31. Januar 2011

«Homöopathie-verträgliche» Zahnpasta

Ich benutze folgende Zahnpasta:
Warf für ein Mal einen Blick auf die Rückseite:
Und wurde überrascht:
Menthol ist scheinbar nicht «Homöopathie-verträglich» (ob der Begriff «Homöopathie-verträglich» philosophische Diskussionen entfachen soll, ist unklar; letztlich geht es um die Frage, ob «etwas» mit «nichts» verträglich ist).

Was ist sonst noch mit Homöopathie unverträglich? Ein Blick in die Homöopathie-Bibel «Organon der Heilkunst» klärt auf (hier gefunden; ich zitiere die 6. Auflage):
Kaffee, feiner chinesischer und anderer Kräuterthee; Biere mit arzneilichen, für den Zustand des Kranken unangemessenen Gewächssubstanzen angemacht, sogenannte feine, mit arzneilichen Gewürzen bereitete Liqueure, alle Arten Punsch, gewürzte Schokolade, Riechwasser und Parfümerieen mancher Art, stark duftende Blumen im Zimmer, aus Arzneien zusammengesetzte Zahnpulver und Zahnspiritus. Riechkißchen, hochgewürzte Speisen und Saucen, gewürztes Backwerk und Gefrornes mit arzneilichen Stoffen, z. B. Kaffee, Vanille u.s.w. bereitet, rohe, arzneiliche Kräuter auf Suppen, Gemüße von Kräutern, Wurzeln und Keim-Stengeln (wie Spargel mit langen, grünen Spitzen), Hopfenkeime und alle Vegetabilien, welche Arzneikraft besitzen, Selerie, Petersilie, Sauerampfer, Dragun, alle Zwiebel-Arten, u.s.w.; alter Käse und Thierspeisen, welche faulicht sind, (Fleisch und Fett von Schweinen, Enten und Gänsen, oder allzu junges Kalbfleisch und saure Speisen; Salate aller Art), welche arzneiliche Nebenwirkungen haben, sind eben so sehr von Kranken dieser Art zu entfernen als jedes Uebermaß, selbst das des Zuckers und Kochsalzes, so wie geistige, nicht mit viel Wasser verdünnte Getränke; Stubenhitze, schafwollene Haut-Bekleidung, sitzende Lebensart in eingesperrter Stuben-Luft, oder öftere, bloß negative Bewegung (durch Reiten, Fahren, Schaukeln), übermäßiges Kind-Säugen, langer Mittagsschlaf im Liegen (in Betten), Lesen in wagerechter Lage, Nachtleben, Unreinlichkeit, unnatürliche Wohllust, Entnervung durch Lesen schlüpfriger Schriften, Onanism oder, sei es aus Aberglauben, sei es um Kinder-Erzeugung in der Ehe zu verhüten, unvollkommner, oder ganz unterdrückter Beischlaf; Gegenstände des Zornes, des Grames, des Aergernisses, leidenschaftliches Spiel, übertriebene Anstrengung des Geistes und Körpers, vorzüglich gleich nach der Mahlzeit; sumpfige Wohngegend und dumpfige Zimmer; karges Darben~ u.s.w. Alle diese Dinge müssen möglichst vermieden oder entfernt werden, wenn die Heilung nicht gehindert oder gar unmöglich gemacht werden soll. Einige meiner Nachahmer scheinen durch Verbieten noch weit mehrer, ziemlich gleichgültiger Dinge die Diät des Kranken unnöthig zu erschweren, was nicht zu billigen ist.
Ein wissenschaftlicher Text würde begründen, warum diese umfangreiche Liste mit der angeblichen Wirkung von Homöopathie konfligieren soll. Ein religiöser Text - und das ist Hahnemanns Organon - behauptet dies einfach.

Gut zu wissen, dass Kondome und sonstige Verhütungsmittel, aus homöopathischer Sicht, schädlich sind. Eines der vermeintlichen Argumente für Homöpathie ist bekanntlich die völlige Risikolosigkeit; «Hilft es nicht, schadet es nicht». Und gegen Syphilis, Gonorrhoe und AIDS gibt es ja sicher auch ein paar gute Globuli.

5 Kommentare:

Gwendolan hat gesagt…

Ich möchte mich ein weiteres mal für einen gelungenen Beitrag bedanken - keep up the good work. :)

Markus Graber hat gesagt…

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass auch <> in einer Liste der 'homöopathieverträglichen' Mundpflegeprodukte gelistet ist.
Ich frage mich hier nur ob die Hersteller das als ernsthaften Verbraucherhinweis verstehen oder ob sie das bloss erwähnen um den Marktanteil um diese Zielgruppe zu erhöhen.

Markus Graber hat gesagt…

Upps...
in den Pfeilklammern des obigen Kommentars sollte eigentlich der Produktname 'Elmex mentholfrei' stehen...

Philipp hat gesagt…

Die gute Nachricht ist auch: als Kaffee-Junkie ist man per se Homöopathie-UNverträglich! Ich freu mich schon auf die nächste Diskussion mit meinen Hömoöpathiefreundlichen Freunden: "Möchtest Du noch einen Kaffee?" Haha!

Anonym hat gesagt…

Abgesehen davon...

Wie geschickt ist es eigentlich, eine Zahncreme nach einem Krankheitserreger zu benennen?

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