-Meter» ist eine, so meine ich, sehr gelungene Erklärung, welche in weniger als 7 Minuten aufzeigt, warum die Annahmen der Homöopathie unvernünftig sind.
    • «Allergien-Hysterien» greift das Thema des scheinbar vorhandenen Nahrungsmittelallergie-Hypes auf, welcher in keinem Verhältnis zu tatsächlich vorkommenden Nahrungsmittelallergien steht.
    Ein dem rationalen Argument verpflichtetes Fernsehformat wie «odysso» ist zu loben - das Schlusswort des Moderators, «bleiben Sie kritisch», ist eine Aufforderung, welche Seltenheitswert hat.
    Im Gegensatz dazu hat das öffentlich-rechtliche Fernsehen in der Schweiz andere Prioritäten: So scheint z.B. die «human interest»-Sendung «glanz & gloria» so wichtig, dass diese einen eigenen Link auf der Startseite der SF-Homepage erhält - wohlgemerkt steht dieser Link vor jenem, welcher zu «SF Wissen» weiterleitet:

    18. September 2010

    10vor10: Hunde als Epilepsie-Warner

    In der Ausgabe vom 15. September hat «10vor10», die tägliche «Infotainment»-Sendung (ein Euphemismus für Boulevard-Sendung) des Schweizer Fernsehens einen kurzen Beitrag über eine an Epilepsie leidende Frau ausgestrahlt, deren Hund angeblich in der Lage ist, sich anbahnende Epilepsie-Anfälle zu spüren und das Frauchen zu warnen.
    Der Moderator, Stephan Klapproth, eröffnet den Beitrag mit der Erklärung, schon «unsere Eltern» hätten gewusst, dass Hunde «ganz unglaubliche Dinge tun können», wenn sie sahen, wie der Fernseh-Hund Lassie «dafür sorgte, dass immer alles gut ablief». Danach fragt er: «Haben Sie gewusst, dass es im richtigen Leben Hunde gibt, die noch viel Unglaublicheres können? Nämlich ihren Besitzer vor Epilepsie-Anfällen zu warnen».

    Es ist also Tatsache, dass Hunde ihre Besitzer vor Epilepsie-Anfällen warnen können? Leider nein: So eindeutig wie in der simpel gestrickten «10vor10»-Welt gestaltet sich die Situation nicht.

    14. September 2010

    Madame Etoile und TeleZüri: Ein symbiotisches Verhältnis

    Monica «Madame Etoile» Kissling war vor Kurzem wieder am Werk: Am 8. September war sie zu Gast in der Sendung «TalkTäglich» (jenem Format, welches auch dem Gesichtsleser Pietro Sassi ein Bühne bot) und hat ihre Zauberkünste genutzt, um zu ezählen, was diesen Herbst alles auf uns zukommen wird.
    Die Sendung ist in voller Länger online abrufbar.

    12. September 2010

    NZZ: Pseudokritik an Akupunktur

    Die NZZ hat am 5. September in ihrer Online-Ausgabe einen mit «Dem Aberglauben näher als rationaler Medizin» betitelten Artikel veröffentlicht. Da der Gegenstand des Artikels Akupunktur ist, wollte ich diesen Blogeintrag zunächst «Zeichen und Wunder: Die NZZ kritisiert Akupunktur» benennen.
    Davon sah ich allerdings ab, weil der Titel und Lead mehr  verheissen, als der Artikel letztlich bietet: Akupunktur wird nicht grundsätzlich kritisiert, sondern nur ein interner Streit der Akupunkturisten dargestellt. Prämisse dieses Beitrages zu «TCM» ist nämlich, dass Akupunktur wirkt.

    5. September 2010

    Homöopathie und klinische Studien: Ein Fallbeispiel

    In einem früheren Blogeintrag habe ich erwähnt, die grosse Mehrheit wissenschaftlicher Untersuchungen zu Homöopathie käme zum Schluss, Homöopathie habe keine über den Placebo-Effekt hinausgehende Wirkung. Einige Studien aber kommen zum gegenteiligen Ergebniss, scheitern jedoch nicht selten an grundlegenden Anforderungen zeitgemässen wissenschaftlichen Vorgehens.
    Vor Kurzem bin ich auf eine in diesem Zusammenhang interessante, am «Institut für Naturheilkunde» der Universität Zürich miterarbeitete Studie gestossen: «Test of a homeopathic dilution of Aconitum napellus» (Download-Link).
    Das Spannende an dieser Studie ist, dass sie zum Schluss kommt, das Homöopathie-Präparat sei wirksam, dabei aber strengen Anforderungen gerecht zu werden scheint: Der Untertitel der Studie lautet «A Clinical, Randomized, Double-Blind, Controlled Crossover Study in Healthy Volunteers».
    Im Folgenden möchte ich argumentieren, warum aber nicht alles Gold ist, was glänzt.