22. November 2011

Gehört organisierte Religion an Hochschulen?

Zwei heute gemachte Aufnahmen aus dem ETH-Hauptgebäude:
Ist es in Ordnung, dass religiöse Organisationen an öffentlichen Hochschulen werben, also missionieren? Aber selbstverständlich! Mehr noch: Eine international bekannte Einrichtung wie die ETH muss natürlich noch ein paar Glaubensgemeinschaften mehr einbinden, um weitere Geschmäcker abzudecken.

Wie wäre es mit einer «Hochschulgruppe Scientology»? Angebracht wäre doch auch - um des Pluralismus und religiösen Friedens willen - auch eine «Satanistische Hochschulgruppe Zürich»? Und vielleicht, aber nur vielleicht sogar eine - Gott bewahre! - «Muslimische Hochschulgruppe».

Wie alle anderen Menschen dürfen Studierende und Hochschul-Mitarbeitende glauben, woran ihnen beliebt. Organisierte Religion aber hat an Hochschulen nichts zu suchen: Hochschulen müssen Orte des organisierten Skeptizismus sein - Orte, an welchen keine Dogmen herrschen, sondern sich Argumente in einem steten kooperativen Wettbewerb um die vorläufig bessere Erklärung der Welt bemühen.

9 Kommentare:

Jonas hat gesagt…

Ein Hoch auf die Theologische Fakultät!

Immer noch Anonym hat gesagt…

Marko, auch wenn absolut nachvollziehbar ist, dass du deine Weltanschauung als die einzig Wahre betrachtest (und auch entsprechend in diesem Blog propagierst), finde ich es doch etwas befremdlich mit welchem Eifer du teilweise gegen andere Weltanschauungen vorgehst.

Deine Argumente gehen stets von der Prämisse aus, dass du eine objektive Methode gefunden hast um andere Weltanschauungen auf ihre Richtigkeit zu überprüfen.

Was du aber machst, ist sie lediglich nach den subjektiven Kriterien deiner eigenen Weltanschauung zu beurteilen.

Ich sehe nicht ein, warum alle Weltanschauungen bis auf eine aus den Hochschulen verbannt werden sollten.

Marko Kovic hat gesagt…

Ich sehe nicht ein, warum alle Weltanschauungen bis auf eine aus den Hochschulen verbannt werden sollten.

Ganz einfach: Die einzige "Weltanschauung", welche an Hochschulen gehört, ist jene, dass Wissen nie absolut und immer nur vorläufig ist - und, dass nur das als vorläufig "wahr" angesehen wird, wofür gute Begründungen und Beweise vorliegen. Sobald bessere Gegen-Begründungen vorliegen, wird das bestehende Wissen ergänzt, revidiert, o.ä.

Religionen widersprechen dem diametral: Sie behaupten absolute Wahrheit bei ebenso absoluter Beweislosigkeit - wenn wir solche Weltanschauungen an Hochschulen akzeptieren, kann man diese damit gleichzeitig auch abschaffen; es hat ja automatisch jeder mit allem Recht. Vielleicht wohnen wir in ein paar Jahrzehnten wieder in Höhlen und zittern, wenn die Götter Blitze vom Himmel schiessen, aber damit ist dann immerhin jede Weltanschauung gleichberechtigt.

@Jonas: Ich finde deinen Sarkasmus nicht lustig. Theologie stimmt, weil das, was dort gelehrt wird, von Gott kommt, weil das in einem Buch steht. Ein paar Steuerfranken sollte das einem schon wert sein.

Immer diese Anonymen... hat gesagt…

Danke, wie du das ganze begründest weiss ich schon :-)

[i]Die einzige "Weltanschauung", welche an Hochschulen gehört, ist jene, dass Wissen nie absolut und immer nur vorläufig ist[/i]

Die Behauptung, dass Wissen NIE absolut ist, stellt aber genau diesen Absolutheitsanspruch. Konsequenterweise müsste man da auch die Möglichkeit einräumen, dass Wissen durchaus absolut sein könnte ;)

Mir ist schon klar, dass die Relativierung der Wirklichkeit eine einfache Möglichkeit ist, die Welt zu erklären, weil sie die wirklich schwierigen Fragen einfach ausgrenzt.

[i]Religionen widersprechen dem diametral: Sie behaupten absolute Wahrheit bei ebenso absoluter Beweislosigkeit - wenn wir solche Weltanschauungen an Hochschulen akzeptieren, kann man diese damit gleichzeitig auch abschaffen; es hat ja automatisch jeder mit allem Recht.[/i]

Es hat natürlich nicht jeder recht. Aber es kann in der Tat jeder behaupten recht zu haben, ohne dass man es mit einem einfachen 0/1 System überprüfen kann. Und da wir die Welt dann halt richtig kompliziert :-)

Nun sehe ich es halt nicht so, dass die Qualität einer Weltanschauung anhand ihrer Beweisbarkeit (Eigentlich ist ja das Wort Beweis sowieso falsch. In der Wissenschaft gibt es höchstens Wahrscheinlichkeiten) gemessen werden sollte.

Ausserdem halt ich deinen Ansatz, dass Wissenschaft nur betrieben werden kann, wenn man sich in jedem Fall zu 100% an den Grundsatz hält, das Wissen immer nur vorläufig sein kann schlichtweg für falsch und nicht umsetzbar.

Darum ist meiner Meinung nach auch das Ausgrenzen von z.B. Religiösen Weltanschauungen aus dem Wissenschaftlichen Diskurs nicht legitim.

Marko Kovic hat gesagt…

Die Behauptung, dass Wissen NIE absolut ist, stellt aber genau diesen Absolutheitsanspruch. Konsequenterweise müsste man da auch die Möglichkeit einräumen, dass Wissen durchaus absolut sein könnte ;)

Um das geht es ja nicht: Niemand bestreitet, dass es möglich sein kann, dass bestimmte Fragen möglicherweise abschliessend beantwortbar sind.

Das Problem mit Religion in Betreff der Absolutheit ist aber ein etwas anderes:
1 - Religion behauptet eine endgültige Antwort, ohne dafür Beweise vorzutragen.
2 - Religion lässt nicht zu, dass diese angebliche endgültige Antwort kritisch hinterfragt wird, lässt also allfällige Gegenbeweise überhaupt nicht zu (da die Schlussfolgerung ja im Voraus getroffen wird).

Rationale Welterkundung liefert evtl. auch "endgültige" Antworten auf bestimmte Fragen, aber diese gründen in intersubjektiv nachvollziehbarer (empirischer und theoretischer) Argumentation und sind als solche prinzipiell immer durch neue Argumentation hinterfragbar.

gwendolan hat gesagt…

Mich ärgert nicht mal, dass die an der Hochschule werben dürfen. Mich ärgert es, wenn sie Sonderkonditionen kriegen mit diesen Spezialkästen.

Anno Nym hat gesagt…

@Marko:
Du kreidest den Religionen also an, dass sie ihren Absolutheitsanspruch nicht mittels eines Systems verifizieren, das einen solchen prinzipiell ausschliesst.

Dieses System hebst du gleichzeitig auf eine unantastbare Metaebene, weil es sich ansonsten mit eben dieser prinzipiellen Relativität in einem unauflösbaren Widerspruch verstricken würde.

Deinen Anspruch, dass alle nach den Regeln deiner Weltanschauung denken sollen, halte ich persönlich für ziemlich vermessen.

raskalnikow hat gesagt…

In den Hochschulgruppen sehe ich kein Problem, ich vermute es ist dir tatsächlich freigestellt eine satanistische Hochschulgruppe zu gründen. Diese Gruppen sind doch einfach Studentenverbindungen mit gewisser Weltanschauung - es steht jedem frei beizutreten oder nicht und Einfluss auf den Universitätsbetrieb haben diese Gruppen auch keinen.
Ein grosses Problem habe ich aber mit den theologischen Fakultäten (auch wenn sich historisch die Unis gerade aus diesen Instituten entwickelt haben). Theologie genügt nun mal einfach nicht wissenschaftlichen Ansprüchen (insbesondere: Ergebnisoffenheit), doch soll an Unis doch gerade Wissenschaft betrieben werden... Auch deren Finanzierung durch öffentliche Gelder ist höchst fragwürdig: Menschen mit anderer Weltanschauung werden gezwungen ideologisches Gebräu und Rhetoriker der Gegenseite zu finanzieren.

nirwanixla hat gesagt…

Ich kann mich nicht des Eindrucks erwehren, dass teilweise ein ganz verzerrtes Bild vorherrscht, was an theologischen Fakultäten eigentlich so abläuft bzw. gemacht wird. Lest ihr eigentlich ab und zu Veröffentlichungen von Professoren theologischer Fakultäten?

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