23. September 2010

«odysso» auf SWR: «Scharlatane und Pseudowissenschaftler»

Zwar ist der «Südwestrundfunk» («SWR») ein deutscher Sender, welcher sich in der Regel nicht gross der Schweiz widmet, aber die Sendung «odysso» vom 29. September ist zweifellos auch für hierzulande Sesshafte sehenswert. Thema der Sendung ist «Scharlatane und Pseudowissenschaftler»:

Kritisch werden mehrehre Themen behandelt:

  • «Die Liga der Gurus und Geistheiler» ist ein Beitrag zum offenbar weit verbreiteten Gebrauch von Wunderheilern aller Art in der Fusballiga Deutschlands.
  • «Krebs durch Schicksallsschläge» kritisiert die immer noch vorhandene und möglicherweise lebensgefährliche Idee der «Krebspersönlichkeit».
  • «Scharlatan-O-Meter» ist eine, so meine ich, sehr gelungene Erklärung, welche in weniger als 7 Minuten aufzeigt, warum die Annahmen der Homöopathie unvernünftig sind.
  • «Allergien-Hysterien» greift das Thema des scheinbar vorhandenen Nahrungsmittelallergie-Hypes auf, welcher in keinem Verhältnis zu tatsächlich vorkommenden Nahrungsmittelallergien steht.
Ein dem rationalen Argument verpflichtetes Fernsehformat wie «odysso» ist zu loben - das Schlusswort des Moderators, «bleiben Sie kritisch», ist eine Aufforderung, welche Seltenheitswert hat.
Im Gegensatz dazu hat das öffentlich-rechtliche Fernsehen in der Schweiz andere Prioritäten: So scheint z.B. die «human interest»-Sendung «glanz & gloria» so wichtig, dass diese einen eigenen Link auf der Startseite der SF-Homepage erhält - wohlgemerkt steht dieser Link vor jenem, welcher zu «SF Wissen» weiterleitet:

2 Kommentare:

giordano hat gesagt…

Der Höhepunkt des Esoterik-Schwachsinns im Schweizer Fernsehen hat wohl Äschbacher geliefert mit dem Lichtesser Michael Werner (http://www.videoportal.sf.tv/video?id=a0f2ef3e-6b74-4415-b9f1-fd3a0c975dfc). Der Werner gab sich als Leiter einer Forschungsabteilung aus. Mit ein wenig googlen findet man heraus, dass es sich bei dieser Institution um eine anthroposophische Anstalt ging.
Wenn das SF ein Spiegelbild der Gesellschaft ist, dann muss den Bildungsverantwortlichen ein Alarmglöcklein klingeln. Dazu kommt noch, dass mit solchen Beiträgen man das italienische Fernsehen als Schweizer nicht mehr kritisieren kann ob der vielen nackten Haut. Denn was ist schlimmer? Mit dem Trieb (der Italiener) zu spielen oder der fehlenden Bildung (der Schweizer)?
Schade, dass das SF (z.B. in Einstein) nicht auch die Pseudomedizin mal als Thema aufnimmt. Offenbar fehlt es an mutigen Redaktoren im SF. Was fehlt, ist wohl ein Wissenschaftsjournalist des Formats eines Joachim Bublath im ZDF. Er selber hatte es aber auch nicht leicht: http://www.wissenswerkstatt.net/2007/10/31/gegenwind-fuer-joachim-bublath-die-schwierige-verteidigung-der-wissenschaft-gegen-ihre-veraechter-werkstattnotiz-xxiii/.
Was tun?

Marko Kovic hat gesagt…

Vielen Dank für die Links!

Für einmal bin ich froh, dass ich unter Linux Probleme mit dem «realplayer» habe - die «Aeschbacher»-Sendung mit dem Betrüger Michael Werner kann ich nicht abspielen, aber schon die Beschreibung verheisst wenig Gutes: «Vollständig erklären, [sic] kann er das Phänomen Lichtnahrung nicht. Aber auf kritische Fragen hat er immer eine Antwort.» - ja, vermutlich die gängigen «Wissenschaft kann nicht alles erklären» und «man muss offen für Neues sein».

Italien ist ein interessantes Beispiel: Das Fernsehen ist zwar weitgehend Kanal politischer Machterhaltung Berlusconis (und der damit verbundenen modernen Variante von «Brot und Spiele», «Brüste und Hintern»), immerhin haben einige Qualitätszeitungen kritische Grundhaltungen (nur werden sie kaum gelesen).

Ich stimme dir zu: Um den Wissenschaftsjournalismus in der Schweiz steht es nicht zum Besten. Ein schwacher Trost ist vielleicht, dass das Talsohle hoffentlich bald erreicht sein dürfte.

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