29. Dezember 2011

Das Spukhaus von Stans, oder: Wie einfach es ist, die menschlichen Sinne zu täuschen, oder: Lesetip: Paranormality

Die NZZ hat gestern am 28. Dezember einen Artikel über ein (mittlerweile abgerissenes) «Spukhaus», in welchem Geister ihr Unwesen getrieben haben sollen, veröffentlicht:
Der Artikel hinterfragt die angebliche paranormale Aktivität im Haus nicht. Und wenn es um unkritischen Boulevard-Journalismus geht, ist auch das Schweizer Fernsehen nicht weit: Im Februar 2010 wurde in der Sendung «Schweiz Aktuell» ebenfalls über das «Spukhaus» berichtet.
Schweiz aktuell vom 17.02.2010
Was hat es auf sich mit den Geister-Geschichten rund um das «Spukhaus von Stans»? Endgültig untersuchen lassen sich die angeblichen übernatürlichen Vorkommnisse nicht - die Aussagen der Betroffenen sind eben nur das, unbewiesene Aussagen. Weiter recherchieren ist nicht möglich: Der angebliche Spuk ereignete sich im 19. Jahrhundert; auch wenn das «Geisterhaus» heute noch stünde, wäre eine gegenwärtige Nicht-Nachweisbarkeit von Übernatürlichem kein endgültiger Beweis, dass im 19. Jahrhundert nicht doch etwas vorfiel.


Paranormality: Why we see what isn't there
Wenn es nicht möglich ist, den interessierenden Gegenstand direkt zu untersuchen, stellt sich die Frage, wie gut erforscht das Phänomen der (Polter-)Geister im Allgemeinen ist; womöglich liefert Wissen zum Phänomen der Geisterwahrnehmung Antworten auch im Falle des «Spukhauses von Stans». Hier schafft Richard Wisemans «Paranormality: Why we see what isn't there» einen guten kritischen Überblick:
Im Kapitel «Ghost-hunting» geht Wiseman explizit auf das Phänomen der Geister und Poltergeister ein (mit Letzterem meine ich solche Geister, welche angeblich nur innerhalb bestimmter Gebäude agieren).

20. Dezember 2011

2012 ist nicht der Weltuntergang - die Aliens kommen einfach zurück!

Dass im kommenden Jahr etwas ganz Grosses passieren wird, wissen wir ja alle - irgendetwas ist ja mit dem Kalender der Mayas, und uraltes Geheimwissen und so, also wahrscheinlich der Weltuntergang. 
Eine alternative Theorie schlägt Erich von Däniken, Experte auf dem Gebiet des Geschichtenerfindens, vor. 2012 geht die Welt nicht unter, nein: Die Ausserirdischen, deren erster Besuch damals den Beginn des Maya-Kalenders markierte, kommen wieder zurück; das Ende des Maya-Kalenders ist also das Datum für den bevorstehenden extraterrestrischen Besuch.
Die letzten zwei Sätze von Dänikens sind köstlich:
Ich freue mich auf die Wiederkunft der Götter, doch kann man sich leider nicht auf das Datum verlassen. Die Umrechnung des Maya-Kalenders auf unseren Kalender lässt einige Lücken offen.
So spricht einer, der sich völlig im Klaren ist, dass er Unfug verzapft.

Zur Ergänzung noch etwas Seriöseres zum Thema 2012: Bei Astrodictum Simplex ist ausführlich nachzulesen, warum die Maya-Weltuntergags-Fantasien für 2012 eben nur dies, Fantasien, sind.

16. Dezember 2011

Das Promi-Zitat

Christopher Hitchens ist tot (Bildquelle).

8. Dezember 2011

Gesichterleserei im Schweizer Fernsehen... ಠ_ಠ

In der Talkshow «Aeschbacher» vom 8. Dezember war die «Physiognomin» Tatjana Strobel zu Gast, um ihre Lehre der Gesichter- und Körperleserei zum Besten geben:
Insgesamt dauerte der Auftritt Strobels nur knapp 10 Minuten (am Ende der Sendung hat sie noch ein paar weitere Sätze beigesteuert), und so ganz ernst nahm das Ganze vermutlich niemand: «Aeschbacher» ist  grundsätzlich eine eher kurzweilige, boulevardesque «zum einen Ohr rein, zum anderen raus»-Sendung. Auch ein etwas eigentümlicher Tippfehler während Strobels Auftritt lässt zumindest vermuten, allzu intensiv interessiere sich seitens des Schweizer Fernsehens niemand für Strobels Ausführungen.
«Physionomik» hiesse korrekt «Physiognomik»
Das Sendeformat hat zwar keinen Anspruch auf journalistische Relevanz, die Grundproblematik bleibt aber bestehen: Der wissenschaftlich zu grossen Teilen nicht haltbaren Gesichterleserei Strobels wird in der Aeschbacher-Sendung eine weitgehend unkritische Bühne geboten.

3. Dezember 2011

Lesetip: Brandwashed

«Persuasive Kommunikation»: Das ist der harmlose, wissenschaftlich-neutrale Begriff für Werbung. «Persuasive Kommunikation» ist ein schöner Begriff, weil er in zwei Wörtern erklärt, worum es bei Werbung geht: Mittels bestimmter kommunikativer Mittel sollen potentielle Käuferinnen und Käufer von den jeweils beworbenen Produkten und Dienstleistungen überzeugt werden.

Die «Persuasion», also die Überzeugungsarbeit bei Werbung, besteht idealerweise darin, dass alle Produkte und Dienstleistungen sachlich vorgestellt werden und die Kundinnen und Kunden anschliessend gemäss den eigenen Wünschen und Bedürfnissen die für sie besten Produkte kaufen. Werbung schafft gemäss dieser Auffassung Transparenz und ermöglicht fairen Wettbewerb, wobei die Kundinnen und Kunden als rationale Marktteilnehmer handeln.

Dass eine solch naive Auffassung «persuasiver Kommunikation» mit der Realität der modernen Werbe- und PR-Industrie wenig gemein hat, zeigt Martin Lindstroms Buch «Brandwashed»:
Modernes Marketing soll nicht informieren, sondern manipulieren: Ziel ist nicht, die eigenen Produkte Kundinnen und Kunden sachlich vorzustellen, sondern im Gegenteil die Emotionalisierung der Produkte - der Kunde soll gerade nicht vernünftig entscheiden, sondern auf der Gefühlsebene beeinflusst und zum Kauf bewegt werden.

Der Arglist so mancher Marketing-Manöver sind dabei kaum Grenzen gesetzt. So beschreibt Lindstrom beispielsweise im Kapitel «Buy Baby Buy. When companies start marketing to us in the womb», dass nicht wenige Unternehmen versuchen, bereits Säuglinge durch aggressive Werbebemühungen an bestimmte Produkte und Marken zu binden. Und im Kapitel «Peddling Panic and Paranoia. Why fear sells» geht der Autor auf die perfide, aber stets lukrative Marketing-Strategie der Angstmacherei ein.

Warum ist derartiger Marketing-Mumpitz auch für kritisch Denkende relevant?

Das eigentliche Ziel kritischen Denkens ist, Kommunikation vom Ballast der emotionalen Verzerrung zu befreien. Skeptizismus fordert in diesem Sinne eine Rückkehr zur reinen, ursprünglichen «persuasiven Kommunikation»: Das Einzige, was überzeugen soll, ist das rational begründete Argument.

28. November 2011

Pseudowissenschaft bei Bio-Bauern?

Tagesanzeiger-online berichtete gestern über den Bauer Urs Hans, der sich weigert, seine Kühe gegen die Blauzungen-Krankheit zu impfen:
Warum will Urs Hans seine Tiere nicht gegen die Blauzungen-Krankheit impfen? Wie ein Blick auf seine Homepage offenbart, ist Hans überzeugter Impfgegner. Auf seiner Seite hans-oeco.ch findet sich folgende Bemerkung:
Es wird auf die Seite «bauernverstand.ch» verwiesen, mit der Bemerkung, die Wissenschaft und die Agroindustrie verfolgten ihre eigenen Interessen. Aus dieser Aussage ist noch nicht herauslesbar, worin genau das Problem besteht, aber die Rhetorik ist nicht unbekannt: Wissenschaft und ein bestimmter Industriezweig verschwören sich gegen die kleinen Leute.

«Bauernverstand.ch» beschreibt den eigenen Zweck wie folgt:
Aus dieser Beschreibung wird zwar nach wie vor nicht ganz klar, worum es geht; die Schlagworte «gesunder Menschenverstand» und «ganzheitliche Lösung» gehören aber immerhin zum Standardvokabular der «Alternativmedizin». Ein paar weitere Klicks auf der Webseite zeigen schnell, dass der Verein «Bauernverstand» vor allem die Wirksamkeit der Impfung gegen die Blauzungen-Krankheit leugnet.

So weit, so unspektakulär: Ein Landwirt stützt sich auf seinen Glauben (u.a. einer Verschwörungstheorie von Wissenschaft und Pharmaindustrie gegen die Landwirte) sowie seine anekdotische Erfahrung mit Impfungen an Tieren und ist darum Impfgegner. Ein Bericht des Bundesamts für Veterinärwesen kommt denn auch zum Schluss, die Blauzungen-Impfung 2010 habe in einigen wenigen Fällen wohl tatsächlich zu unerwünschten Nebenwirkungen geführt (S.7):
Mehrere reale Fälle von Nebenwirkungen der Impfung gepaart mit im Internet reichlich vorhandenen Verschwörungstheorien zum grossen «Impfschwindel» können dazu führen, dass auch einzelne Landwirte wie eben Urs Hans zu Impfleugnern werden.

Interessanter ein anderer Punkt: Urs Hans ist von «Bio Suisse» zertifiziert:
Wie sieht es Bio Suisse mit Impfungen?

22. November 2011

Gehört organisierte Religion an Hochschulen?

Zwei heute gemachte Aufnahmen aus dem ETH-Hauptgebäude:
Ist es in Ordnung, dass religiöse Organisationen an öffentlichen Hochschulen werben, also missionieren? Aber selbstverständlich! Mehr noch: Eine international bekannte Einrichtung wie die ETH muss natürlich noch ein paar Glaubensgemeinschaften mehr einbinden, um weitere Geschmäcker abzudecken.

Wie wäre es mit einer «Hochschulgruppe Scientology»? Angebracht wäre doch auch - um des Pluralismus und religiösen Friedens willen - auch eine «Satanistische Hochschulgruppe Zürich»? Und vielleicht, aber nur vielleicht sogar eine - Gott bewahre! - «Muslimische Hochschulgruppe».

Wie alle anderen Menschen dürfen Studierende und Hochschul-Mitarbeitende glauben, woran ihnen beliebt. Organisierte Religion aber hat an Hochschulen nichts zu suchen: Hochschulen müssen Orte des organisierten Skeptizismus sein - Orte, an welchen keine Dogmen herrschen, sondern sich Argumente in einem steten kooperativen Wettbewerb um die vorläufig bessere Erklärung der Welt bemühen.

16. November 2011

Tagesanzeiger: Mit Telepathie in die Katzenseele

Tagesanzeiger-online zelebriert den 1. April viereinhalb Monate im Voraus und hat heute einen Artikel über extrasensorisch begabte Menschen, welche per Telepathie mit Katzen plaudern, veröffentlicht:
Der Autor des Tagesanzeiger-Artikels hat sich an eine Telefon-Telepathin gewendet, welche ihm für 84 Franken erzählt hat, was seinen beiden Katzen so durch den Kopf geht.

Der Artikel ist womöglich sarkastisch gemeint, wurde aber im Ressort «Wissen» veröffentlicht. Die letzten Sätze lassen ebenfalls Ungutes vermuten:
Gleichwohl bleibt da eine Verblüffung zurück. Woher weiss sie, dass Mautzer ein seidiges und glänzendes Fell hat? Dass Strifeli oft viel trinkt? Nun, es gibt wohl einfach Dinge zwischen Himmel und Erde, die wird der profane Mensch nie begreifen – und vielleicht ist das ja gar nicht allzu schlecht.
Zunächst fällt das leicht paraphrasierte Hamlet-Zitat auf - eine leere Phrase, wenn ein richtiges Argument fehlt. Doch zuvor beschreibt der Autor seine Verblüffung: Die Katzen-Telepathin habe gewusst, dass die eine Katze seidiges und glänzendes Fell hat, die andere viel trinkt. Angenommen, die Katzen-Telepathin habe tatsächlich zwei zutreffende Eigenschaften genannt: Ist damit der Beweis für telefonisch übertragbare Telepathie von Mensch zu Katze erbracht?

13. November 2011

«Homöopathische Grippeimpfung», oder: Wenn sich Pseudowissenschaft mit Pseudowissenschaft streitet, verliert die Vernunft

In einem kritischen Artikel berichtete Tagesanzeiger-online am 13. November über die «homöopathische Grippeimpfung»: Es gibt Homöopathie-Hersteller, die behaupten, die Einnahme bestimmter homöopathischer Kügelchen habe dieselbe Wirkung wie eine Grippeimpfung.
Anlass für den Tagesanzeiger-Artikel ist ein Kommentar von swissmedic, dem schweizerischen Heilmittelinstitut. Im «swissmedic Journal» von September wurde folgender Artikel veröffentlicht:
Im Grunde ist solche Kritik willkommen, und es es scheint löblich, dass einige Exponenten der Homöopathie sich im Tagesanzeiger-Artikel ebenfalls kritisch gegenüber vermeintlichen homöopathischen Grippeimpfungen zeigen. Leider endet die Geschichte damit nicht.

9. November 2011

SF: Ein netter Abend mit glücklichen Menschen

Die am 1. November ausgestrahlte Ausgabe des Club auf SF1 behandelte ein in seiner Belanglosigkeit kaum zu übertreffendes Thema: «Glück» bzw. glücklich sein. Belanglos ist das Thema nicht unbedingt, weil es irrelevant ist - sich glücklich oder unglücklich fühlen, ist eine den meisten Menschen bekannte Emotion -, sondern eher, weil Diskussionen um das Thema «Glück» in der Regel in schwammig-diffusen Wohlfühl-Orgien ausarten.

Club vom 01.11.2011

Wenn das Ganze so belanglos sein soll, warum ein Blogeintrag? Einige der Gäste sind Verfechter anti-rationaler Weltanschauungen, und «weiche» Talkshows wie die hier interessierende Club-Ausgabe sind ideale Bühnen für diese Menschen, ihr irrationales Tun als legitimen, normalen, alltagstauglichen Standpunkt zu propagieren.

3. November 2011

Das Promi-Zitat

Quelle (Minute 39).

28. Oktober 2011

Lesetip: Testing Treatments

Die GWUP widmet sich in vier ausführlichen Beiträgen der Frage «Warum Homöopathie zu wirken scheint» (Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4). Eine weitere Antwort auf diese Frage dürfte schlicht lauten: Viele Menschen wissen nicht und/oder wollen nicht wissen, wie genau überhaupt zu überprüfen ist, welches Heilmittel wirklich wirkt und welches nicht. Entsprechend können und/oder wollen sie nicht nachvollziehen, dass das persönliche Erlebnis nur sehr bedingt aussagekräftig ist.

Ein lesenswertes Buch, welches diesem Problem auf den Grund geht, ist «Testing Treatments». In leicht verständlicher Sprache und anhand zahlreicher Beispiele wird erklärt, warum es unabdingbar ist, die Wirkung von Behandlungsmethoden durch möglichst transparente, oft wiederholte und letztlich mittels «systematic review» zum Gesamtbild zusammengefügte randomisierte Doppelblindstudien zu überprüfen.
Mit der ein bisschen gar zu enthusiastischen Einschätzung Ben Goldacres stimme ich nicht überein: «Testing Treatments» problematisiert praktisch überhaupt nicht das Thema der «Alternativmedizin» - gerade jenen Bereich der Behandlungsmethoden, welcher sich durch den fast völligen Verzicht auf faire Wirksamkeitstests auszeichnet. Bücher wie «Trick or Treatment» und «Snake Oil Science» sind in dieser Hinsicht viel aufschlussreichere Lektüre.

Wer sich selber ein Bild machen möchte, kann dies sofort und kostenlos tun: «Testing Treatments» wird von den Autoren ungekürzt und gratis als PDF angeboten.

25. Oktober 2011

Die Schweiz hat gewählt - konfessionslose.ch mit einem Achtungserfolg!

Die Wahlen für den schweizer National- und Ständerat fanden am 23. Oktober statt, die Wahlergebnisse wurden vielerorts bereits reichlich besprochen; eine übersichtliche Auflistung der Ergebnisse der Nationalrats- und Ständeratswahlen ist z.B. auf sf.tv zu finden.

Zu nur leidlich aussagekräftigen ad hoc-Analysen möchte ich mich an dieser Stelle nicht hinreissen lassen. Erwähnt sei in diesem Zusammenhang aber, dass die mediale Omnipräsenz von Expterten in Form von Politikwissenschaftlern (Politikwissenschatlerinnen sind wohl nicht als Experten geeignet) etwas befremdend ist - als Kommentatoren in der Hitze des Gefechtes treten diese Personen nämlich gerade nicht als Wissenschaftler auf, sondern appelieren an ihre vermeintliche Autorität, um politisches Alltagsverständnis als "Wissenschaft" zu verkaufen.

Wer seriös Sozialwissenschaft betreiben will, kann nicht non-stop das politische Alltagsgeschehen kommentieren - Sozialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler beobachten die soziale Realität retrospektiv und vermeiden so gut wie möglich, diese prospektiv zu beeinflussen. Bei dieser Problematik spielt sicher auch eine Rolle, dass ein grosser Teil dieser bisweilen medial hyperaktiven Politik-"Wissenschaflter" private Beratungsdienste anbieten, also durch Präsenz in der medialen Öffentlichkeit den Wert ihrer eigenen Marke steigern.

Doch dazu in einem anderen Blogeintrag mehr. Hier interessiert das Abschneiden der zürcher Wahlliste konfessionslose.ch. In den Nationalrat hat es zwar niemand geschafft, das Ergebnis lässt sich aber dennoch sehen (Quelle):
Natürlich sind 0.31% aller Stimmen zu wenig, um als unmittelbare Konkurrenz zu den etablierten Parteien agieren zu können. Aber angesichts des relativ kurzen Zeitraumes, in welchem konfessionslose.ch zustande kam, angesichts der bescheidenen Ressourcen, welche für konfessionslose.ch zur Verfügung standen, und nicht zuletzt angesichts der bisher in dieser Art kaum explizit formulierten, tabubrechenden Kernanliegen von konfessionslose.ch bleibt nur eines zu sagen: Danke.

Danke an jene, welche sich intensiv für konfessionslose.ch engagiert haben, und vor allem Danke an all jene, welche durch ihre Stimmabgabe zeigten, dass es sich den (sprichwörtlichen) Kampf um säkulare, also rationale Politik auch weiterhin zu kämpfen lohnt.

18. Oktober 2011

Die ganze Welt liebt die Schweiz!

20minuten berichtete am 14. Oktober über eine Studie, welche angeblich zeigt, dass kein anderes Land positivere Emotionen weckt als die Schweiz:
 
So weit, so gut: Ein erfreuliches Ergebnis. Es lohnt sich aber, einen genaueren Blick in die zitierte Studie zu werfen, vor allem aus einem Grund: Wenn Berichterstattung wie die obige allzu euphorisch ausfällt, ist nicht unüblich, dass ob der ganzen Freude und Begeisterung der kritische Blick wegfällt - wer sich selber mit einer «Feel good»-Story gehörig auf die Schulter klopft, will schliesslich kein Spielverderber sein.

Die besagte Studie wurde von dem «Reputation Institute» durchgeführt, einer (im Wesentlichen) grossen Marketingfirma. Bereits dies gibt zu denken: Private Unternehmen wie das «Reputation Institute» sind nicht Teil der akademischen Forschung - Studien wie eben diese des «Reputation Institute» durchlaufen nicht den Weg des kritischen Peer Reviews, sondern werden direkt als PR-Meldung vertrieben.
Eines muss also im Voraus klar sein: Der Sinn der im 20minuten-Artikel thematisierten Studie des «Reputation Institute» ist in erster Linie, Werbung für das «Reputation Institute» zu machen.

Die Studie mit dem Titel «2011 Country RepTrak™ Topline Report» ist nach einer kostenlosen Registrierung auf der «Reputation Institute»-Seite herunterladbar; der Einfachheit halber habe ich die Studie hier zum Download bereitgestellt.

Ein kurzer Blick in dieses Dokument genügt aber, um festzustellen, dass es sich dabei nicht wirklich um eine vollständige Studie handelt, sondern eher um einige zusammengefasste Ergebnisse - Intransparenz des genauen Vorgehens ist bei privaten ausser-universitären Forschungseinrichtungen ein typisches Problem.

Im weiteren möchte ich 2 Punkte ansprechen:
  • Ungenauigkeiten im 20Minuten-Artikel
  • Schwächen der Reputations-Studie selber

11. Oktober 2011

Verschwörungstheorien: «Hochspannend», aber «mit Vorsicht zu geniessen»

Heute, am 11. Oktober, hat Blick am Abend in einer kurzen Buchrezension ein interessantes Werk vorgestellt: «Die amerikanische Verschwörung» von Jesse Ventura (im Original: «American Conspiracies»).
Jesse Ventura, u.a. Ex-US-Gouverneur und Ex-Wrestler, ist eine charismatische Persönlichkeit mit ausgesprochenen Showmaster-Qualitäten. Das bedeutet allerdings nicht, dass Ventura auch immer Vernünftiges zu erzählen hat - das Verbreiten von Verschwörungstheorien ist mittlerweile eine lukrative Einnahmequelle für ihn.
Das im Blick besprochene Buch habe ich zwar nicht vorliegend, eine Kostprobe Venturas Erzählkunst ist aber auch in Videoform zu haben. Etwa zum Thema Klimawandel (Stichwort «New World Order»):


Wie sehr Ventura seine eigenen Verschwörungstheorien ernst nimmt, ist schwer abzuschätzen. Klar ist hingegen, dass Ventura klassische irrationale Verschwörungstheorien verbreitet: Die vorläufig gültige Erklärung wird nicht widerlegt, sondern einfach abgelehnt und eine unbewiesene Alternativerklärung bevorzugt. Dabei will ich nochmals bemerken, dass ich das Buch «Die amerikanische Verschwörung» nicht gelesen habe und entsprechend den Inhalt nicht kenne - es ist an sich auch möglich, dass Ventura in diesem Buch einen kritisch-skeptischen Ansatz verfolgt und unbewiesene Verschwörungstheorien ablehnt.

So weit, so unspektakulär: Interessanter ist die kurze Rezension des Buches in Blick am Abend. Der letzte Satz lautet «Hochspannende Lektüre, aber mit Vorsicht zu geniessen». Was soll diese Phrase bedeuten? Ist es gefährlich, das Buch zu lesen, weil man dann als Insider auf einer schwarzen Liste der CIA landet?
Wahrscheinlich soll impliziert werden, dass man die Lektüre «geniessen» kann, aber nicht erwarten soll, dass alles stimmt - aber dann ist es angebracht, auch zu erklären, warum genau das Buch «mit Vorsicht» zu geniessen ist, was genau also das Problem ist.

Die falsche Logik der Verschwörungstheoretiker liesse sich auch in einer solch kurzen Rezension aufzeigen; zum Beispiel, indem man sarkastisch eine neue Verschwörungstheorie aufstellt: Jesse Ventura war US-Gouverneur und ist als Macht-Insider selber Teil der Verschwörung! Wie sonst könnte jemand, der so viele Geheimnisse verrät, von den dunklen Mächten noch nicht umgebracht worden sein!

Irrationale Verschwörungstheorien wenden meistens eine Variante des klassischen «argument from ignorance»-Fehlschlusses an: Die Abwesenheit von Beweisen für Hypothese X wird als Beweis für Hypothese X gedeutet. Warum Blick am Abend dieses fundamentale Problem nicht anspricht, ist unklar. So ist eine mögliche Lesart des Blick am Abend-Textes, dass es sich dabei nicht um eigenständige journalistische Berichterstattung handelt, sondern um kaum verschleierte Werbung für bestimmte Bücher.

29. September 2011

Evidenzbasierte Personalauswahl

Als ich das letzte Mal über den samstags erscheinenden Stellenanzeiger «ALPHA» des Tagesanzeigers berichtete, übte ich harsche Kritik: Unverblümt wurden angebliche Nutzen der pseudowissenschaftlichen «Feng Shui»-Lehre propagiert - einen Beweis für die Existenz der behaupteten «Lebensenergie» «Chi» blieb der Artikel schuldig.

Dass es auch besser geht, wird im ALPHA vom 24. September demonstriert, wo für eine «evidenzbasierte Personalauswahl» plädiert wird:
Der Artikel argumentiert, es bestehe eine Diskrepanz zwischen der von Personalverantwortlichen angenommenen Aussagekraft bestimmter Verfahren der Personalauswahl auf der einen, der empirisch gemessenen tatsächlichen Aussagekraft dieser Verfahren (anhand späterer beruflicher Leistung von Angestellten) auf der anderen Seite.
Der Artikel liefert zur Untermauerung dieser Hypothese eine Tabelle, in welcher empirische Ergebnisse zweier Metastudien dargestellt werden: Tatsächlich scheint es diese Diskrepanz zu geben.

Fragen drängen sich aber, mindestens, in zweierlei Hinsicht auf. Zunächst möchte ich auf einen früheren Blogeintrag verweisen, in welchem ich das Konzept der durch «Intelligenztests» gemessenen «Intelligenz» kritisiere: Alles, was damit gemessen wird, ist erlernt; die Annahme, es handle sich um biologisch Gegebenes, ist der Fehlschluss der Reifikation.

Ein zweiter möglicherweise heikler Punkt betrifft die Qualität der Metastudie, welche die empirische Aussagekraft bestimmter Auswahlmethoden untersucht. Ein Blick in diese Studie offenbart zunächst, dass sich die Ergebnisse nur auf die USA beziehen. Ebenfalls auffällig ist, dass die Auswahl der für die Metastudie einbezogenen Studien eine verhältnismässig homogene Autorschaft aufweist.
Die Autoren der Metastudie, Hunter und Schmidt, sind auch an mehreren untersuchten Studien beteiligt (S. 265):
Die Studien, welche in die Metastudie einflossen und an denen die Metastudie-Autoren nicht beteiligt sind, sind blau markiert; grün sind jene Studien markiert, an welchen die Metastudie-Autoren beteiligt sind.

Evidenzbasierte Personalauswahl ist ein gut klingender Ansatz, die tatsächlich erbrachte Leistung bei der Arbeit dürfte aber - wie die meisten sozialen Phänomene - ein Zusammenspiel vieler Einflüsse sein, welche sich nicht in Korrelationen zwischen Leistung und Auswahlverfahren erschöpfen. Es ist also noch einiges mehr an Evidenz nötig.

26. September 2011

Zur Erinnerung: Konfessionslose.ch in den Nationalrat

Wer vielleicht vermutet hat, das Unterfangen «Konfessionslose.ch» sei nur ein PR-Gag oder sonstwie nicht ganz ernst gemeint, wird spätestens jetzt eines Besseren belehrt; die Wahlzettel für den Kanton Zürich sind bereits in Umlauf:
Wer demokratische Politik als säkular-aufgeklärt versteht und bereit ist, für diese Werte einzustehen und ein Zeichen zu setzen, wählt Konfessionslose.ch!

21. September 2011

Homöopathie an der Uni Basel

Dass «Alternativmedizin» zunehmend auch in universitärem Umfeld anzutreffen ist, ist nichts Neues - sowohl an an sich seriösen Universitäten in der Schweiz (etwa in Bern), als auch im Ausland (z.B. den USA) ist «Alternativmedizin» Teil des Forschungs- und Lehrprogramms.
Die Untersuchung der «Alternativmedizin» ist ja grundsätzlich zu begrüssen, nur wird in problematischen Fällen der gängige Mechanismus der wissenschaftlichen Methode - kritisches Prüfen rationaler, also prüfbarer Ideen - ausgesetzt und stattdessen Glaube gelehrt (der Glaube nämlich, dass die jeweilige «alternativmedizinische» Methode funktioniert, ist unumstösslich; die empirischen Ergebnisse werden, wenn sie nicht passen, passend gemacht).

Auch an der Uni Basel ist derlei zu beobachten: In Ausgabe 03/2011 der Studierendenzeitung «gezetera» berichtet der Medizinstudent Jonas Vollmer von einer Einführungsvorlesung zu Homöopathie:
Es ist höchst bedenklich, dass ein wissenschaftlich ausgebildeter Arzt (in diesem Fall Günter Lang) für seinen pseudowissenschaftlichen Glauben an einer öffentlichen Universität missioniert - und es ist gleichzeitig erfreulich und ermutigend, dass es kritisch denkende Studierende wie Jonas Vollmer gibt, welche das nicht einfach hinnehmen.

12. September 2011

Das Denkfest kam, sah und siegte

Gestern ging das Denkfest zu Ende - und Zürich dürfte ab jetzt auf der Weltkarte des kritischen Denkens einen festen Platz haben. Zunächst gebührt an dieser Stelle all jenen Dank, die mit ihrem Einsatz das Denkfest überhaupt ermöglicht haben.

Der alte Spruch «Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt» hat sich für mich persönlich bewahrheitet: Ich war leider den Grossteil des Denkfestes abwesend, einerseits körperlich, aber auch mit den Gedanken war ich anderswo.
Ist aber nicht so schlimm, denn bei regem Publikumsandrang bleibt auch die Berichterstattung nicht aus; die ersten Berichte zum Denkfest waren denn auch bereits online, während das Denkfest noch in Gange war.

Auf der Seite der Freidenkervereinigung Schweiz wird konstatiert:
Es war der erste Anlass dieser Art im deutschsprachigen Raum. Er hat eine Brücke geschlagen zwischen der akademischen Welt und der interessierten und kritischen Öffentlichkeit und hat einen Begegnungsort für das virtuelle Netzwerk der Skeptiker geboten. Der Ruf nach einer Fortsetzung war deutlich hörbar.
Die Freidenker verlinken zudem auf ein Video der abschliessenden Podiumsdiskussion vom Sonntag, welches ich aufnehmen konnte:
Wie in solchen Situationen nicht anders zu erwarten, wollte die Kamera nicht richtig mitspielen und hat die Videodatei des letzten Teiles des Gespräches sowie der Fragerunde korrumpiert. Die ersten ca. 50 Minuten sind aber auch spannend.

8. September 2011

Homöopathen manipulieren, 9/11-Verschwörungstheoretiker fantasieren, Elektrosensible hyperventilieren - und, Denkfest sei Dank, Skeptiker räsonieren

Heute geht es los: Das Denkfest beginnt!
Heute Abend darf ich am Podium «skeptic blogging» teilnehmen - wäre toll, wenn trotzdem viele Leute vorbeischauen!

Dass das Denkfest sinnvoll und nötig ist, ist offensichtlich wie eh und je. Man schaue beispielsweise an, was Homöpathie-Verfechter so machen. Der Homöopathieverband Schweiz schreibt etwas zum «Potenzial von Homöopathie»:
Ah, Peter Brugger (tritt auch beim Denkfest auf) wird zitiert. Homöopathisch Behandelte hätten ein «besseres Immunsystem» und seien «besser gegen Krebs» geschützt?
Das zitierte Magazin-Interview hatte ich zufälligerweise auch thematisiert, und zwar in diesem Blogeintrag. Das Interview kann als PDF hier heruntergeladen werden.

Scheinbar wirkt Homöopathie wirklich: Die Kügelchen steigern die Dreistigkeit ins Unermessliche, sodass auch Lügen kein Problem sind.

Was gibt es sonst? Bald jährt sich der Terrorangriff vom 11. September zum zehnten Mal, und die Verschwörungstheorien stossen immer noch auf Interesse. Unter anderem bei «Wissenschaftlern» wie Daniele Ganser, welcher auf Tagesanzeiger-Online über «Rätsel» zu 9/11 berichtet:
Er sei kein Verschwörungstheoretiker, sagt Ganser. Natürlich nicht; er verbreitet ja nur Verschwörungstheorien. Wer sich ein bisschen einlesen möchte: Popular Mechanics - Debunking the 9/11 Myths.

Auch sorgen sich Menschen nach wie vor um Gefahren von Mobiltelefon-Strahlung, wie dieser Beitrag auf 20minuten-Online zeigt:
Es ist grundsätzlich sinnvoll, sich zu fragen, ob elektromagnetische Strahlung, etwa von Mobiltelefonen, negative Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit haben kann. Aber irgendwann muss man auch bereit sein, sich ab und zu eine Antwort anzuhören. Zum Beispiel bei Skeptoid:



Also: Als Gegenmittel zur allgegenwärtigen Irrationalität eine Portion kritischen Denkens - und zum Dessert ans Denkfest.

Dank an Jonas Vollmer für den Hinweis auf die «Homöopathieverband Schweiz»-Webseite.

4. September 2011

Tony Stark vs. Daniel Düsentrieb


Das Denkfest steht vor der Tür und nun melde auch ich mich wieder zurück. Ich hatte den Aufwand meines Studiums zu Beginn unterschätzt und dafür musste ich während des letzten Semesters eiligst aufholen. Jene, die meinen letzten Beitrag gelesen haben, werden wissen, dass ich Elektrotechnik, ein Teilgebiet der Ingenieurswissenschaften, studiere. Zuvor habe ich darüber geschrieben, wie ich mich für Wissenschaft begeistern konnte und was für eine Person sich hinter dem Autor dieser Beiträge handelt. Etwas Wichtiges habe ich aber noch nicht angesprochen: warum entscheidet man sich für eine Ingenieurskarriere, anstelle sich vollumfänglich den Naturwissenschaften zu widmen oder gar eine ganz andere Richung einzuschlagen?

28. August 2011

Mit Hypnose die Brüste vergrössern, oder: Warum Überfall-Journalismus heikel ist, und Experten auch kritisiert gehören

Am 28. Juni hat der Kassensturz einen kritischen Beitrag zu einem «Hypnotiseur» ausgestrahlt, welcher mit seiner Therapie eine Reihe von aussergewöhnlichen Effekten verspricht - u.a. Brustvergrösserung bei Frauen:
Kassensturz vom 28.06.2011
Einerseits ist durchaus lobenswert, dass der Kassensturz kritischen Verbraucherschutz betreibt. Andererseits hinterlässt dieser Kassensturz-Beitrag aufgrund fragwürdigen Vorgehens einen äusserst fahlen Nachgeschmack.

19. August 2011

Gratiszeitungen: Der alltägliche Wahnsinn

Da hier nicht täglich Blogeinträge erscheinen, könnte man meinen, es gebe in der Schweiz halt nicht so viel Irrationales, und wenn doch, nehme sich der kritische öffentliche Diskurs dieser Dinge an. Doch der Eindruck täuscht: Praktisch täglich liefern beispielsweise Gratiszeitungen Artikel, welche durch unkritische Berichterstattung Pseudowissenschaft und Esoterik fördern, dadurch bisweilen auch blanke Werbung für Scharlatane sind.

Zunächst ein paar Artikel aus dem Gratisblatt «Blick am Abend» vom 16. August.
Spannend ein ganzseitiger Bericht über ein «Rätselwesen», von welchem nach wie vor nicht bekannt sei, ob es sich dabei um einen einfachen Affen oder - was sonst - ein Alien handelt:
Es muss festgehalten werden, dass «beide Seiten» dargestellt werden: Entweder ist das mysteriöse Wesen ein präperierter Affe, oder ein Alien. Also der klassische «argument from ignorance»-Fehlschluss: Wenn nicht bekannt ist, wie ein Phänomen erklärt werden kann, darf man irgendetwas behaupten. Wenn also nicht bekannt ist, was die Metepec-Kreatur genau ist, ist sie halt ein Alien (oder ein junges Einhorn; ich mag Einhörner).

Das Ganze ist übrigens, wie so vieles in der Welt der «Ufologie», nichts als ein Hoax.

Doch damit nicht genug der Aliens: Der vielleicht bekannteste «Ufologe» der Welt, Erich von Däniken, hat in Blick am Abend seine eigene Kolumne:

12. August 2011

Wahlen 2011, Teil 2: Die Wahlliste «Konfessionslose.ch»

Am 23. Oktober finden in der Schweiz Wahlen statt; es gilt, National- und Ständerat neu zu besetzen. Ursprünglich hatte ich vor, in einer Serie («Wahlen 2011, Teil X») einen Blick auf die grössten kandidierenden Partei zu werfen und nach Möglichkeit eine Antwort auf folgende Frage zu finden:

Welche Partei in der Schweiz setzt sich am ehesten für eine rational-aufgeklärte, kritischem Denken zuträgliche Politik ein?

Über die kommenden Wahlen werde ich auch weiterhin berichten, doch aus anderer Perspektive. Der Grund: Die zürcher Nationalrats-Wahlliste Konfessionslose.ch - auf welcher auch ich mitkandidiere.
Das Kernanliegen von Konfessionslose.ch ist die Trennung von Staat und Kirche. Unsere konkreteren politischen Anliegen sind folgende:
Eine kurze Erklärung, warum ich bei der Liste Konfessionslose.ch mitmache, ist angebracht.

Der Schritt vom beobachtenden (sprich: besserwisserischen) Blogger zum aktiv am Politikgeschehen Teilnehmenden nehme ich nicht auf die leichte Schulter - genau so wenig wie die anderen 33 Kandidatinnen und Kandidaten für Konfessionslose.ch.

Oben stelle ich die Frage, welche Partei sich am ehesten für rational-aufgeklärte, kritischem Denken zuträgliche Politik einsetzt. Konfessionslose.ch ist eine Liste, welche sich für rational-aufgeklärte Politik nicht einfach nebenbei ein bisschen einsetzt - Konfessionslose.ch entspringt vollkommen der und setzt sich unbedingt ein für die grösste Errungenschaft des Menschengeschlechtes: Die Erkenntnis, dass die uns über Jahrtausende plagenden Ketten der Unfreiheit und Unterdrückung erst dann endgültig abgelegt werden können, wenn wir akzeptieren, dass der eigene Glaube niemandem aufgezwungen werden darf.

Wer diese Position teilt, wer bereit ist, dafür zu kämpfen, deren und dessen Stimme ist am 23. Oktober 2011 willkommen.

Weiter möchte ich in diesem Blogeintrag zwei Punkte thematisieren:
  • Kurze Inhaltsanalyse der Konfessionslose.ch-Texte (analog zu dem ersten Blogeintrag zu den Wahlen 2011)
  • Erstes Medienecho zu Konfessionslose.ch

8. August 2011

Steuergelder für Yogis (Pseudowissenschaftler, nicht Bären)

Tagesanzeiger-Online berichtete am 26. Juli, Hugo Stamm am 27. Juli von einer wahrlich interessanten Geschichte: Der Bund will «Alternativmedizin» reglementieren. «Reglementieren» meint in diesem Kontext aber nicht, wie vielleicht erwartbar wäre, dass jene «Alternativmedizin» zugelassen wird, für welche eine Wirksamkeit nachweisbar ist. Nein, es soll einfach der «Alternativmedizin» ein Anstrich des Seriösen verpasst werden, indem die Ausbildungen der jeweiligen «alternativmedizinischen» Lehre staatlich reglementiert und folglich auch staatlich anerkannt werden.

Ein privater Verband, «Organisation der Arbeitswelt Alternativmedizin Schweiz» («OdA AM»), erarbeitet in Kooperation mit dem Bundesamt für Berufsbildung und Technologie die Berufsreglementierung für «Alternativmedizin». Die eigene Funktion beschreibt «OdA AM» wie folgt:
Ein eidgenössisch anerkannter Berufsabschluss für nichtärztliche Alternativmedizin – dies ist das Hauptziel der Organisation der Arbeitswelt Alternativmedizin Schweiz OdA AM. Die Berufsreglementierung bildet eine wichtige Investition ins schweizerische Gesundheitssytem. Europaweit hat ein anerkannter Abschluss Pilotcharakter und bewirkt eine Verankerung der Alternativmedizin in der Gesellschaft!
Immerhin wird kein Blatt vor den Mund genommen: Primäres Ziel ist, «Alternativmedizin» zu propagieren; nicht, diese auf ihre Wirksamkeit zu prüfen. Was bewegt Tagesanzeiger-Online aber zu dieser Charikatur?:
«OdA AM» plant die Berufsreglementierung folgender vier Fachrichtungen (Quelle):
  • Ayurvedamedizin
  • Homöopathie
  • Traditionelle europäische Naturheilkunde
  • Traditionelle Chinesische [sic] Medizin
Warum «OdA AM» «europäische» klein schreibt, «chinesische» dagegen gross, ist unklar.

Der Tagesanzeiger-Artikel stösst sich an der «Ayurvedamedizin» im Allgemeinen, am Ayurveda-Hintergrund eines der «OdA AM»-Mitglieder im Besonderen. Folgende Verbände sind Mitglieder der «OdA AM» (Quelle):
Der Verband «SVMAV» ist ein Verband für «Maharishi Ayurveda». «Maharishi Ayurveda» geht zurück auf den 2008 verstorbenen «Maharishi Mahesh Yogi», Begründer der «Transzendentalen Meditation»®.
Was ist dran an «Maharishi Ayurveda» und an «Transzendentaler Meditation»® (Letzteres ist, soweit ich das einzuschätzen vermag, eine Komponente des Ersteren)?

24. Juli 2011

Zur Erinnerung: Denkfest 2011 in Zürich

In Zürich findet vom 8. bis 11. September das Denkfest statt: Vier Tage Wissenschaft, kritisches Denken & intelligente Unterhaltung.
Auch mir wird die Ehre zuteil, als Redner mitzumachen: Ich wurde an das Podium «Skeptic blogging» am 8. September eingeladen und darf in einer illustren Blogger-Gruppe mitdiskutieren:

  • Ali Arbia ist Doktorand in Internationalen Beziehungen am Graduate Institute of International and Development Studies in Genf und bloggt seit über drei Jahren als zoon politikon auf Scienceblogs.de zu Politik, Weltgeschehen und Sozialwissenschaften. Verschwörungstheorien und das Verhältnis von Religion und Politik sind regelmässige Themen in seinem Blog.
  • Cristina Rad thematisiert als Text- und Videobloggerin Konflikte zwischen weltlichen und religiösen Ansichten und Diskussionen über Philosophie, aktuelle Ereignisse und Wissenschaft. Sie ist Autorin des Hörbuchs «The Unreasonable God» und eine entschiedene Verfechterin der rechtlichen Gleichstellung Homosexueller.
  • Florian Freistetter ist Astronom und war in der Universitätssternwarte Jena und dem Astronomischen Recheninstitut in Heidelberg tätig. Sein Arbeitsgebiet ist die Himmelsmechanik, insbesondere die Dynamik von erdnahen Asteroiden und extrasolaren Planeten. Außerdem ist er Autor des Blogs Astrodicticum Simplex.
  • Hayley Stevens ist vor allem als Interviewerin des englischen Podcasts «Righteous Indignation» bekannt. Sie ist zudem ist eine angesehene skeptische Erforscherin paranormaler Ereignisse und Gründerin der British Anomalistic Research Society. Hayley bloggt über Gespenster, Leute und andere seltsame Dinge. Im weiteren schreibt sie auch für die Website SheThought, welche Frauen in Wissenschaft, Skeptizismus und kritischem Denken diskutiert, fördert und zelebriert.
  • Julia Offe ist Biologin, freie Wissenschaftsjournalistin und Gründerin der Hamburger Regionalgruppe der Skeptikerorganisation GWUP. Sie hat den Science Slam in Deutschland populär gemacht und bloggt bei Scienceblogs.de.
  • Lars Fischer ist Chemiker und arbeitet als Wissenschaftsjournalist für Spektrum der Wissenschaft. Außerdem betreut er das Blogportal SciLogs.de und ist Autor des Fischblog.
Wer da nicht vorbeischaut, ist selber schuld!

20. Juli 2011

Die Volkshochschule - ein Hort der Pseudowissenschaft?

Oft werden auf diesem Blog «grosse» Dinge kritisiert: Unkritische Berichterstattung zu Pseudowissenschaft in den Massenmedien; Grundsatzkritik an irrationalen Glaubenssystemen; kritische Besprechung wissenschaftlicher Studien, und so fort.
Dieses Vorgehen ist sicher nicht verkehrt, aber als Skeptikerin bzw. Skeptiker sollte man sich nicht auf solche eher abstrakte Kritik beschränken: Gegen Irrationalität muss vorgegangen werden, wo diese am stärksten Fuss fasst - in den tatsächlichen Lebenswelten von Individuen, also im Alltag «normaler» Menschen.

Ein Beispiel für diese Forderung will ich mit diesem Blogeintrag vorstellen. Vor Kurzem ist mir eine Broschüre mit Kursen für Erwachsenenbildung in meiner Wohngemeinde in die Hände gefallen. Solche Weiterbildungskurse - welche unter dem Begriff «Volkshochschule» beschreibbar sind - sind grundsätzlich eine sinnvolle Sache: Neues zu lernen, ist selten schlecht.
Ein Blick in die Broschüre zu diesen Kursen trägt aber Alarmierendes zu Tage: Nebst unbedenklichen Angeboten werden zahlreiche esoterisch-pseudowissenschaftliche Kurse propagiert. Dies ist aus mehreren Gründen heikel:
  • Das in den betroffenen Kursen Propagierte ist nachweislich falsch bzw. unbewiesen.
  • Die betroffenen Kurse sollen psychische und physische Gesundheit förder und konfligieren damit direkt mit wissenschaftlicher Erkenntnis.
  • Für die Realisierung dieser Kurse werden auch Steuergelder eingesetzt.
Auf meine schriftliche Bitte für eine Stellungahme hat die für das Kursangebot Verantwortliche, Marianne Camenzind, nicht reagiert.

8. Juli 2011

Lesetip: «How to Win Every Argument»

Kaum ein Blogeintrag, in welchem ich nicht Fehlschlüsse anprangere: Pseudowissenschaften aller Art kommen nicht ohne grundlegende logische Fehler aus - und bestehen gar oft nur aus diesen.
Madsen Piries «How to Win Every Argument» ist ein Büchlein, welches die gängigsten Fehlschlüsse auflistet, beschreibt und bisweilen amüsant kommentiert - ein kleines Standardwerk des kritischen Denkens.

2. Juli 2011

Mit Homöopathie den PC schneller machen!

Weil Kritik auch Satire sein darf: Ein kurzes Video, welches hoffentlich zum Denken anregt.

30. Juni 2011

Über Klimawandel-«Skeptiker»

Tagesanzeiger-Online veröffentlichte am 29. Juni einen Artikel zum international bekannten Klimawandel-Leugner Willie Soon (selber kein Klimawissenschaftler).
Der Artikel ist durchaus lesenswert: Es wird beschrieben, wie Soon seine Autorität nutzt, um gegen  Befunde zu Klimawandel anzutreten - relevante wissenschaftliche Argumente trägt Soon keine vor, kommt mit seiner angenehm simplistischen Botschaft (in etwa: menschenverursachten Klimawandel gibt es nicht) vor allem in der US-amerikanischen Öffentlichkeit gut an.

Die Idee, menschenverursachter Klimawandel sei nichts als ein «Hoax», eine perfide Eliten-Verschwörung, fasst aber auch in der Schweiz Fuss - darauf deutet nicht zuletzt der rege Austausch der Kommentare zum Tagesanzeiger-Artikel. Im Folgenden eine kleine Auswahl an Kommentaren, welche die Klimawandel-«skeptische» Seite verfechten (die Namen der Kommentierenden belasse ich in den Bildern, weil diese ihren Namen ja bereits öffentlich auf der Tagesanzeiger-Seite angeben):
Das ist bewusst eine Auswahl nur von Klimawandel-«Skeptikern»; nicht alle Kommentare vertreten dieselbe Meinung, und einige Personen kommentieren besonders fleissig. Bei dem Inhalt der Kommentare fällt, u.a., zweierlei auf:

  1. Skeptisch sind diese Argumente nicht wirklich.
  2. Es wird wenig über den interessierenden Sachverhalt argumentiert.

28. Juni 2011

DRS: «Kraftorte: Mumpitz oder natürliche Lade-Station?»

Ca. Mitte Juni (eine genaue Datumsangabe fehlt) hat DRS 3 im Rahmen der wohl als Unterhaltungsformat intendierten Sendung «Panorama» einen Beitrag zu «Kraftorten» ausgestrahlt. Die Sendung ist leider nicht im Original als Audio-Datei vorhanden, sondern als Textartikel:
Der Beitrag ist im Grossen und Ganzen eher belanglos und wenig mehr als leidlich getarnte Werbung für bestimmte Ausflugsorte (wie auch das PDF am Ende des Artikels demonstriert) und für die Bücher und Dienste einer «Kraftort»-Expertin.

Auf der Seite des Artikels ist ein Interview mit Barbara Hutzl-Ronge, der «Kraftort»-Expertin, abrufbar. Das Interview ist in allzu gewohnter Manier völlig unkritisch; Frau Hutzl-Ronge erzählt munter von ihren Fantastereien (man spürt es einfach, darum stimmt's; es ist Magie; es gibt «Erdenergielinien», usf.).

Das eigentlich Stossende an diesem Beitrag ist der falsche Umgang mit dem Begriff des Skeptikers, bzw., genauer, dem Begriff der Skepsis.

Der Artikel berichtet von einem jungen Mann, der erkunden will, ob angebliche «Kraftorte» tatsächlich die behauptete übernatürliche Wirkung haben. Darum besucht er einige «Kraftorte» und berichtet von seinen Eindrücken. Und siehe da: In der Kristallhöhle Kobelwald fühlt sich der junge Mann tatsächlich erhohlt - der Artikellead proklamiert darob, dass «die Skepsis bröckelt». Insgesamt ist der junge Mann aber noch nicht überzeugt.

Es ist bedenklich, dass öffentlich-rechtlicher Rundfunk Skepsis als «Ich will nicht daran glauben!» definiert - und kritisches Hinterfragen als nichtssagende subjektive Empfindung; der Skeptiker ist einfach der Zyniker, der sich durch ein tolles Erlebnis von seiner Spielverderber-Position hin zum Gläubigen wandeln soll.

Dass der «Kraftort»-Tester im Beitrag nicht versteht, was kritisches Denken meint, ist wohl verzeihbar. Dass aber Berufsjournalistinnen und -journalisten, die regelmässig Esoterik-freundliche Beiträge wie diese «Kraftort»-Story herstellen, Kritik und Skepsis entweder nicht verstehen oder systematisch ignorieren, ist - so mein altbekanntes und nie endendes Klagelied - in höchstem Masse problematisch.
Wenn nämlich jene Stimmen im öffentlichen Diskurs, deren einzige und explizite Aufgabe es ist, Stimmen im öffentlichen Diskurs zu sein, sich derart eklatant von den Spielregeln der Rationalität distanzieren, schreiten wir mit grossen Schritten zurück ins Mittelalter.

21. Juni 2011

Zu Besuch bei Homöopathen

Am Freitag, dem 17. Juni, fand in Zürich ein Symposium der Organisation «HmSuisse» statt; einer Organisation, welche Homöopathie in Entwicklungsländern propagiert.
HmSuisse ist (anderen Glaubensgemeinschaften, welche «Entwicklungszusammenarbeit» zu leisten meinen, nicht unähnlich) wohl durchaus gut gemeint, hat aber potentiell katastrophale Folgen: Gerade in Staaten mit tiefen medizin-hygienischen Standards kann es gefährlich sein, Menschen mit Placebos zu versorgen, anstatt sie an richtige medizinische Behandlung heranzuführen.
Mit anderen Worten: Die Wahrhaftigkeit der Intentionen der HmSuisse-Mitglieder ist nicht das Problem, sondern der Anspruch auf Wahrheit der behaupteten Wirkung der Homöopathie.

Ich sass während der ersten Hälfte der Veranstaltung im Publikum und lauschte folgenden drei Vorträgen:
Alle drei Vorträge waren interessant, den Schwerpunkt dieses Blogeintrages möchte ich aber auf Stephan Baumgartner von der «KIKOM» legen: Er argumentierte, warum es «wissenschaftlich» erwiesen sei, dass Homöopathie wirke. Seine Argumente aber, so meine Kritik, zeigen dies nicht.

Als kleine Einstimmung auf den Abend habe ich folgendes Souvenir ergattert:

12. Juni 2011

Eindrücke vom Reinhard Bonnke-Auftritt am 11. Juni

Im letzten Blogeintrag habe ich die Club-Ausgabe thematisiert, in welcher der Auftritt des «Wunderheilers» Reinhard Bonnke besprochen wurde.
Am Samstag, dem 11. Juni, war es so weit: Bonnke hatte seinen Auftritt und ich war dabei.

Zunächst fand am Morgen die Protestkundgebung gegen Bonnke statt. Zum Video zwei Bemerkungen: Leider war zum einen die Speicherkarte in meiner Kamera korrupt, darum habe ich einiges an Aufnahmen verloren. Zum anderen ist der Ton im Video nicht synchron mit dem Bild: Youtube hat scheinbar ein technisches Problem mit dem Format des Videos (das Original ist normal).

Bei allen am Protest Beteiligten möchte ich mich bedanken: «Armchair skepticism» vor dem PC-Bildschirm ist nötig und willkommen, sich aber vor Ort zu exponieren und sich mit Menschen auseinanderzusetzen, ist ungleich schwerer:

Bonnke absolvierte zwei Auftritte, am Vormittag und Abend. Ich besuchte die Abend-Show. Die Videoaufnahmen sind qualitativ nicht besonders gut, die Ton- und Lichtverhältnisse haben mein Smartphone ein wenig überfordert. Das Audio-Problem ist in den zwei unteren Videos bedauerlicherweise ebenfalls vorhanden.

Im ersten Video will ich aufzeigen, dass relativ schnell (und relativ unverschämt) klargemacht wurde, um was es geht: Geld.
Zunächst rufen Leo Bigger und seine Gattin Susanna zu einer Kollekte auf: Man wolle in Österreich ein Fernseh-Programm betreiben und brauche dafür Spenden (Selber habe ich den Plastikkübel selbstverständlich ohne Spende weitergereicht). Als danach Bonnke auf die Bühne kam, hat er als erstes für seine Bücher geworben. Hier das Video:

Im zweiten Video zu Bonnkes Auftritt versuche ich, ein paar «Highlights» der «Predigt» Bonnkes zusammenzufassen. «Heilungen» hat Bonnke keine vollzogen (wohl im Wissen, dass Derartiges in Rechtsstaaten nicht unproblematisch ist):

Als eine wesentliche Erkenntnis dieses Abends bleibt Folgendes: Christlicher Konservatismus ist nicht mit christlichem Fundamentalismus gleichzusetzen.

Was mich überraschte (ob positiv oder negativ, ist gar nicht so einfach zu bestimmen), waren die zahlreichen jungen Frauen, welche bisweilen ausgesprochen körperbetont gekleidet waren - anders als «klassische» stark religiöse Menschen sind Freikirchen-Mitglieder nicht durch Äusserliches, also Uniform-ähnliche Kleidung gekennzeichnet.

Ebenfalls auffällig, und bedenklich: Die Mehrheit des Publikums bestand aus jungen Menschen, inklusive Kindern. Es scheint, dass Bonnke, Bigger und allgemein fundamentalistische Freikirchen eine Formel gefunden, welche auch bei Jungen ankommt: Viel Show und Spektakel, keine Einschränkungen im Alltag, einfach das Hirn so gut wie möglich abschalten und sich der Emotion übergeben (Und natürlich: Das Portemonnaie immer schön weit offen halten).

Es ist fast irgendwie traurig: Da finden sich tausende von Gläubigen zusammen, welche der Ansicht sind, sie und nur sie hätten mit dieser luftig-lockeren, auf Charismatiker fixierten Neu-Interpretation des Christentums die wahre Wahrheit gefunden. Und trotztdem wirkt alles irgendwie... pietätlos.

8. Juni 2011

SF: Ein netter Abend mit Wunderheilern

Das Thema der «Club»-Ausgabe vom 7. Juni war «Heilen wie Jesus - nichts als Humbug?». Der Titel alleine ist vielleicht nicht ganz selbsterklärend: Es wurde nicht etwa besprochen, ob Jesus selber nichts als Humbug sei, sondern, ob «Wunderheiler», welche angebliche «Wunderheilungen» durchführen, glaubwürdig sind.

Dieses Thema ist immer von Belang; über den kroatischen «Wunderheiler» names «Braco» etwa habe ich schon berichtet. Anlass für die aktuelle Club-Sendung ist aber ein anderer «Wunderheiler»: Reinhard Bonnke, Superstar:
Die sehenswerte Club-Ausgabe ist online abrufbar:
Mehrere Punkte der Sendung sind besprechenswert, ein Fazit kann aber vorweggenommen werden: «Wunder» vollbringt Reinhard Bonnke keine (Oder, genauer umformuliert: Es gilt nach wie vor die Nullhypothese. Nichts deutet darauf hin, dass kausale Verbindungen zwischen Bonnke und  unerklärbaren geshundheitlichen Verbesserungen bei Drittpersonen vorhanden sind. Im Weiteren deutet nichts darauf hin, dass Bonnke eine wie auch immer geartete «Kraft» eines wie auch immer gearteten «Jesus» für angebliche Heilungen nutzen oder weiterleiten kann.).

30. Mai 2011

Das Magazin: Besuch im esoterischen Wellness-Tempel

In der Ausgabe vom 28. Mai hat «Das Magazin» über den «Lanserhof» berichtet, einen Wellness-Tempel in Österreich (hier als PDF herunterladbar):
Zu anderen Themen tut sich das «Magazin» angenehm kritisch hervor, etwa zur Frage der Homöopathie, den esoterisch-pseudowissenschaftlichen Tendenzen des Schweizer Fernsehens oder allgemeinen zur Beliebtheit des Irrationalen.
Der Artikel über den Lanserhof ist in dieser Hinsicht ernüchternd: Die Grundposition ist nicht ein kritisches Hinterfragen der dubiosen Wellness-Angebote des Lanserhofs, sondern eine Art neutraler Erlebnisbericht. Der Autor des Artikels ist aber Max Küng, dessen Texte nicht selten mit einer Handvoll Ironie gewürzt sind, so auch dieser. Direkte und unmissverständliche Kritik wäre aber nötig gewesen: Im Lanserhof wird nicht wenig Pseudowissenschaft verkauft.