30. Juni 2011

Über Klimawandel-«Skeptiker»

Tagesanzeiger-Online veröffentlichte am 29. Juni einen Artikel zum international bekannten Klimawandel-Leugner Willie Soon (selber kein Klimawissenschaftler).
Der Artikel ist durchaus lesenswert: Es wird beschrieben, wie Soon seine Autorität nutzt, um gegen  Befunde zu Klimawandel anzutreten - relevante wissenschaftliche Argumente trägt Soon keine vor, kommt mit seiner angenehm simplistischen Botschaft (in etwa: menschenverursachten Klimawandel gibt es nicht) vor allem in der US-amerikanischen Öffentlichkeit gut an.

Die Idee, menschenverursachter Klimawandel sei nichts als ein «Hoax», eine perfide Eliten-Verschwörung, fasst aber auch in der Schweiz Fuss - darauf deutet nicht zuletzt der rege Austausch der Kommentare zum Tagesanzeiger-Artikel. Im Folgenden eine kleine Auswahl an Kommentaren, welche die Klimawandel-«skeptische» Seite verfechten (die Namen der Kommentierenden belasse ich in den Bildern, weil diese ihren Namen ja bereits öffentlich auf der Tagesanzeiger-Seite angeben):
Das ist bewusst eine Auswahl nur von Klimawandel-«Skeptikern»; nicht alle Kommentare vertreten dieselbe Meinung, und einige Personen kommentieren besonders fleissig. Bei dem Inhalt der Kommentare fällt, u.a., zweierlei auf:

  1. Skeptisch sind diese Argumente nicht wirklich.
  2. Es wird wenig über den interessierenden Sachverhalt argumentiert.

Die unskeptische Skepsis - Politk, nicht Kritik
Menschen, welche anthropogenen Klimawandel leugnen, behaupten sich gerne als Skeptiker, gehen aber alles andere als skeptisch vor.

Skeptizismus meint das Anwenden kritischen Denkens: Eine Hypothese gilt vorläufig als gestützt, wenn die für diese Hypothese relevanten Befunde dies nahelegen. D.h. im Falle des Klimawandels, dass es gilt, die relevanten wissenschaftlichen Befunde auf ihre Gültigkeit zu prüfen - Klimawandel-«Skeptiker» machen dies nicht, sondern lehnen die Hypothese aufgrund einer Reihe von Fehlschlüssen (einige davon im obigen Bild einsehbar) ab.

Für diese irrationale Ablehnung des wissenschaftlichen Konsenses zu Klimawandel dürften mehrere Ursachen vorhanden sein. Einige davon sind etwa:
  • Systematische und konzertierte «FUD»-Kampagnen bestimmter Interessengruppen (vgl. auch das Buch «Merchants of Doubt»).
  • Komplexität des Themas: Vereinfachende «Skeptiker»-Argumente sind zugänglicher als wissenscahftliche Detailargumente.
  • Irrationalität auf der Gegenseite: Viele Menschen glauben an Klimawandel, gehen die Thematik also ebenso irrational an wie die Klimawandel-«Skeptiker».
  • Eine Verwechslung zwischen Aussagen, welche das Objektive thematisieren (Wissenschaft) und Aussagen, welche das Normative thematisieren (Politik).
Der letzte Punkt scheint mir zentral und wird auf beiden Seiten der Klimawandel-Debatte gleichermassen falsch angegangen. Die Frage, ob menschenverursachter Klimawandel beobachtbar ist oder nicht hat nichts mit der Frage zu tun, ob ein menschenverursachter Klimawandel politisch reguliert werden soll.

Auch viele Klimawissenschaftlerinnen und -wissenschaftler machen den grundlegenden Fehler, die Ergebnisse ihrer an sich unproblematischen Forschungsarbeit politisch aufzuladen: Weil Klimawandel stattfinde, müssten bestimmte politische Handlungen vorgenommen werden. Das stimmt nicht: Ob, und wenn ja, welche politische Regulierung angesichts des Klimawandels anzuwenden ist, ist im Rahmen demokratischer Normensetzung zu entscheiden.

Wissenschaftliche Befunde determinieren nie politische Entscheidungen. Würde dieser Unterschied im öffentlichen Diskurs klarer dargestellt, würde Berufs-Klimaleugnern wie Willie Soon der Wind aus den pseudowissenschaftlichen Segeln genommen.


Gibt es Klimawandel?
Die relevanten wissenschaftlichen Befunde lassen den Schluss zu, dass menschenverursachter Klimawandel stattfindet - dieser Stand der Forschung lässt sich nicht leugnen. Das bedeutet allerdings nicht, dass es unnötig ist, auf die Argumente der «Skeptiker»-Seite einzugehen. Darum möchte ich an dieser Stelle auf einige Quellen verweisen, welche die gängigen Argumente Klimawandel-«Skeptiker» behandeln. Zunächst ein paar Internetadressen:
Einer der bekanntesten Klimawandel-«Skeptiker» ist «Lord» Christopher Monckton: Seine Vorträge fassen praktisch alle (vermeintlich) wissenschaftlichen Gründe zusammen, warum Klimawandel nichts als Fiktion sein soll. Eine ausführliche Videoreihe auf Youtube demonstriert, dass diese Argumente bestenfalls bloss falsch sind, schlimmstenfalls eindeutige Täuschungs- und Betrugsversuche darstellen:

Fazit
Wissenschaftliche Befunde zu Klimaveränderung deuten überwältigend in eine Richtung: Menschenverursachter Klimawandel ist ein Faktum.

Sogenannte Klimawandel-«Skeptiker» kritisieren nicht die Güte der Forschungsergebnisse, sondern leugnen Klimawandel aus irrationalen Gründen - und missbrauchen somit den Begriff «Skeptiker».

Der Umstand, dass die Hypothese des menschenverursachten Klimawandels eindeutig gestützt wird, bedeutet nicht, dass automatisch bestimmte politische Handlungen vorgenommen werden müssen, um diesem Klimawandel entgegenzuwirken - würde diese Trennung zwischen Sein und Sollen klarer kommuniziert, wäre die Problematik der Klimawandel-Leugner wohl in nicht geringem Masse entschärft.

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