28. Juni 2011

DRS: «Kraftorte: Mumpitz oder natürliche Lade-Station?»

Ca. Mitte Juni (eine genaue Datumsangabe fehlt) hat DRS 3 im Rahmen der wohl als Unterhaltungsformat intendierten Sendung «Panorama» einen Beitrag zu «Kraftorten» ausgestrahlt. Die Sendung ist leider nicht im Original als Audio-Datei vorhanden, sondern als Textartikel:
Der Beitrag ist im Grossen und Ganzen eher belanglos und wenig mehr als leidlich getarnte Werbung für bestimmte Ausflugsorte (wie auch das PDF am Ende des Artikels demonstriert) und für die Bücher und Dienste einer «Kraftort»-Expertin.

Auf der Seite des Artikels ist ein Interview mit Barbara Hutzl-Ronge, der «Kraftort»-Expertin, abrufbar. Das Interview ist in allzu gewohnter Manier völlig unkritisch; Frau Hutzl-Ronge erzählt munter von ihren Fantastereien (man spürt es einfach, darum stimmt's; es ist Magie; es gibt «Erdenergielinien», usf.).

Das eigentlich Stossende an diesem Beitrag ist der falsche Umgang mit dem Begriff des Skeptikers, bzw., genauer, dem Begriff der Skepsis.

Der Artikel berichtet von einem jungen Mann, der erkunden will, ob angebliche «Kraftorte» tatsächlich die behauptete übernatürliche Wirkung haben. Darum besucht er einige «Kraftorte» und berichtet von seinen Eindrücken. Und siehe da: In der Kristallhöhle Kobelwald fühlt sich der junge Mann tatsächlich erhohlt - der Artikellead proklamiert darob, dass «die Skepsis bröckelt». Insgesamt ist der junge Mann aber noch nicht überzeugt.

Es ist bedenklich, dass öffentlich-rechtlicher Rundfunk Skepsis als «Ich will nicht daran glauben!» definiert - und kritisches Hinterfragen als nichtssagende subjektive Empfindung; der Skeptiker ist einfach der Zyniker, der sich durch ein tolles Erlebnis von seiner Spielverderber-Position hin zum Gläubigen wandeln soll.

Dass der «Kraftort»-Tester im Beitrag nicht versteht, was kritisches Denken meint, ist wohl verzeihbar. Dass aber Berufsjournalistinnen und -journalisten, die regelmässig Esoterik-freundliche Beiträge wie diese «Kraftort»-Story herstellen, Kritik und Skepsis entweder nicht verstehen oder systematisch ignorieren, ist - so mein altbekanntes und nie endendes Klagelied - in höchstem Masse problematisch.
Wenn nämlich jene Stimmen im öffentlichen Diskurs, deren einzige und explizite Aufgabe es ist, Stimmen im öffentlichen Diskurs zu sein, sich derart eklatant von den Spielregeln der Rationalität distanzieren, schreiten wir mit grossen Schritten zurück ins Mittelalter.

1 Kommentare:

Susanne hat gesagt…

"Es ist bedenklich, dass öffentlich-rechtlicher Rundfunk Skepsis als «Ich will nicht daran glauben!» definiert - und kritisches Hinterfragen als nichtssagende subjektive Empfindung; der Skeptiker ist einfach der Zyniker, der sich durch ein tolles Erlebnis von seiner Spielverderber-Position hin zum Gläubigen wandeln soll."

Na ja, so ist es aber doch auch. Skeptiker an sich ist ja nichts Schlechtes. Jeder vernünftige Mensch ist hin und wieder skeptisch. Skepsis aber zum Prinzip zu erheben ist schon das Gegenteil von Skepsis, das ist Glaube. Da darf man sich dann nicht wundern, wenn Skeptiker in der öffentlichen Meinung als Gläubige angesehen werden, die mit Zähnen und Klauen ihr Weltbild verteidigen, genauso wie die Esoteriker. Geht es um etwas anderes, als um ein Weltbild? Ich behaupte: nein. Es wird ja nicht wirklich immer hinterfragt. Teilweise vielleicht, aber nicht immer. Und was heisst: hinterfragt? Kann man eine wissenschaftliche Studie etwa "hinterfragen"? Man kann natürlich, aber ein seriöser Wissenschaftler "hinterfrägt" nicht, sondern er untersucht selbst. Wenn aber ein "Skeptiker" beispielsweise - und das ist passiert - untersucht, ob jemand Wasser aufspüren kann, indem er ihm in einem Haus in dem es Wasserleitungen und Abwasserkanäle gibt und vielleicht Grundwasser unter dem Haus - drei Schüsseln auf den Tisch stellt und dann raten lässt, wo das Wasser drinnen ist, dann ist das nicht Wissenschaft, sondern auch Pseudowissenschaft.

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