15. Februar 2011

Lesetip: «How to Lie with Statistics» und «Der Hund, der Eier legt»

Statistik meint ganz einfach zählen - Statistik lügt an und für sich nie. Statistik kann aber, bewusst oder unbewusst, verzerren und täuschen, kann falsch interpretiert werden (anschaulich beispielsweise bei Daryl Bems «PSI»-Studie). Darum an dieser Stelle eine Empfehlung für zwei lesenswerte Bücher, welche den Sinn für kritisches Hinterfragen von Statistik schärfen.

«How to Lie with Statistics» ist ein Klassiker aus dem Jahr 1954:
Das Buch fasst auf nur 142 Seiten zusammen, wie statistische Messungen und Darstellungen die Dinge verzerrt oder gar schlicht falsch präsentieren können. In lockerer Sprache geschrieben und von charmanten Zeichnungen begleitet, ist das Buch auch ein halbes Jahrhundert nach der Erstveröffentlichung aktuell.

«Der Hund, der Eier legt» nimmt sich eines ähnlichen Themas an: Der «Naivität und Dummheit der modernen Wissenschaft» (gemäss Rückentext):
Das ist kein anti-wissenschaftliches Buch, ganz im Gegenteil: Eine Vielzahl von Themen, welche im Grossen und Ganzen um das Thema Statistik kreisen, wird kritisch behandelt - darunter Dauerbrenner wie der «Texas sharpshooter»-Fehlschluss, der Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität, oder die heilige Kuh der quantitativen Forschung, die «Signifikanz».
Aber auch dieses Buch selber muss kritisch gelesen werden. So befremdet ein wenig, dass die Autoren in etwas allzu salopper, unkritischer Art versuchen, anthropogenen Klimawandel als tölpelhafte Fehlinterpretation der Daten darzustellen (S.87-90. Die Autoren nennen das oft gehörte Argument, die gegenwärtige Erderwärmung sei Teil eines «natürlichen» Zyklus' und nicht durch den Menschen verursacht; eine empfehlenswerte Seite, welche u.a. erklärt, warum dieser Einwand nicht zutrifft, ist «Skeptical Science»).

Vielen Dank an Dan für den Hinweis auf «How to Lie with Statistics».

5 Kommentare:

Dan hat gesagt…

Bitte, gern geschehen! Wenn ich schon dabei bin (oder war) Bücher zu empfehlen, dann gibt es noch einen (persönlichen) Klassiker von Steven D. Levitt Freakonomics. In diesem Buch behandelt der ausserordentliche Statistiker Levitt Zusammenhänge von scheinbar irrwitzigen Dingen und umschreibt sie mit viel Humor und Sachverstand. Beispiel? "Warum Dealer bei ihren Müttern wohnen", "Was haben Sumoringer und Lehrer gemeinsam" und "Warum die Legalisierung der Abtreibung die Kriminalitätsrate senkt".

Der zweite Streich ist SuperFreakonomics - genau wie das erste Buch - von der Denkweise her, aber viel mutiger, was die Themen betrifft. Dieses kurze Video gibt einen Einblick in das neue Buch.


Und falls ihr jetzt glaubt: "Ach, das brauche ich nicht, ich bin schon jetzt ein ausserordentlicher Querdenker und sehe die Welt mit objektiven Augen!" Dann probiert es mal aus:

http://areyouasuperfreak.com/

Dan hat gesagt…

Korrigenda: Levitt ist Ökonom, Dubner (den ich sträflicherweise nicht erwähnt habe) ist der Statistiker.

nirwanixla hat gesagt…

bezüglich Freaktest: bis auf Frage 2,4,5 alle richtig. Zwar kein Superfreak aber doch ein Freak? ;)

da ich sehe, dass hier viel mit Statistiken gearbeitet wird: habt ihr auch Empfehlungen für gute Einführungen in Statistik bei der Hand?

Marko Kovic hat gesagt…

@Dan
Hach, wieder ein Buch bestellt ;). 'Freakonomics' scheint wirklich ein ganz lustiges Buch zu sein. Mit der Zeit schaue ich mir auch 'SuperFreakonomics' an; das Nachfolgebuch wurde scheinbar weniger gut aufgenommen (vgl. z.B. hier, hier, hier und hier).

@nirwanixla
Eine, finde ich, sehr gute Übersicht bieten z.B. die Videos der 'Khan Academy':
Khan Academy-Videos.

Auch gut finde ich die Zusammenfassungen auf 'CliffNotes':
Link

Dan hat gesagt…

@Marko
Ok, ok, ich mache vorerst keine Buchempfehlungen mehr... Ich habe SuperFreakonomics noch nicht gelesen, aber die Kritiken sind halt... Kritiken und in diesem Fall beschränkt sich die Kritik auf ein einzelnes Kapitel, wo sich die beiden wohl ein bisschen an der Thematik vergriffen haben (obschon wir zugeben müssen, dass die ganze Klimadebatte schon sektenähnliche Züge angenommen hat). Den Einwand der Washington Post, dass es in der Prostitution nicht nur eine Aufwand-Ertrag Rechnung sondern auch downsides gibt, ist völlig irrelevant, aber tönt halt gut.
Aber du hast recht, scheinbar wurde es weniger gut aufgenommen. Sobald ich es gelesen habe, schreibe ich dir auch eine Kritik.

@nirwanixla
Doch noch eine Buchempfehlung (aber eigentlich kein richtiges Buch...). Eine sehr witzige Einführung in die Statistik ist der Cartoon Guide to Statistics von Larry Gonick.

Kommentar veröffentlichen