12. September 2011

Das Denkfest kam, sah und siegte

Gestern ging das Denkfest zu Ende - und Zürich dürfte ab jetzt auf der Weltkarte des kritischen Denkens einen festen Platz haben. Zunächst gebührt an dieser Stelle all jenen Dank, die mit ihrem Einsatz das Denkfest überhaupt ermöglicht haben.

Der alte Spruch «Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt» hat sich für mich persönlich bewahrheitet: Ich war leider den Grossteil des Denkfestes abwesend, einerseits körperlich, aber auch mit den Gedanken war ich anderswo.
Ist aber nicht so schlimm, denn bei regem Publikumsandrang bleibt auch die Berichterstattung nicht aus; die ersten Berichte zum Denkfest waren denn auch bereits online, während das Denkfest noch in Gange war.

Auf der Seite der Freidenkervereinigung Schweiz wird konstatiert:
Es war der erste Anlass dieser Art im deutschsprachigen Raum. Er hat eine Brücke geschlagen zwischen der akademischen Welt und der interessierten und kritischen Öffentlichkeit und hat einen Begegnungsort für das virtuelle Netzwerk der Skeptiker geboten. Der Ruf nach einer Fortsetzung war deutlich hörbar.
Die Freidenker verlinken zudem auf ein Video der abschliessenden Podiumsdiskussion vom Sonntag, welches ich aufnehmen konnte:
Wie in solchen Situationen nicht anders zu erwarten, wollte die Kamera nicht richtig mitspielen und hat die Videodatei des letzten Teiles des Gespräches sowie der Fragerunde korrumpiert. Die ersten ca. 50 Minuten sind aber auch spannend.

Am Donnerstag-Abend durfte ich mit einigen bekannten Blogerinnen und Bloggern vor (für mein Empfinden) recht vollen Rängen über das skeptische Bloggen und die Welt unterhalten. Darüber berichtete Inge Hüsgen bei GWUP.
Die Kommentare beim GWUP-Artikel sind teilweise kritisch und bemerken, das Ganze habe ein bisschen etwas von einer Selbstbeweihräucherung gehabt. Ich muss fairerweise zugeben, dass diese Kritik wohl nicht ganz unzutreffend ist: Ein roter faden fehlte vielleicht ein wenig, und teilweise haben wir aneinander vorbeigeredet - schon allein zum Thema, ob Politik «evidenzbasiert» sein soll, liesse sich eine lange Diskussion führen (Ali Arbia - der sich während des Denkfestestes fragte, ob Spieltheorie zu Hellseherei verkommt - vertrat die Position, dass Politik ein bisschen mehr evidenzbasiertes Vorgehen durchaus vertragen könnte; ich sehe das ein ein wenig anders - dazu sicher mehr in einem späteren Blogeintrag.).
Aber hey, Blogger schreiben ja mehr als sie live sprechen; da muss man sich an Letzteres schon auch erst Mal gewöhnen. Dass das Ganze aber, zumindest für mich, ein wirklich tolles Erlebnis war, ist natürlich vollkommen klar.

Über die Blogger-Diskussion berichtet auch Florian Freistetter von «Astrodictum Simplex»: «Seemonster, Open Access und Verschwörungstheorien: eine Podiumsdiskussion über skeptisches Bloggen».

Auch ansonsten war Florian reichlich fleissig. Bereits kurz nach seiner Ankunft in Zürich lieferte er erste Eindrücke aus der Limmatstadt. Ausführlich schreibt er über Barblo Walkers Denkfest-Vortrag «Brain Gym unter der Lupe»: Eine pseudowissenschaftliche Lehre zur «Behebung» von Lernschwächen bei Kindern. Warum so etwas problematisch ist, obwohl vielleicht niemand direkt Schaden erleidet, erklärt Florian mit einem Zitat Ursula Cabertas:
Ein demokratisch denkender Staat kann es sich nur begrenzt leisten, dass ihm die denkenden Menschen abhanden kommen.
Auch berichtet Florian über Lawrence Krauss' Vortrag «Das Universum - nicht für uns gemacht», den er als besten des ganzen Denkfestes erachtet.
Daneben fand Florian noch  Zeit, über eine Methode der Suche nach extrasolaren Planeten zu berichten, und über seine Liebe zur Zahl Pi.
Köstlich sein Abschiedsbericht aus Zürich, in welchem er noch einige Kuriositäten aus der Zwingli-Stadt festhält - z.B., dass im Volkshaus, wo das Denkfest stattfand, auch der Verein «LichtAll» tagte.

Hayley Stevens, eine der Blogger-Panel-Bloggerinen, berichtet über ihre Erlebnisse am Denkfest. Als persönliches Fazit hält sie folgendes fest:
The important lesson I took from Denkfest is this – we are human and it is okay to make mistakes. Eugenie Scott told us ‘being wrong does not mean you are unscientific’, telling people they’re delusional might make them hostile and (with my fellow panelists) we agreed that it’s important to make correct information available even if not everyone agrees with it. I realised from numerous talks that there are things that even the most intelligent people do not know – and that’s okay. Progress is always being made in the way we (the human race) learn about the world and universe around us.
Auch Martin Steiger sieht das Denkfest in seinem Rückblick als geglückt, und hofft, dass eine weitere Ausgabe des Denkfestes nicht ausbleibt.

Das Denkfest-Programm bot auch unterhaltendes Abendprogramm. So schaffte ich es immerhin, den absolut sehenswerten Film «Die Mondverschwörung» anzuschauen:


Abschliessend bleibt nur zu sagen: Bis zum nächsten Mal!


UPDATE 14.9.2011:
Ein Besucher des Blogger-Panels hat ein Video davon online gestellt:

1 Kommentare:

Martin Steiger hat gesagt…

«Die Mondverschwörung» ist sehenswert, auch wenn der Titel etwas in die Irre führt. Umso bedauerlicher finde ich, dass der Film nur sehr schwierig zu sehen ist – er wird nur vereinzelt in Kinos und an Veranstaltungen gezeigt, und online ist er überhaupt nicht erhältlich. Schade!

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