28. November 2011

Pseudowissenschaft bei Bio-Bauern?

Tagesanzeiger-online berichtete gestern über den Bauer Urs Hans, der sich weigert, seine Kühe gegen die Blauzungen-Krankheit zu impfen:
Warum will Urs Hans seine Tiere nicht gegen die Blauzungen-Krankheit impfen? Wie ein Blick auf seine Homepage offenbart, ist Hans überzeugter Impfgegner. Auf seiner Seite hans-oeco.ch findet sich folgende Bemerkung:
Es wird auf die Seite «bauernverstand.ch» verwiesen, mit der Bemerkung, die Wissenschaft und die Agroindustrie verfolgten ihre eigenen Interessen. Aus dieser Aussage ist noch nicht herauslesbar, worin genau das Problem besteht, aber die Rhetorik ist nicht unbekannt: Wissenschaft und ein bestimmter Industriezweig verschwören sich gegen die kleinen Leute.

«Bauernverstand.ch» beschreibt den eigenen Zweck wie folgt:
Aus dieser Beschreibung wird zwar nach wie vor nicht ganz klar, worum es geht; die Schlagworte «gesunder Menschenverstand» und «ganzheitliche Lösung» gehören aber immerhin zum Standardvokabular der «Alternativmedizin». Ein paar weitere Klicks auf der Webseite zeigen schnell, dass der Verein «Bauernverstand» vor allem die Wirksamkeit der Impfung gegen die Blauzungen-Krankheit leugnet.

So weit, so unspektakulär: Ein Landwirt stützt sich auf seinen Glauben (u.a. einer Verschwörungstheorie von Wissenschaft und Pharmaindustrie gegen die Landwirte) sowie seine anekdotische Erfahrung mit Impfungen an Tieren und ist darum Impfgegner. Ein Bericht des Bundesamts für Veterinärwesen kommt denn auch zum Schluss, die Blauzungen-Impfung 2010 habe in einigen wenigen Fällen wohl tatsächlich zu unerwünschten Nebenwirkungen geführt (S.7):
Mehrere reale Fälle von Nebenwirkungen der Impfung gepaart mit im Internet reichlich vorhandenen Verschwörungstheorien zum grossen «Impfschwindel» können dazu führen, dass auch einzelne Landwirte wie eben Urs Hans zu Impfleugnern werden.

Interessanter ein anderer Punkt: Urs Hans ist von «Bio Suisse» zertifiziert:
Wie sieht es Bio Suisse mit Impfungen?

22. November 2011

Gehört organisierte Religion an Hochschulen?

Zwei heute gemachte Aufnahmen aus dem ETH-Hauptgebäude:
Ist es in Ordnung, dass religiöse Organisationen an öffentlichen Hochschulen werben, also missionieren? Aber selbstverständlich! Mehr noch: Eine international bekannte Einrichtung wie die ETH muss natürlich noch ein paar Glaubensgemeinschaften mehr einbinden, um weitere Geschmäcker abzudecken.

Wie wäre es mit einer «Hochschulgruppe Scientology»? Angebracht wäre doch auch - um des Pluralismus und religiösen Friedens willen - auch eine «Satanistische Hochschulgruppe Zürich»? Und vielleicht, aber nur vielleicht sogar eine - Gott bewahre! - «Muslimische Hochschulgruppe».

Wie alle anderen Menschen dürfen Studierende und Hochschul-Mitarbeitende glauben, woran ihnen beliebt. Organisierte Religion aber hat an Hochschulen nichts zu suchen: Hochschulen müssen Orte des organisierten Skeptizismus sein - Orte, an welchen keine Dogmen herrschen, sondern sich Argumente in einem steten kooperativen Wettbewerb um die vorläufig bessere Erklärung der Welt bemühen.

16. November 2011

Tagesanzeiger: Mit Telepathie in die Katzenseele

Tagesanzeiger-online zelebriert den 1. April viereinhalb Monate im Voraus und hat heute einen Artikel über extrasensorisch begabte Menschen, welche per Telepathie mit Katzen plaudern, veröffentlicht:
Der Autor des Tagesanzeiger-Artikels hat sich an eine Telefon-Telepathin gewendet, welche ihm für 84 Franken erzählt hat, was seinen beiden Katzen so durch den Kopf geht.

Der Artikel ist womöglich sarkastisch gemeint, wurde aber im Ressort «Wissen» veröffentlicht. Die letzten Sätze lassen ebenfalls Ungutes vermuten:
Gleichwohl bleibt da eine Verblüffung zurück. Woher weiss sie, dass Mautzer ein seidiges und glänzendes Fell hat? Dass Strifeli oft viel trinkt? Nun, es gibt wohl einfach Dinge zwischen Himmel und Erde, die wird der profane Mensch nie begreifen – und vielleicht ist das ja gar nicht allzu schlecht.
Zunächst fällt das leicht paraphrasierte Hamlet-Zitat auf - eine leere Phrase, wenn ein richtiges Argument fehlt. Doch zuvor beschreibt der Autor seine Verblüffung: Die Katzen-Telepathin habe gewusst, dass die eine Katze seidiges und glänzendes Fell hat, die andere viel trinkt. Angenommen, die Katzen-Telepathin habe tatsächlich zwei zutreffende Eigenschaften genannt: Ist damit der Beweis für telefonisch übertragbare Telepathie von Mensch zu Katze erbracht?

13. November 2011

«Homöopathische Grippeimpfung», oder: Wenn sich Pseudowissenschaft mit Pseudowissenschaft streitet, verliert die Vernunft

In einem kritischen Artikel berichtete Tagesanzeiger-online am 13. November über die «homöopathische Grippeimpfung»: Es gibt Homöopathie-Hersteller, die behaupten, die Einnahme bestimmter homöopathischer Kügelchen habe dieselbe Wirkung wie eine Grippeimpfung.
Anlass für den Tagesanzeiger-Artikel ist ein Kommentar von swissmedic, dem schweizerischen Heilmittelinstitut. Im «swissmedic Journal» von September wurde folgender Artikel veröffentlicht:
Im Grunde ist solche Kritik willkommen, und es es scheint löblich, dass einige Exponenten der Homöopathie sich im Tagesanzeiger-Artikel ebenfalls kritisch gegenüber vermeintlichen homöopathischen Grippeimpfungen zeigen. Leider endet die Geschichte damit nicht.

9. November 2011

SF: Ein netter Abend mit glücklichen Menschen

Die am 1. November ausgestrahlte Ausgabe des Club auf SF1 behandelte ein in seiner Belanglosigkeit kaum zu übertreffendes Thema: «Glück» bzw. glücklich sein. Belanglos ist das Thema nicht unbedingt, weil es irrelevant ist - sich glücklich oder unglücklich fühlen, ist eine den meisten Menschen bekannte Emotion -, sondern eher, weil Diskussionen um das Thema «Glück» in der Regel in schwammig-diffusen Wohlfühl-Orgien ausarten.

Club vom 01.11.2011

Wenn das Ganze so belanglos sein soll, warum ein Blogeintrag? Einige der Gäste sind Verfechter anti-rationaler Weltanschauungen, und «weiche» Talkshows wie die hier interessierende Club-Ausgabe sind ideale Bühnen für diese Menschen, ihr irrationales Tun als legitimen, normalen, alltagstauglichen Standpunkt zu propagieren.

3. November 2011

Das Promi-Zitat

Quelle (Minute 39).