15. November 2010

«ALPHA»-Stellenanzeiger: «Feng Shui im Büro»

Am Samstag, dem 13. November, erschien im «ALPHA», dem Stellenanzeiger für Kaderpositionen, welcher u.a. dem Tagesanzeiger beiliegt, ein Artikel, welcher den Nutzen von «Feng Shui» im Büro anpreist.
Interessanter als der Artikel selber ist dessen Autor: Dr. Peter Meier, Bereichsleiter Arbeitsbedingungen beim Amt für Wirtschaft und Arbeit, Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Zürich. Der Autor äussert sich in diesem Artikel also in der Rolle des für den Kanton Zürich, sprich für dessen Bewohnerinnen und Bewohner, arbeitenden Beamten.

Die Hauptaussage des Artikels ist einfach: Es gibt eine Energie, welche die Chinesen «Chi» nennen. Es ist nützlich, Büromöbel so anzuordnen, dass der angebliche Fluss dieser Energie ungehindert ist.
Bedenken, das Ganze sei unseriös, versucht der Autor folgendermassen aus der Welt zu schaffen:
Wem das zu unwissenschaftlich oder gar esoterisch erscheint, der oder die möge an eine mittlerweile auch von der Schulmedizin akzeptierte Heilmethode denken: die Akupunktur. So wie der Akupunkteur den Energiefluss im Körper anzuregen und zu beeinflussen versucht, bedient sich der Feng Shui-Praktiker ähnlicher Hilfsmittel.
Der Autor begeht einen offensichtlichen Fehlschluss: Akupunktur ist wissenschaftlich anerkannt; Akupunktur manipuliert «Chi». «Feng Shui» manipuliert «Chi» «Feng Shui» ist wissenschaftlich anerkannt.
Abgesehen davon, dass Akupunktur keinesfalls wissenschaftlich «anerkannt» ist (alle Empirie zeigt, dass das Konzept des «Chi» falsch ist, es also keinerlei Anhaltspunkte für die Existenz einer solchen «Energie» gibt, welche durch Nadelstiche beeinflussbar wäre), ist der obige Fehlschluss gravierend: Es ist beispielsweise wissenschaftlich anerkannt, dass es im Bereich kleiner und kleinster Teilchen Quanteneffekte gibt. Das bedeutet aber nicht, dass z.B. Homöopathinnen und Homöopathen, welche behaupten, die angebliche (effektiv nicht messbare) Wirkung der Homöopathie beruhe auf Quanteneffekten, von der Beweislast befreit sind.

Zur Klärung habe ich den Autor des Artikels, Peter Meier, kontaktiert und ihn gebeten, falls möglich, folgende zwei Fragen zu beantworten. Ich habe erklärt, warum ich ihn kontaktiere und ihn auf den 'skeptiker-blog' aufmerksam gemacht:
  • Sie behaupten, dass es eine bestimmte Energie («Prana», «Ki», «Chi»), welche Sie als «universelle Kraft» beschreiben, gibt. Können Sie mich auf Quellen verweisen, wo die Existenz dieser Energie dokumentiert ist?
  • Falls, wie Sie behaupten, der «gesamte Kosmos» aus dieser energetischen «Substanz» besteht: Warum soll das Verschieben von Möbeln u.ä. den Fluss dieser «Energie» begünstigen oder beeinträchtigen, wenn doch alles, inklusive der Möbel, aus dieser energetischen «Substanz» besteht?
Diese zwei Fragen beziehen sich auf den «ALPHA»-Artikel und scheinen mir legitim. Die Antwort fiel folgendermassen aus:
Vielen Dank für Ihr Mail. Da haben Sie aber einiges missverstanden. Ich selber behaupte gar nichts, sondern ich sage explizit zu Beginn des Artikels "Feng Shui  ...  befasst sich mit  ...". In meinem Artikel zeige ich lediglich die Parallelen zwischen der Theorie des Feng Shui, der Psychologie generell, des Immobilienmarktes und der Gesundheitsförderung auf. Und diese Parallelen sind sehr interessant.
Ich habe «einiges missverstanden»: Der Autor behauptet «selber gar nichts». Dass im Artikel «Feng Shui» explizit verteidigt wird, also die Grundaussage ist, die Energie «Chi» sei in Tat und Wahrheit vorhanden, scheint mir offensichtlich. Die «Theorie des Feng Shui» wird nicht hinterfragt, sondern, im Gegenteil, als auf Fakten basierend dargestellt.

Zum Schluss ein Verweis auf «Penn & Teller», die sich dieser Pseudowissenschaft in einer Ausgabe von «Bullshit!» angenommen haben (Quelle):

Vielen Dank an Fabio Valeri für den Hinweis auf den «ALPHA»-Artikel!

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