8. Dezember 2010

ELGK empfiehlt Ablehnung der «komplementärmedizinischen» Anträge (!)

Am 7. Dezember hat die «Eidgenössische Kommission für allgemeine Leistungen und Grundsatzfragen», ELGK, ihre Empfehlung über die Aufnahme von fünf «komplementärmedizinischen» Methoden in den Leistungskatalog der Grundversicherung abgegeben. Die Empfehlung erstaunt:
Nicht zuletzt aufgrund der vor Kurzem stattgefundenen Debatte im «Club», welcher ich mich hier ausführlicher widme, war anzunehmen, dass Phytotherapie und Anthroposophie gute Chance auf eine positive Beurteilung haben.

Eine ausführliche Begründung für den Entscheid habe ich bisher nicht finden können - gemäss der Geschäftsordnung der ELGK, genauer Artikel 6 («Schweigepflicht, Ausstandspflicht»), ist eine solche wohl auch nicht zu erwarten.
Zwar mag diese Beurteilung der ELGK auf den ersten Blick erfreulich sein, an und für sich wäre aber eine ausführliche, schriftliche Erklärung notwendig, welche den Entscheid begründet - es geht nicht darum, dass die eine oder die andere Seite «gewinnt», sondern darum, dass sich das beste Argument durchsetzt.

Vieleicht wird eine Art Begründung noch nachgereicht - medial dürfte diese ELGK-Beurteilung nämlich für hitzige Diskussionen sorgen.

5 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ein ironisches Detail der ganzen Geschichte ist, dass die Schweizer Gesellschaft für Neurlatherapie, in der Meinung Neuraltherapie werde wieder in die Grundversicherunga aufgenommen, den Dachverband Komplementärmedizin letzte Woche im Streit verlassen hat. Was die nun wohl machen?

giordano hat gesagt…

@Anonym
Danke für den Hinweis. Das hat mich veranlasst, mal einen Blick auf das Bulletin (Nr. 12) des Dachverbandes für CAM zu werfen. Dort steht:

"Die Wirksamkeit muss wissenschaftlich,
aber nicht naturwissenschaftlich oder
schulmedizinisch nachgewiesen werden."

Was soll man dazu noch sagen?

gwendolan hat gesagt…

Die Formulierung stammt aus einem vermeintlichen erkenntnistheoretischen obiter dictum des Bundesgerichts (BGE 123 V 65). Liest man dieses komplett sieht man, dass auch Methoden mitgemeint sein sollten, welche zwar vom biologisch/physikalisch/chemisch/medizinischen Wirkungszusammenhang noch nicht restlos geklärt sind, aber deren Wirksamkeit wissenschaftlich (!), "z.B. mittels Statistik", belegt sei. Statistik ist nun mal genau das, was in Doppelblindstudien zum Zug kommt. Retropsektive Einzelfallbetrachtungen wie die Anekdötchen der Komplementärmediziner verwirft das BG ausdrücklich.

gwendolan hat gesagt…

(Mein Posting bezieht sich auf die Stelle

"Die Wirksamkeit muss wissenschaftlich,
aber nicht naturwissenschaftlich oder
schulmedizinisch nachgewiesen werden."

von giardinos Kommentar)

Anonym hat gesagt…

@gwendolan

Es wäre sehr wertvoll, mehr über diesen BGE aus juristischer Sicht zu erfahren. Es wird einem in Diskussionen nämlich immer wieder dieser eine herausgerissene Satz um die Ohren geschlagen ("Die Wirksamkeit muss wissenschaftlich, aber nicht naturwissenschaftlich oder schulmedizinisch nachgewiesen werden").

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