28. August 2011

Mit Hypnose die Brüste vergrössern, oder: Warum Überfall-Journalismus heikel ist, und Experten auch kritisiert gehören

Am 28. Juni hat der Kassensturz einen kritischen Beitrag zu einem «Hypnotiseur» ausgestrahlt, welcher mit seiner Therapie eine Reihe von aussergewöhnlichen Effekten verspricht - u.a. Brustvergrösserung bei Frauen:
Kassensturz vom 28.06.2011
Einerseits ist durchaus lobenswert, dass der Kassensturz kritischen Verbraucherschutz betreibt. Andererseits hinterlässt dieser Kassensturz-Beitrag aufgrund fragwürdigen Vorgehens einen äusserst fahlen Nachgeschmack.

19. August 2011

Gratiszeitungen: Der alltägliche Wahnsinn

Da hier nicht täglich Blogeinträge erscheinen, könnte man meinen, es gebe in der Schweiz halt nicht so viel Irrationales, und wenn doch, nehme sich der kritische öffentliche Diskurs dieser Dinge an. Doch der Eindruck täuscht: Praktisch täglich liefern beispielsweise Gratiszeitungen Artikel, welche durch unkritische Berichterstattung Pseudowissenschaft und Esoterik fördern, dadurch bisweilen auch blanke Werbung für Scharlatane sind.

Zunächst ein paar Artikel aus dem Gratisblatt «Blick am Abend» vom 16. August.
Spannend ein ganzseitiger Bericht über ein «Rätselwesen», von welchem nach wie vor nicht bekannt sei, ob es sich dabei um einen einfachen Affen oder - was sonst - ein Alien handelt:
Es muss festgehalten werden, dass «beide Seiten» dargestellt werden: Entweder ist das mysteriöse Wesen ein präperierter Affe, oder ein Alien. Also der klassische «argument from ignorance»-Fehlschluss: Wenn nicht bekannt ist, wie ein Phänomen erklärt werden kann, darf man irgendetwas behaupten. Wenn also nicht bekannt ist, was die Metepec-Kreatur genau ist, ist sie halt ein Alien (oder ein junges Einhorn; ich mag Einhörner).

Das Ganze ist übrigens, wie so vieles in der Welt der «Ufologie», nichts als ein Hoax.

Doch damit nicht genug der Aliens: Der vielleicht bekannteste «Ufologe» der Welt, Erich von Däniken, hat in Blick am Abend seine eigene Kolumne:

12. August 2011

Wahlen 2011, Teil 2: Die Wahlliste «Konfessionslose.ch»

Am 23. Oktober finden in der Schweiz Wahlen statt; es gilt, National- und Ständerat neu zu besetzen. Ursprünglich hatte ich vor, in einer Serie («Wahlen 2011, Teil X») einen Blick auf die grössten kandidierenden Partei zu werfen und nach Möglichkeit eine Antwort auf folgende Frage zu finden:

Welche Partei in der Schweiz setzt sich am ehesten für eine rational-aufgeklärte, kritischem Denken zuträgliche Politik ein?

Über die kommenden Wahlen werde ich auch weiterhin berichten, doch aus anderer Perspektive. Der Grund: Die zürcher Nationalrats-Wahlliste Konfessionslose.ch - auf welcher auch ich mitkandidiere.
Das Kernanliegen von Konfessionslose.ch ist die Trennung von Staat und Kirche. Unsere konkreteren politischen Anliegen sind folgende:
Eine kurze Erklärung, warum ich bei der Liste Konfessionslose.ch mitmache, ist angebracht.

Der Schritt vom beobachtenden (sprich: besserwisserischen) Blogger zum aktiv am Politikgeschehen Teilnehmenden nehme ich nicht auf die leichte Schulter - genau so wenig wie die anderen 33 Kandidatinnen und Kandidaten für Konfessionslose.ch.

Oben stelle ich die Frage, welche Partei sich am ehesten für rational-aufgeklärte, kritischem Denken zuträgliche Politik einsetzt. Konfessionslose.ch ist eine Liste, welche sich für rational-aufgeklärte Politik nicht einfach nebenbei ein bisschen einsetzt - Konfessionslose.ch entspringt vollkommen der und setzt sich unbedingt ein für die grösste Errungenschaft des Menschengeschlechtes: Die Erkenntnis, dass die uns über Jahrtausende plagenden Ketten der Unfreiheit und Unterdrückung erst dann endgültig abgelegt werden können, wenn wir akzeptieren, dass der eigene Glaube niemandem aufgezwungen werden darf.

Wer diese Position teilt, wer bereit ist, dafür zu kämpfen, deren und dessen Stimme ist am 23. Oktober 2011 willkommen.

Weiter möchte ich in diesem Blogeintrag zwei Punkte thematisieren:
  • Kurze Inhaltsanalyse der Konfessionslose.ch-Texte (analog zu dem ersten Blogeintrag zu den Wahlen 2011)
  • Erstes Medienecho zu Konfessionslose.ch

8. August 2011

Steuergelder für Yogis (Pseudowissenschaftler, nicht Bären)

Tagesanzeiger-Online berichtete am 26. Juli, Hugo Stamm am 27. Juli von einer wahrlich interessanten Geschichte: Der Bund will «Alternativmedizin» reglementieren. «Reglementieren» meint in diesem Kontext aber nicht, wie vielleicht erwartbar wäre, dass jene «Alternativmedizin» zugelassen wird, für welche eine Wirksamkeit nachweisbar ist. Nein, es soll einfach der «Alternativmedizin» ein Anstrich des Seriösen verpasst werden, indem die Ausbildungen der jeweiligen «alternativmedizinischen» Lehre staatlich reglementiert und folglich auch staatlich anerkannt werden.

Ein privater Verband, «Organisation der Arbeitswelt Alternativmedizin Schweiz» («OdA AM»), erarbeitet in Kooperation mit dem Bundesamt für Berufsbildung und Technologie die Berufsreglementierung für «Alternativmedizin». Die eigene Funktion beschreibt «OdA AM» wie folgt:
Ein eidgenössisch anerkannter Berufsabschluss für nichtärztliche Alternativmedizin – dies ist das Hauptziel der Organisation der Arbeitswelt Alternativmedizin Schweiz OdA AM. Die Berufsreglementierung bildet eine wichtige Investition ins schweizerische Gesundheitssytem. Europaweit hat ein anerkannter Abschluss Pilotcharakter und bewirkt eine Verankerung der Alternativmedizin in der Gesellschaft!
Immerhin wird kein Blatt vor den Mund genommen: Primäres Ziel ist, «Alternativmedizin» zu propagieren; nicht, diese auf ihre Wirksamkeit zu prüfen. Was bewegt Tagesanzeiger-Online aber zu dieser Charikatur?:
«OdA AM» plant die Berufsreglementierung folgender vier Fachrichtungen (Quelle):
  • Ayurvedamedizin
  • Homöopathie
  • Traditionelle europäische Naturheilkunde
  • Traditionelle Chinesische [sic] Medizin
Warum «OdA AM» «europäische» klein schreibt, «chinesische» dagegen gross, ist unklar.

Der Tagesanzeiger-Artikel stösst sich an der «Ayurvedamedizin» im Allgemeinen, am Ayurveda-Hintergrund eines der «OdA AM»-Mitglieder im Besonderen. Folgende Verbände sind Mitglieder der «OdA AM» (Quelle):
Der Verband «SVMAV» ist ein Verband für «Maharishi Ayurveda». «Maharishi Ayurveda» geht zurück auf den 2008 verstorbenen «Maharishi Mahesh Yogi», Begründer der «Transzendentalen Meditation»®.
Was ist dran an «Maharishi Ayurveda» und an «Transzendentaler Meditation»® (Letzteres ist, soweit ich das einzuschätzen vermag, eine Komponente des Ersteren)?