30. Mai 2011

Das Magazin: Besuch im esoterischen Wellness-Tempel

In der Ausgabe vom 28. Mai hat «Das Magazin» über den «Lanserhof» berichtet, einen Wellness-Tempel in Österreich (hier als PDF herunterladbar):
Zu anderen Themen tut sich das «Magazin» angenehm kritisch hervor, etwa zur Frage der Homöopathie, den esoterisch-pseudowissenschaftlichen Tendenzen des Schweizer Fernsehens oder allgemeinen zur Beliebtheit des Irrationalen.
Der Artikel über den Lanserhof ist in dieser Hinsicht ernüchternd: Die Grundposition ist nicht ein kritisches Hinterfragen der dubiosen Wellness-Angebote des Lanserhofs, sondern eine Art neutraler Erlebnisbericht. Der Autor des Artikels ist aber Max Küng, dessen Texte nicht selten mit einer Handvoll Ironie gewürzt sind, so auch dieser. Direkte und unmissverständliche Kritik wäre aber nötig gewesen: Im Lanserhof wird nicht wenig Pseudowissenschaft verkauft.

Der «Entgiftungs»-Mythos
Das Geschäftsmodell von New Age-Wellness-Kliniken wie dem Lanserhof ist in etwa folgendes: Mässig bis stark übergewichtige Kundinnen und Kunden fasten und sollen sich nach Abschluss der «Therapie» an unrealistische Ernährungspläne halten (gekennzeichnet durch zu geringe Kalorienmenge). Da solche Ernährung im richtigen Leben kaum einzuhalten ist, ist die nächste Fastenkur im Wellness-Tempel bereits vorprogrammiert.

Bereits hier beginnen die Bedenklichkeiten: Für die Dauer seines Aufenthaltes sollte der Autor, Max Küng, Bittersalz, ein Abführmittel, zu sich nehmen. Dazu gab es keine medizinische Notwendigkeit - den Darm zu «reinigen» ist, einfach Kern des «Detox»-Glaubens.

Der Detox-Glaube (und das -Geschäftsmodell) behauptet, dass sich im menschlichen Körper allerlei «Gifte» sammeln und diese nur durch bestimmte «Entgiftungen» zu beseitigen sind. Der Hauptindikator für solche Phantom-Gifte sollen Fäkalien sein: Kot soll sich mit der Zeit im menschlichen Darm festsetzen und den Körper vergiften.

Des Detox-Mythos nimmt sich Brian Dunning in einer Folge von Skeptoid an:


Ausführlich wird der Detox-Glaube auch auf Quackwatch behandelt, inkl. weiterer Literaturverweise:

Auch Ben Goldacre beschreibt den Detox-Myhos als wenig mehr als Marketing-Gag. Eine ausführliche Erklärung der Unterschiede zwischen tatsächlichen Schadstoffen im menschlichen Körper und den Detox-Fantastereien liefert David Gorski auf Science Based Medicine.

Fazit
Gegen «Wellness» im weitesten Sinne ist nichts einzuwenden: Ab und zu Entspannung suchen und dem Alltagsstress entfliehen, ist zweifellos sinnvoll. Wogegen aber definitiv etwas einzuwenden ist, sind esoterisch-pseudowissenschaftliche «Entgiftungsprogramme», welche Erfolg dadurch haben, dass sie ganz normale Körperfunktionen als Vergiftungen behaupten, welche unbedingt mit bestimmten (in der Regel kostspieliegien) «Therapien» behandelt werden müssen - werden Fäkalien zu lebensgefährlichen Giften umgedeutet, wird vortrefflich mit Angst geschäftet.

Dass der Lanserhof dieses Geschäft gut versteht, wird aus dem Magazin-Artikel ersichtlich. Max Küng, der Artikel-Autor, durfte nicht nur fasten und Abführmittel zu sich nehmen, sondern auch einem Vortrag zu «Energiemedizin» lauschen, eine «Detox-» und eine Fussreflexzonen-Massage über sich ergehen lassen, gefriergetrocknete Darmbakterien schlucken, und sich, als Krönung des Irrationalen, von einem Kinesiologen behandeln lassen.

Ein sinnvolles Rundum-Paket: Weil unklar ist, welche der unsichtbaren Energien am Schluss den Zauber bewirken soll, packt man so viel wie möglich davon zusammen.

2 Kommentare:

Karin hat gesagt…

Stimme dem Beitrag hier vollends zu.
Ich halte sehr viel von "Wellness" und habe selbst eine kleine "Wellness-Oase" zuhause mit Sauna, Physiothermkabine, Massagetisch (mein Gatte ist Masseur), Whirlpoolbadewanne und Co., allerdings finde ich es schrecklich, wie der Begriff heutzutage fast schon medizinisch gebraucht wird.
Für mich ist Wellness Entspannung und dazu zählen eben Dinge wie Wärmetherapien, Massagen, Bäder, beruhigende Düfte/Musik, etc., aber dass man mit Wellnessprogrammen ohne Sport (was ja auch im entferntesten Sinne "Wellness" wäre - man fühlt sich danach ja well, also gut) zig Kilo abnehmen kann, ist schlicht Unsinn.
Diese Angebote sollten als Antistress-, Entspannungs- und Unterstützungsmittel angeboten werden, nicht als eigentliche Therapien.

DerHanserl hat gesagt…

Ich kann auch nur zustimmend nicken. Wenn ich von solchem Unfug höre, werde ich immer schnell zornig. Noch schlimmer ist´s, wenn mich jemand mit allen Mitteln von solchen Schwachsinn überreden will.
Wie auch für meine Vorposterin, heißt Wellness auch für mich Entspannung, obwohl sich da meine eigene Ausrüstung auf die Infrarotkabine beschränkt.
Ich denke aber, dass solch Unfug wie hier geschildert noch lange ein Teil unserer Gesellschaft sein wird, denn Leute, die von heute auf morgen 10 Kilo "auf magischer" Weise loswerden wollen, gibt es haufenweise. Leider.
Da hilft bloß noch Aufklärung dagegen, und solche Blogs finde ich dafür sehr geeignet!

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