28. Februar 2011

Zum Steiner-Jubiläum: Anthroposophie-Propaganda auf allen Kanälen

Am vergangenen Wochenende, genauer am 27. Februar, jährte sich der Geburtstag Rudolph Steiners zum 150. Mal, und die einige Medien lieferten ein Feuerwerk unkritischer Lobhudelei Steiners und seines Esoterik-Kultes, der Anthroposophie, ab.

Da war, zum Beispiel, der Artikel der Weltwoche (Nr. 8 vom 24. Februar 2011):

23. Februar 2011

20minuten: «Geht die Welt bald unter?»

So schnell kann es manchmal gehen: Habe ich im letzten Blogeintrag noch die kritische Haltung von 20minuten in Betreff homöopathischer «Grippeimpfungen» gelobt, hat 20minuten nun einen Beitrag veröffentlicht, in welchem die Frage nach einem baldigen Weltuntergang gestellt wird.
Dieser alarmistische Beitrag (im Ressort «Wissen» platziert) wird sicherlich in einer sorgfältig ausgewählten und untersuchten Basis von Daten und Berechnungen gründen?
Nicht ganz: Es handelt sich um eine 13 Bilder umfassende Bildstrecke, welche eine Reihe aktueller «Naturkatastrophen» dokumentieren.

21. Februar 2011

20minuten: «Der homöopathische Impfschwindel»

Wenn 20minuten auf dem «skeptiker-blog» Thema ist, gibt meistens die unkritische Haltung dieser Zeitung Anlass zu Kritik. Für ein Mal nimmt 20minuten aber eine kritisch-hinterfragende Position ein, nämlich in einem mit «Der homöopathische Impfschwindel» betitelten Artikel.
In diesem Artikel werden sogenannte «homöopathische Impfungen» kritisiert: Es gibt Homöopathie-Mittel, welche tatsächlich behaupten, die Wirkung einer Grippeimpfung zu haben.

Dass Homöopathie im Allgemeinen keine über den Placebo-Effekt hinausgehende Wirkung besitzt, ist hinlänglich bekannt. Dennoch ist, aus Sicht des Individuums, zumindest teilweise nachvollziehbar, dass die anekdotische Evidenz der Placebowirkung, gepaart mit dem Glauben an «Wassergedächtnis» und sonstige «Energien» dazu führen kann, Homöopathie intuitiv als wirksam anzusehen.

Mit homöopathischen «Grippeimpfungen» ist aber ein Niveau der Absurdität erreicht, bei welchem nur lakonisch zu sagen ist: Wer wirklich selbstgewählt ignorant genug ist, zu glauben, dass homöopathische Kügelchen in irgendeiner Weise etwas mit der Bildung von Antikörpern zu tun haben, ist selber schuld.
Selbstredend bedeutet ein Maximum an Denkfaulheit seitens der Konsumentinnen und Konsumenten nicht, dass jene, welche solche Globulus-«Grippeimpfungen» herstellen und vertreiben, keine Verantwortung tragen: Homöopathische «Grippeimpfungen» sind Betrug in Reinform, sind in Kugelform gepresste Lügen.

Eines der vermeintlichen Argumente für Homöopathie ist «Hilft es nichts, schadet es nichts». Dass dies ein gefährlicher Fehlschluss ist, zeigt eben nicht zuletzt die verbreitete Anti-Impf-Propaganda des Homöopathie-Kultes (Leseproben z.B. hier, hier, hier).

Homöopathie ist keine «Komplementär»-Medizin: Diese Glaubensrichtung will nicht etwa Bestehendes und Erprobtes ergänzen, sondern ersetzen - egal, wie gross der dadurch angerichtete Schaden ist.

17. Februar 2011

20minuten: «Das virtuelle Bordell»

Am 14. Februar berichtete 20minuten über Facebook als Plattform für Prostitution.
Abgesehen vom etwas verwirrenden Titel (ist ein «virtuelles Bordell» ein Bordell, in welchem nur virtueller Sex stattfindet?) ist die Grundaussage durchaus interessant: Facebook werde immer häufiger genutzt, um Sexpartnerinnen und -partner zu finden. Der erste Absatz des Artikels macht eine etwas gewagte Aussage:
83 Prozent der US-Prostituierten ­haben laut einer neuen Studie ein Face­book-Profil. Jeden vierten Freier lernen sie darüber kennen. Ihr Vorteil: Für Kundenpflege und Preis­verhandlungen eigne sich Facebook hervorragend, so Soziologe Sudhir Venkatesh.
Es gibt also eine Studie, welche zeigt, dass 83% der US-Prostitutierten ein Facebook-Profil haben und 25% der Prostituierten ihre Kunden über Facebook kennenlernen. Hier ist Skepsis angebracht: Wie genau soll es möglich sein, solche Aussagen über Prostitutierte in den USA zu machen, einem Staat, in welchem Prositution weitgehend illegal ist? Da hilft nur der Blick in besagte Studie.

15. Februar 2011

Lesetip: «How to Lie with Statistics» und «Der Hund, der Eier legt»

Statistik meint ganz einfach zählen - Statistik lügt an und für sich nie. Statistik kann aber, bewusst oder unbewusst, verzerren und täuschen, kann falsch interpretiert werden (anschaulich beispielsweise bei Daryl Bems «PSI»-Studie). Darum an dieser Stelle eine Empfehlung für zwei lesenswerte Bücher, welche den Sinn für kritisches Hinterfragen von Statistik schärfen.

«How to Lie with Statistics» ist ein Klassiker aus dem Jahr 1954:
Das Buch fasst auf nur 142 Seiten zusammen, wie statistische Messungen und Darstellungen die Dinge verzerrt oder gar schlicht falsch präsentieren können. In lockerer Sprache geschrieben und von charmanten Zeichnungen begleitet, ist das Buch auch ein halbes Jahrhundert nach der Erstveröffentlichung aktuell.

«Der Hund, der Eier legt» nimmt sich eines ähnlichen Themas an: Der «Naivität und Dummheit der modernen Wissenschaft» (gemäss Rückentext):
Das ist kein anti-wissenschaftliches Buch, ganz im Gegenteil: Eine Vielzahl von Themen, welche im Grossen und Ganzen um das Thema Statistik kreisen, wird kritisch behandelt - darunter Dauerbrenner wie der «Texas sharpshooter»-Fehlschluss, der Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität, oder die heilige Kuh der quantitativen Forschung, die «Signifikanz».
Aber auch dieses Buch selber muss kritisch gelesen werden. So befremdet ein wenig, dass die Autoren in etwas allzu salopper, unkritischer Art versuchen, anthropogenen Klimawandel als tölpelhafte Fehlinterpretation der Daten darzustellen (S.87-90. Die Autoren nennen das oft gehörte Argument, die gegenwärtige Erderwärmung sei Teil eines «natürlichen» Zyklus' und nicht durch den Menschen verursacht; eine empfehlenswerte Seite, welche u.a. erklärt, warum dieser Einwand nicht zutrifft, ist «Skeptical Science»).

Vielen Dank an Dan für den Hinweis auf «How to Lie with Statistics».

10. Februar 2011

NZZ Folio: Chart junk

Die aktuelle Ausgabe des NZZ Folio (02/11) widmet sich dem Thema «Die Hausfrau». Auf der Doppelseite 36/37 findet sich eine auf den ersten Blick beeindruckende Grafik (Quelle):
Wow, fehlt nur noch die 3D-Brille. Zu dumm nur, dass diese Grafik kaum lesbar ist.
Scheinbar sind die Säulen im Süden insgesamt etwas länger, aber die Dreidimensionalität verzerrt: Der nördliche Teil ist perspektivisch bedingt übermässig kurz und klein geraten. Vergleiche zwischen einzelnen Säulen (d.h., Gemeinden) sind kaum möglich.

Diese Grafik tauscht Lesbarkeit gegen optischen Bombast; zunächst spektakulär, dann leer. Eine sinnvollere Darstellungsart von Grafiken wie der obigen ist die langweilige, aber übersichliche 2D-Variante (Quelle):
Die Daten sind im zweiten Bild andere, das Prinzip dasselbe.

Auf Seite 35 der gleichen Folio-Ausgabe fällt eine weitere Grafik auf (Quelle):
Auf den ersten Blick unschuldig: Anhand einiger Datenpunkte wird ein zeitlicher Verlauf dargestellt, übersichtlich und lesbar. Heikel ist aber die geringe Anzahl an Datenpunkten: Maximal fünf Werte sind pro Variable vorhanden - für den Zeitraum zwischen 1915 und 2009.
Beispiel «Bügeleisen»: Die Datenpunkte beziehen sich auf die Jahre 1915, 1945, 1970, 1995, 2009. Was zwischen diesen Jahren passierte, ist unbekannt; die obige Grafik suggeriert aber, die Entwicklung zum nächsten Punkt sei eine lineare gewesen. Durchaus möglich, aber eben nicht in den Daten enthalten.
Insgesamt dürfte der dargestellte Trend wohl stimmen, die Art der Darstellung suggeriert aber mehr Information, als tatsächlich vorhanden ist.

Mit diesem Blogeintrag plädiere ich nicht für «hässliche» grafische Darstellungen, sondern für einfache. Dass auch so Ansehnliches entstehen kann, wird z.B. bei «Information is Beautiful», «Visual Complexity» und «datavisualization.ch» demonstriert.

8. Februar 2011

In eigener Sache: Blogeinträge als PDF speichern

Von nun an ist es möglich, einzelne Blogeinträge als PDF-Datei herunterzuladen. Dazu muss auf «PRINT PDF» - am Ende des jeweiligen Blogeintrages zu finden - geklickt werden:
Das PDF wird durch den Gratisdienst «joliprint» generiert. In Blogeinträgen vorhandene Links bleiben erhalten; das Layout ist nicht beeinflussbar, fällt aber in der Regel gut lesbar aus. Ein Beispiel:
Diese PDF-Funktion ist als kleines «nice to have» gedacht; dahinter stecken keinerlei finanzielle Interessen, etwa in Form von Werbeeinnahmen o.ä..

Bei Problemen sind Rückmeldungen stets willkommen.

Die Studie, welche angeblich belegt, dass es «PSI» gibt (Teil 2)

Im ersten Blogeintrag zur Studie «Feeling the Future» von Daryl Bem habe ich ich einige eher allgemeine Themen angesprochen, welche die Güte dieser «PSI»-Studie in Frage stellen. In diesem Blogeintrag widme ich mich einigen etwas konkreteren Punkten.
In der Zwischenzeit hatte Daryl Bem einen Auftritt in «The Colbert Report», in welchem er kritischen Fragen ausweicht (links im Bild):

In diesem Blogeintrag bespreche ich folgende, in Teil 1 angekündigte Punkte:
  • Die neun Experimente
  • Quantenmystik
  • Fazit
Kleine Vorbemerkung: Dieser Blogeintrag ist etwas länger ausgefallen. Wer etwas Zeit sparen will, überfliegt, nebst vielleicht dem Fazit, den Abschnitt «1.6 Experiment 6»; das sechste Experiment Bems zeigt am offensichtlichsten, so meine ich, wie es um die Glaubwürdigkeit dieser Studie steht.