1. Dezember 2010

«Aura 2010 - Basler Bewusstseinstage» (Teil 2: Fotos und Eindrücke)

In meinem letzten Blogeintrag zur Esoterik-Messe «Aura 2010» in Basel habe ich einige Eindrücke in Video-Form festzuhalten versucht. In diesem Blogeintrag möchte ich ergänzend einige Fotos präsentieren und meinen allgemeinen Eindruck der Veranstaltung beschreiben. Als Erstes aber das Ergebnis meiner Handlinien-Analyse, welcher ich mich zu Beginn des Videos unterziehe.
Spannend: Allgemeine Versatzstücke, wie sie, mehr oder weniger, für alle zutreffen. Ein typisches Element solch esoterischer «Analysen», egal, ob in den Sternen, Handlinien, Augen oder sonstwo «gelesen» wird, ist auch hier zu finden, nämlich das gleichzeitige Nennen an sich widersprüchlicher Dinge, womit die Prognose als «entweder, oder» formuliert wird, also die Aussage letztlich nichtssagend ist.
In obiger «Analyse» ist dies unter dem Punkt «Geshundheit» veranschaulicht: «Sie sehen strahlend aus, sind voll Lebenskraft und körperlich äusserst gesund.» einerseits, «Wenn Sie jedoch nicht auf ihre [sic] Gesundheit achten, werden Sie rasch altern.» andererseits, im Ergebnis eine banale Aussage: Sie sind gesund, können aber krank werden.

Ebenfalls spannend die Bemerkung am unteren Rand der Seite: «Die Aussagen dieses Druckes sind unverbindlich. Der Verfasser übernimmt keinerlei Haftung.».

Eine insgesamt freundliche Atmosphäre
Insgesamt waren alle Leute, mit welchen ich an der «Aura» Kontakt hatte, ausgesprochen freundlich. Ich gab bekannt, dass ich als Skeptiker an der Messe bin, was auch akzeptiert wurde. In erster Linie verstand ich mich als Beobachter und suchte nicht die argumentative Konfrontation - einerseits ist eine solche Veranstaltung nicht eine geeignete Arena für Derartiges, andererseits war mein Vorhaben nicht, Besucherinnen und Besuchern oder Ausstellerinnen und Ausstellern den Tag zu vermiesen.

Filmen war nicht grundsätzlich erlaubt, sondern auf Basis jeweiliger Einwilligung der Standbetreiberinnen und -betreiber. Wohl hätte ich einfach drauflosfilmen könne, aber ich bin kein Freund von «Ambush»-Journalismus (nicht, dass ich mich als Journalist sähe). Einige Stände liessen Film- und Fotoaufnahmen nicht zu, was ich auch respektierte. Andere waren für Filmaufnahmen offen, wollten aber nicht gleichzeitig kommentieren.

Die Ausbeute
Ein Souvenir, welches ich kostenlos an der «Aura» erhielt, ist eine Flasche «belebten» Wassers:
Bei der Degustation sagte mir diese Sorte am ehesten zu (dass ich beim Degustieren jeweils denselben Becher benutzte, also jedes Mal Reste der vorherigen Wasser vorhanden waren, stört die verborgenen Energien anscheinend wenig). Dieses Wasser soll demnächst in der Schweiz in den Handel kommen, zum Preis von ca. CHF 1.30 pro Flasche.
Die Aufmachung der Wasserflasche macht einen qualitativ nicht eben hochwertigen Eindruck:
Weiter erhielt ich professionell gestaltetes Info-Material zu diesem Wasser:
Die Herstellerfirma dieses Wassers hat aber noch andere, profanere Produkte im Angebot:

Einige Zeitschriften lagen kostenlos auf:
In der Regel behandeln Einträge auf dem «skeptiker-blog» etablierte Massenmedien, obige Zeitschriften sind aber interessant: Wie ausgesprägt ist der Nischen-Pressemarkt für Esoterik (im weitesten Sinne)? Was für Organisationen, wenn überhaupt, stehen hinter solchen Titeln? Wer ist das Zielpublikum derartiger Publikationen?
Eine Analyse dieses Esoterik-Nischen-Marktes ist ein Unterfangen, welchem ich mittel- und längerfristig Beachtung schenken möchte.

Ein Produkt, welches ebenfalls auf der «Aura» präsentiert wurde, ist ein Wasser-«Vitalisierungs»-Gerät, welches, ähnlich den Granderwasser-Einbaugeräten, für «Vitalisierung» von Leitungswasser «on the fly» sorgen soll:
Filmen und Fotografiern war nicht erwünscht; als Ersatz wurde mir die Visitenkarte des Geschäftsführers Ernst Hui in die Hand gedrückt. Bei offensichtlichem Betrug wie diesem «Vitalisierungs»-System, in welchem u.a. die «pulsierende Eigenstruktur der eingesetzten Edelsteine» beworben wird, drängt sich die Frage auf, wie Derlei rechtlich unangefochten bleiben kann.

Wo genau ich folgende Film-DVD erhielt (leider hatte ich noch keine Gelegenheit, den Film anzuschauen), weiss ich nicht mehr; es warben mehrere Stände mit Zauberwasser:

In puncto Unverfrorenheit sind «Tesla-Platten» ein Anwärter auf den Spitzenplatz:
Schweizer Qualitätsprodukte haben selbstredend auch einen stolzen Preis:
Ich befürchte, dass populäre Verwurstelungen des bedeutenden Erfinders Nikola Tesla, z.B. der an sich sehenswerte Film «The Prestige», dazu beitragen, Tesla nicht als Ingenieur, sondern als Zauberer anzusehen.

Etwas überrascht hat mich ein Stand einer christlichen, genauer protestantischen Gruppe, inklusive umfangreicher Gratis-Souvenirs:
Vielleicht eine Art Versuch, Besucherinnen und Besucher der Messe von all den heidnischen Angeboten wegzubringen.

Abschliessend noch zwei Analysen meiner Wenigkeit. Zunächst die Handschrifts-Analyse, welche im Video durchgeführt wurde:
Die Handschrifts-Analyse-Software ist derart ausgereift, dass eine Auswertung in sekundenschnelle erfolgt, auch wenn die eigentliche Unterschrift mit einem ausgetrockneten Filzstift geschrieben ist. Die Analyse trifft, im Grossen und Ganzen, auf praktisch jede und jeden zu. Dass im Abschnitt «Gefühlsleben» zunächst «Sie ruhen in Ihrem Inneren und schöpfen daraus Kraft. Auf Ihre Umwelt wirken Sie manchmal etwas schwermütig.», im Abschnitt «Kontaktfähigkeit» aber «Sie umgeben sich gern mit Freunden und sind zu langen Gesprächen bereit. Sie lassen keine Langeweile aufkommen und suchen immer neue Ideen.» steht, zeigt nochmals die «cover all bases»-Strategie solcher «Analyse»-Verfahren auf.

Auch eine «Karma-Analyse» habe ich machen lassen (auf CHF 10 heruntergefeilscht) - wer möchte denn nicht wissen, was sie oder er in einem früheren Leben war?
Ich war eine «Hexe» und habe mich mit «schwarzer Magie» beschäftigt, habe mir andere durch «Liebeszauber gefügig» gemacht.

Oh nein, ich wurde enttarnt!

3 Kommentare:

nirwanixla hat gesagt…

Du bist ja richtig fleißig gewesen, ich staune :) ...ich hätte keinen müden Cent dafür ausgegeben, ehrlich gesagt, wäre mir das Geld viel zu schade gewesen. Trotzdem hat es was in sich, live mit diesen Dingen in Berührung zu kommen.

Marko Kovic hat gesagt…

Um die richtig teuren "Dienste" wie Kartenlegen, "Irisanalyse", Kirlian-Fotos etc. habe ich zwar einen Bogen gemacht, ebenso die kostenpflichtigen "Seminare", aber, in Anlehnung an eine Kreditkartenwerbung:

-Eintritt für die "Aura 2010": CHF 15
-Benzin- und Parkkosten: CHF 25
-Einblick in die Welt des Irrationalen: unbezahlbar

;)

Dan hat gesagt…

Gerade bei der Karma-Analyse ist erstaunlich, wie diese mit ausserordentlich spärlichen Kenngrössen auskommt. So muss man offenbar für eine 'Fernanalyse" (z.B. für Familienmitglieder, welche leider nicht auf die Aura 2010 kommen konnten) bloss den Vornamen und das Geburtsdatum zur Verfügung stellen.

Rein statistisch gesehen ist die Chance, dass es dabei zu einem Overlap in der Bevölkerung kommen könnte, gleich 100% - übrigens; praktisch gesehen auch. (Dazu ein immer wieder schönes Paradoxon, welches keins ist.) Dann wäre es natürlich noch zusätzlich interessant, wie die 'Mondknoten-Analysten' entscheiden, ob nun die Hexe oder der Drachentöter das richtige Inkarnat ist? Ich gehe aber fest davon aus, dass es nur wenige Landstreicher, Tagelöhner und Verbrecher in der Vergangenheit gegeben hat. Das wäre viel zu ... naja, langweilig, realistisch...

Man könnte jetzt natürlich noch darüber streiten, ob eine schwarze Magie betreibende Hexe nicht in die Kategorie 'Verbrecher' fällt, dann hätte man aber nicht richtig zwischen meinen Zeilen gelesen. Ausserdem werden Marko seine vergangenen Sünden durch das Betreiben des skeptiker-blogs wieder gestrichen.

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