22. Oktober 2010

«odysso» auf SWR: Pflichtsendung für Skeptische

In einem einige Wochen zurückliegenden Blogeintrag habe ich über die Sendung «odysso» berichtet, auf welche mich freundlicherweise ein Leser des «skeptiker-blogs» aufmerksam gemacht hatte.
In einem Kommentar bei diesem Blogeintrag wurde ich erneut an «odysso» erinnert. In der Zwischenzeit sind zwei weitere Sendungen erschienen, welche «Komplementärmedizin» kritisch hinterfragen.

«odysso» vom 7. Oktober 2010: «Unsanfte Medizin»
Die Sendung vom 7. Oktober (eine Wiederholung vom 25. Februar 2010) widmet sich dem Thema Pflanzenheilkunde: Ein Bereich der «Komplementärmedizin», welcher zweifellos wissenschaftlich untersuch- und verwertbar ist, da in diesem Kontext aktive Inhaltsstoffe interessieren (Pflanzenheilkunde spreche ich auch in diesem Blogeintrag kurz an). Folgende Punkte werden angesprochen:
  • «Vorsicht Gift: Gefährliche Naturheilmittel»
    In diesem Beitrag werden die Gefahren pflanzlicher Heilmittel, welche der «traditionellen chinesischen Medizin» entstammen, angesprochen.
     
  • «Intensivstation nach Kräutermedizin»
    Das Argument der Gefahren von aus Pflanzen gewonnen Mitteln wird fortgeführt: Der Fehlschluss, dass etwas, was aus Pflanzen gewonnen werde, «natürlich» und darum ohne Gefahren sei, kann tödlich enden. Was Wirkung hat, kann eben auch Nebenwirkungen haben.
     
  • «Gingko»
    In diesem Beitrag schliesslich wird kritisiert, dass aus dem Gingko-Baum gewonnene und mit zahlreichen Heilsversprechen verkaufte Mittel in Tat und Wahrheit unwirksam sind.

«odysso» vom 21. Oktober 2010: «Der Streit um den Placebo-Effekt»
Die Sendung vom 21. Oktober behandelt das faszinierende Thema Placebo-Effekt:
  • «Der Streit um den Placebo-Effekt»
    Hier wird besprochen, ob es aus medizinethischer und rechtlicher Sicht (für Deutschland) vertretbar ist, Patienten explizit mit Placebo-Mitteln zu behandeln und wenn ja, was für Eigenschaften Placebos haben dürfen (z.B. haben Antibiotika bei Grippe, einer viralen Erkrankung, nur Placebeo-Wirkung, aber mögliche organische Nebenwirkungen).
     
  • «Homöopathie - ein gutes Placebo»
    Dieser Beitrag erklärt, warum homöopathische Mittel (Zuckerkügelchen) einen Placebo-Effekt bewirken. Nicht ganz schlüssig wirken die Aussagen von Claudia Witt: In Minute 2 erklärt die wissenschaftlich ausgebildete Expertin, Homöopathie wirke. Anschliessend sagt sie, dass bis heute nicht belegt sei, dass Homöopathie wirksamer als Placebo ist.
Ist Claudia Witt nun wissenschaftlich-kritisch oder eine «CAM»-Apologetin? Ein Blick in einen aktuellen, aus ihrer Feder stammenden Beitrag im «Deutschen Ärzteblatt» schafft Klarheit. Auf Seite 1788 greift Witt auf den guten alten «Appeal to tradition» zurück, um zu erklären, warum «CAM» nicht gemäss gängigen wissenschaftlichen Standards untersucht werden kann:
Weitere wesentliche Unterschieden [sic] zwischen konventioneller Medizin und Komplementärmedizin, die einen Einfluss auf die klinische Forschung haben, resultieren aus der historischen Entwicklung. Komplementärmedizinische Therapiesysteme werden oft schon seit Jahrhunderten angewendet und waren schon verfügbar, bevor die heutigen Standards klinischer Forschung entwickelt wurden.
Also: Das Problem ist Wissenschaft, nicht «Komplementärmedizin». Erwartungsgemäss fällt auch Witts Fazit auf Seite 1789 aus:
Weitere Forschung zur Komplementärmedizin ist notwendig. Sie ist eine Voraussetzung für eine verantwortungsvolle Integration dieser Verfahren in die Normalversorgung und ein wichtiges Element der universitären Lehre. Allerdings sollte die Forschung versuchen, die Besonderheiten der Therapieverfahren zu berücksichtigen und sich primär mit entscheidungsrelevanten Fragestellungen auseinanderzusetzen.
«Komplementärmedizin» muss in die Normalversorgung integriert werden. Dafür ist weitere Foschung notwendig - aber bitte nur solche «Forschung», die bestätigt, dass «Komplementärmedizin» wirkt. Das Ziel der Forschung ist ja bereits vordefiniert, nämlich die Integration in die Normalversorgung; passen die wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht in diesen Plan, werden sie halt passend gemacht.

Fazit: «odysso» ist kritisches Pflichtprogramm auch in der Schweiz
«odysso» widmet sich in erster Linie Themen und Ereignissen, welche direkten Bezug zu Deutschland haben. Wie kritisches Denken im Allgemeinen sind die Argumente aus «odysso» aber, so meine ich, von universaler Relevanz - und darum ist «odysso» auch für in der Schweiz Lebende, skeptisch Denkende sehr sehenswert.

Das Schweizer Fernsehen hat nämlich nach wie vor andere Prioritäten. So feierte vor wenigen Tagen die spannende neue Quizshow «Traders» Premiere. Publikumsgäste werden mit folgendem Text angeworben:
«Traders» heisst die neuste Spielshow des Schweizer Fernsehens. Roman Kilchsperger moderiert diese rasante Show. Es wird getradet, geblufft, gelacht, Wissen getestet, gewonnen und verloren. Ein Riesenspass und Sie können als Zuschauer live dabei sein.
Eine «rasante Show», ein «Riesenspass».

1 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Eine kleine Sammlung älterer Folgen von Odysso findet man auf einem zugegeben nicht ganz legalen Blog:

http://www.movie-blog.org/index.php?s=Odysso

Da leider der Sender die älteren Folgen nicht mehr online anbieten darf, ist das aber eine gute Alternative.

(Hinweise an Erstbenutzer: Die Dateien von "Rapidshare" oder "Netload" downloaden, nicht von "Firstload", das ist ABO-Abzocke) Jede Folge besteht aus 2-3 RAR-Dateien, welche man mit WinRar oder 7Zip nach dem Download aller RAR-Dateien auspacken kann)

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