29. April 2011

Kate und William haben geheiratet! (Und das Vereinigte Königreich ist immer noch eine Theokratie)

«Prinz» William und seine ach so bezaubernde Kate haben sich das Ja-Wort gegeben - ein Boulevard-Ereignis der Extraklasse:
Ob dieser «Traumhochzeit» bleibt offensichtlich kein journalistischer Platz für kritisches Hinterfragen: Was «Prinzen» und «Könige» im Europa des 21. Jahrhunderts verloren haben, ist ein Rätsel. Königliche Aristokratie bedeutet, dass «Gott» bestimmte Menschen mit Macht und Privilegien ausstattet (im Vereinigten Königreich: die Königsfamilie und das «House of Lords», eine Parlamentskammer).

Das Vereinigte Königreich ist keine Republik, sondern eine theokratische Monarchie - und entsprechend im Kern nicht demokratie-kompatibel:


Manchmal drängt sich die Frage auf, wie es sein denn kann, dass ein Teil der Menschen in autoritären Staaten (z.B. China, Vietnam, Nordkorea, Iran, Saudiarabien, Weissrussland, Russland, uvm.) die illegitimen Machthaber unterstützt (egal, ob sich diese Machthaber mit «Gott» oder mit Kalashnikovs rechtfertigen).
Ein Teil der Antwort auf diese Frage liefert die massenmediale Berichterstattung zur Heirat von «Prinz» William und Kate:
Unkritische Öffentlichkeit leistet intellektueller Unmündigkeit Vorschub.

27. April 2011

TeleZüri: Ein Fest für Scharlatane

Mehrmals habe ich bereits kritisiert, dass der Regionalsender Telezüri allzu willig eine Bühne für Scharlatanerie und Pseudowissenschaft bietet. So demonstriert auf Telezüri etwa Monica «Madame Etoile» Kissling regelmässig ihre wenig spektakulären Astrologie-Fähigkeiten. Auch Pietro Sassi, ein Anhänger der «Physiognomik», der pseudowissenschaftlichen Gesichterleserei, durfte für sich Werbung machen, ebenso die Scharlatane Pascal Voggenhuber und Kim-Anne Jannes, ihres Zeichens «Medien» (Empfängerinnen und Empfänger angeblicher «übernatürlicher» Botschaften, in der Regel nach Stundentarif abgerechnet).

In diese Tradition des Qualitätsjournalismus nach Telezüri-Art reihen sich zwei Ausgaben der Sendung «TalkTäglich» ein. Am 12. April hat das «Medium» Martin Zoller für ein Buch werben dürfen (Link):
Zwei Tage später, am 14. April, erklärte die Gesichterleserin Tatjana Strobel ihr pseudowissenschaftliches Handwerk (das zu verkaufende Buch fehlte auch hier nicht) (Link):
Mit der Zeit wird klar, was für ein Geschäftsmodell Scharlatane und Pseudowissenschaftler wie die zwei obigen verfolgen: Ein Teil ihres Einkommens besteht darin, ihre Dienstleistungen direkt zu verkaufen (sprich: Menschen aktiv zu betrügen oder ihnen pseudowissenschaftliche Schwurbeleien unterzujubeln). Eine weitere, nicht unwesentliche Einkommensquelle ist zudem folgende:
Bücher, und Kurse, in denen sie vermitteln, dass nicht nur sie selber als Esoterik-Profis über übersinnliche Fähigkeiten verfügen, sondern in jedem Menschen dieses Potential steckt - man muss einfach genug üben. Und das klappt natürlich nur, wenn man sich entsprechende Anleitungen kauft. Was sind schon ein paar (hundert, tausend) Franken/Euro/Dollar, wenn es um versteckte Energien und Wahrheiten geht!

22. April 2011

Der Schweizer Presserat rügt Homöopathiekritik im «Magazin»

Die «GWUP» berichtet über einen Entscheid des Schweizerischen Presserates (einer journalistischen Selbstregulierungsinstanz in der Schweiz), welcher am 19. April auf NZZ-Online beschrieben wird:
Der Lead des NZZ-Artikels erklärt den Sachverhalt treffend in zwei Sätzen. Subjektive Kommentare zu Homöopathie abzugeben, ist unproblematisch («Bockmist», «moderner Aberglaube»). Die Aussage aber, dass keine einzige Studie die Wirksamkeit von Homöopathie beweise, ist falsch.

Technisch gesehen ist die Rüge an das «Magazin» gerechtfertigt (Beschwert hatte sich der «Schweizerische Verein homöopathischer Ärztinnen und Ärzte» beim Presserat): Tatsächlich gibt es Studien, welche angeblich beweisen, dass Homöopathie wirkt - in der Regel genügen derartige Studien aber nicht wissenschaftlichen Standards. Ein Beispiel einer solchen Studie habe ich in diesem Blogeintrag kritisiert. Das klassische Problem bei solchen schlechten Studien: «Garbage in, garbage out»; es werden falsche Prämissen getestet und falsch interpretiert.

Aber auch eine Minderheit seriös durchgeführter Studien kommt zum Schluss, dass Homöopathie eine statistisch signifikante Wirkung habe. Den Grund dafür fasst ein XKCD-Comic perfekt zusammen (Quelle):
Gängige Hypothesentests haben zur Folge, dass eine Minderheit aller Tests als statistisches Artefakt falschpositiv sind. Wenn sich Homöopathie-Gläubige an diese Minderheit der Studien krallen und die grosse Mehrheit der Studien ignorieren, welche ihre Behauptung, dass Homöopathie wirke, falsifizieren, propagieren sie Pseudowissenschaft.
Homöopathie wirkt eindeutig nicht über den Placeboeffekt hinaus, darüber besteht kein Zweifel. Aber noch ein zweiter Punkt kommt hinzu: Ein Heilmittel muss den Mechanismus erklären können, mit welchem die angebliche Wirkung zustande kommt. Ansonsten bleibt unbekannt, was die Risiken und Nebenwirkungen sein können. Nie würde z.B. Novartis ein Medikament auf den Markt bringen können, ohne vorherige Abklärung des genauen Wirkungsmechanismus - die irrationale Erklärung «Es ist Magie!» genügt nur pseudowissenschaftlichen Disziplinen wie der Homöopathie.

Zum Schluss noch ein kurzer Blick in die online veröffentlichte Begründung des Presserates zu diesem Entscheid. Unter anderem steht dort Folgendes:
Der Presserat kann in dieser Auseinandersetzung, in der sich jede Seite auf Studien und Gegenstudien beruft, kaum zur «Wahrheitsfindung» beitragen. Die Homöopathie wirkt wie andere Glaubenssysteme: Den «Gläubigen» hilft sie, den «Ungläubigen» hilft sie nicht. Und falls doch, werden diese zum Glauben bekehrt und sind den Ungläubigen höchstens noch Beweis für die Missionswirkung der Gegenseite, nicht aber für die Wirksamkeit der Methode.
Die eine Seite berufe sich auf Studien, die andere auch - über diese Studien zu urteilen, traut sich der Presserat nicht zu. Die nachfolgende Aussage ist aber klar: Homöopathie als Glaubenssystem helfe den Gläubigen und entsprechend den Ungläubigen nicht.

Für ein Mal wird ausgesprochen, was Tatsache ist: Homöopathie ist ein Glaubenssystem und deren widerlegte Behauptungen entsprechend wissenschaftlich irrelevant.

19. April 2011

Religiosität in der Schweiz

Bald ist es wieder soweit: Eine Gruppe von Menschen erfreut sich an der Geschichte eines Verstorbenen, der dem biologischen Tod trotzt und aus seinem Grab steigt. Nein, die zweite Staffel von «The Walking Dead» (absolut sehenswert!) fängt noch nicht an - der Zombie, um welchen es sich handelt, ist Jesus, das bevorstehende Ereignis das christliche Fest Ostern.
Wohl nicht ganz zufällig wurde vor Ostern eine Studie zu Religiosität in der Schweiz veröffentlicht, deren Ergebnisse u.a. im SonntagsBlick vom 17. April besprochen wurden (der ganze Artikel ist hier herunterladbar):
Gleichentags wurde im Schweizer Fernsehen eine Ausgabe der Sendung «SonntagsBlick Standpunkte» zu dieser Studie ausgestrahlt:
SonntagsBlick Standpunkte vom 17.04.2011
Einer der Gäste der Sendung war Andreas Kyriacou, Präsident der Freidenker-Vereinigung im Kanton Zürich.

Zu dieser Studie und deren Diskussion in den Medien gibt es einiges zu schreiben. Zunächst aber ein längst überfälliger Verweis: Andreas Kyriacou und die Freidenker organisieren vom 8. bis 11. Dezember das Denkfest: Vier Tage Wissenschaft, kritisches Denken & intelligente Unterhaltung.
Das Denkfest ist im Geiste der angelsächsischen Skeptiker-Konferenz «The Amazing Meeting» gehalten - ein Muss für kritisch Denkende!

12. April 2011

Mamablog: «Zitronensocken statt Notfallstation»

Wieder einmal wird auf dem «Mamablog» des Tagesanzeigers Medizin besprochen. Dieses Mal war am 10. April unter dem Titel «Zitronensocken statt Notfallstation» das Thema die Überreaktion von Eltern, wenn die Kinder an einfachen Gebrechen leiden.
So weit, so gut: Bei einfachen Beschwerden können Hausmittel durchaus Abhilfe schaffen. Panik ist selten die beste Lösung; bewahren Eltern einen kühlen Kopf, ist auch dem Kind am besten gedient - so können vielleicht auch ernstere Probleme klarer wahrgenommen und die nötigen Schritte effizienter eingeleitet werden.

Wie gesagt, so weit, so gut. Aber der Mamablog wäre nicht der Mamablog, würde in einem solchen Artikel ein Verweis auf Homöopathie fehlen:

11. April 2011

SonntagsBlick: Pflanzenstammzellen gegen Falten

Am 10. April erschien im SonntagsBlick ein Artikel, gemäss welchem Kosmetikprodukte mit dem Inhaltsstoff Pflanzen-Stammzellen ausgegeprägte «anti-aging»-Eigenschaften für menschliche Haut haben:
Dieser Artikel, oder besser gesagt diese anderthalb-seitige Werbung (welche nicht als Werbung deklariert wird), macht aussergewöhnliche Behauptungen - und die Produkte mit der angeblichen Wunderwirkung sind teuer. Grund genug, der angeblichen «Anti Aging»-Wirkung von Pflanzenstammzellen nachzugehen.

7. April 2011

Tagesanzeiger-online: «Abtörnender Pornokonsum»

Am 1. April veröffentlichte Tagesanzeiger-Online einen mit «Abtörnender Pornokonsum» betitelten und durchaus nicht als Scherz gemeinten Artikel.
Zwei Dinge sind an diesem Artikel interessant:
  1. Die Hypothese, dass übermässiger Konsum von Pornografie bei Männern zu Lustlosigkeit in realer, zwischenmenschlicher Sexualität führt.
  2. Die Behauptung, dass wissenschaftliche Erkenntnisse weniger aussagekräftig sind als klinische Einzelfall-Anekdoten.
Grundsätzlich ist der Artikel lesenswert; zu kritisieren gibt es aber trotzdem einiges.