30. Dezember 2010

Tagesanzeiger-online: «Mit Placebo durch den Winter?»

Am 16. Dezember hat Tagesanzeiger-online einen Eintrag im preisgekrönten «Mamablog» mit dem Titel «Mit Placebo durch den Winter?» veröffentlicht.
Der Text, ein Plaidoyer für die Tugenden der «alternativen» Medizin, im Besonderen der Homöopathie, fasst einige der gängigen Fehlschlüsse der «CAM»-Verfechterinnen und Verfechter zusammen und zeigt einmal mehr, dass gegen emotionale Aufladung argumentativ nur schwer anzukommen ist.

27. Dezember 2010

Der ELGK-Krimi, Teil 1: Der Maverick

Wie in einem früheren Blogeintrag thematisiert, hat die «Eidgenössische Kommission für allgemeine Leistungen und Grundsatzfragen» («ELGK») die Nicht-Aufnahme aller fünf komplementärmedizinischen Methoden in den Leistungskatalog der Grundversicherung empfohlen.
In jenem Blogeintrag hatte ich prophezeit, dass dieser Entscheid zu politischen Turbulenzen führen dürfte. Einen ersten Vorgeschmack darauf bietet ein von Tagesanzeiger-Online am 23. Dezember veröffentlichter Artikel über den SVP-Ständerat Alex Kuprecht.
Kuprecht hatte Ende September 2010 eine Interpellation an den Bundesrat eingereicht; die Antwort des Bundesrates erfolgte am 3. Dezenber 2010. Diese Antwort wurde am 15. Dezember im Ständerat diskutiert.

21. Dezember 2010

20minuten: Ein Gesicht, ein Alien? Sie entscheiden!

Am 14. Dezember hat 20minuten in der Online-Ausgabe einen Artikel über die erste Mondlandung von 1969 veröffentlicht. Eines der Fotos der Mondlandung, so der Artikel-Lead, lasse «Spekulationen aufkommen, ob jemand anderes Armstrong und Aldrin zuvorgekommen sein könnte».
Und auch dieser 20minuten-Artikel lässt Spekulationen aufkommen, und zwar ein Mal mehr darüber, ob 20minuten kritischen Journalismus für gänzlich unnötig hält.

16. Dezember 2010

Lesetip: «50 Great Myths of Popular Psychology»

Am 5. Dezember hat NZZ-online einen mit «Anwalt des Bauchgefühls» betitelten Artikel über den deutschen Psychologen Gerd Gigerenzer veröffentlicht. Gigerenzers Position wird mit einem Zitat auf den Punkt gebracht: «Langes Grübeln bringt oft wenig.». Auch steht über Gigerenzer weiter, «Er behauptet vielmehr, dass Entscheidungen, die auf Berechnung beruhten, generell oft schlechter seien als intuitiv getroffene.».

Dieser kurze NZZ-Artikel ist guter Anlass, das Buch «50 Great Myths of Popular Psychology. Shattering Widespread Misconceptions about Human Behavior» zu empfehlen.
50 Mythen der Psychologie werden darin entzaubert - darunter auch die Annahme, Intuition sei im Zweifelsfall verlässlicher als rationaler Entscheid.

14. Dezember 2010

«Jenseits retour»: Antwort der Ombudsstelle

Am 2. Oktober habe ich einen kritischen Artikel über den DOK-Film «Jenseits retour. Nahtoderlebnisse und ihre Konsequenzen» verfasst. Im Zusammenhang mit dieser Kritik habe ich eine Beanstandung bei der Ombudsstelle DRS aufgegeben, mit der Begründung, die sachgerechte Darstellung sei verletzt. Achille Casanova, der DRS-Ombudsmann, hat sich meiner Beanstandung angenommen. Am 25. November erhielt ich den schriftlichen Schlussbericht zu der Angelegenheit (hier herunterladbar):
Aus rechtlicher Sicht beurteilt der Ombudsmann Casanova meine Beanstandung als eher «allgemeiner und persönlicher» Natur, ein formelles Eintreten darauf sei nicht möglich. In dem Schreiben hat zudem Christoph Müller, Redaktionsleiter «Dokumentarfilme und Reportagen», zu einigen meiner Kritikpunkte Stellung bezogen.
Diesen Blogeintrag möchte ich in zwei Teile teilen:
  1. Eine Erklärung, warum ich mich überhaupt an die Ombudsstelle gerichtet habe.
  2. Replik auf die Antwort Christoph Müllers.
Zunächst aber noch eine allgemeine Bemerkung zu meinem Schreibstil: Im meinen Blogeinträgen pflege ich, Personen lediglich mit Nachnamen anzusprechen. D.h., anstatt beispielswese «Herr Christoph Müller» schreibe ich in der Regel «Müller», anstatt «Herr Achille Casanova» schreibe ich «Casanova». Dies kann unter Umständen respektlos wirken, ist aber bloss eine Marotte, welche ich aus wissenschaftlichen Publikationen übernommen habe: Es gibt keinen Informationsgewinn, wenn die Vornamen von behandelten Personen mehr als ein Mal wiederholt werden; ebenso überflüssig sind Floskeln wie «Herr» und «Frau». Natürlich mache ich Ausnahmen bei besonders eminenten Persönlichkeiten, wie z.B. «Madame Etoile».

8. Dezember 2010

ELGK empfiehlt Ablehnung der «komplementärmedizinischen» Anträge (!)

Am 7. Dezember hat die «Eidgenössische Kommission für allgemeine Leistungen und Grundsatzfragen», ELGK, ihre Empfehlung über die Aufnahme von fünf «komplementärmedizinischen» Methoden in den Leistungskatalog der Grundversicherung abgegeben. Die Empfehlung erstaunt:
Nicht zuletzt aufgrund der vor Kurzem stattgefundenen Debatte im «Club», welcher ich mich hier ausführlicher widme, war anzunehmen, dass Phytotherapie und Anthroposophie gute Chance auf eine positive Beurteilung haben.

Eine ausführliche Begründung für den Entscheid habe ich bisher nicht finden können - gemäss der Geschäftsordnung der ELGK, genauer Artikel 6 («Schweigepflicht, Ausstandspflicht»), ist eine solche wohl auch nicht zu erwarten.
Zwar mag diese Beurteilung der ELGK auf den ersten Blick erfreulich sein, an und für sich wäre aber eine ausführliche, schriftliche Erklärung notwendig, welche den Entscheid begründet - es geht nicht darum, dass die eine oder die andere Seite «gewinnt», sondern darum, dass sich das beste Argument durchsetzt.

Vieleicht wird eine Art Begründung noch nachgereicht - medial dürfte diese ELGK-Beurteilung nämlich für hitzige Diskussionen sorgen.

6. Dezember 2010

Blick am Abend: Energiesparlampen vergiften uns! (...nicht)

Am Freitag, dem 3. Dezember, grüsste folgende aufsehenerregende Geschichte von der Blick am Abend-Titelseite:
«Öko-Birnen» enthalten Quecksilber? «Strom sparen» «vergiftet» uns? Skandal! Auf zu Seite 9, wo wir über die Gefahren von Energiesparlampen aufgeklärt werden!

1. Dezember 2010

«Aura 2010 - Basler Bewusstseinstage» (Teil 2: Fotos und Eindrücke)

In meinem letzten Blogeintrag zur Esoterik-Messe «Aura 2010» in Basel habe ich einige Eindrücke in Video-Form festzuhalten versucht. In diesem Blogeintrag möchte ich ergänzend einige Fotos präsentieren und meinen allgemeinen Eindruck der Veranstaltung beschreiben. Als Erstes aber das Ergebnis meiner Handlinien-Analyse, welcher ich mich zu Beginn des Videos unterziehe.
Spannend: Allgemeine Versatzstücke, wie sie, mehr oder weniger, für alle zutreffen. Ein typisches Element solch esoterischer «Analysen», egal, ob in den Sternen, Handlinien, Augen oder sonstwo «gelesen» wird, ist auch hier zu finden, nämlich das gleichzeitige Nennen an sich widersprüchlicher Dinge, womit die Prognose als «entweder, oder» formuliert wird, also die Aussage letztlich nichtssagend ist.
In obiger «Analyse» ist dies unter dem Punkt «Geshundheit» veranschaulicht: «Sie sehen strahlend aus, sind voll Lebenskraft und körperlich äusserst gesund.» einerseits, «Wenn Sie jedoch nicht auf ihre [sic] Gesundheit achten, werden Sie rasch altern.» andererseits, im Ergebnis eine banale Aussage: Sie sind gesund, können aber krank werden.

Ebenfalls spannend die Bemerkung am unteren Rand der Seite: «Die Aussagen dieses Druckes sind unverbindlich. Der Verfasser übernimmt keinerlei Haftung.».