9. November 2011

SF: Ein netter Abend mit glücklichen Menschen

Die am 1. November ausgestrahlte Ausgabe des Club auf SF1 behandelte ein in seiner Belanglosigkeit kaum zu übertreffendes Thema: «Glück» bzw. glücklich sein. Belanglos ist das Thema nicht unbedingt, weil es irrelevant ist - sich glücklich oder unglücklich fühlen, ist eine den meisten Menschen bekannte Emotion -, sondern eher, weil Diskussionen um das Thema «Glück» in der Regel in schwammig-diffusen Wohlfühl-Orgien ausarten.

Club vom 01.11.2011

Wenn das Ganze so belanglos sein soll, warum ein Blogeintrag? Einige der Gäste sind Verfechter anti-rationaler Weltanschauungen, und «weiche» Talkshows wie die hier interessierende Club-Ausgabe sind ideale Bühnen für diese Menschen, ihr irrationales Tun als legitimen, normalen, alltagstauglichen Standpunkt zu propagieren.

Die Gäste
Mein Interesse an der Sendung haben zwei Gäste mit einem vermeintlichen Draht ins Übersinnliche, Paranormale, Extrasensorische - oder, einfacher ausgedrückt, ins Irrational-Pseudowissenschaftliche - geweckt.
Monica «Madame Etoile» Kissling, die wohl berühmteste Astrologin Helvetistans, und Christian Meyer, Abt des Klosters Engelberg. Worin besteht die Expertise dieser zwei Menschen? Sie behaupten Dinge, die sie nicht beweisen.
Astrologie ist ein Paradebeispiel für Pseudowissenschaft; die Behauptungen dieser pseudowissenschaftlichen Lehre sind einfach nur falsch. Warum wird dieser Scharlatanin eine Bühne geboten - in öffentlich-rechtlichem Rundfunk wohlgemerkt? Es ist alarmierend, dass kritischer Journalismus beim Schweizer Fernsehen in einem derartigen Mass fehlt, dass solche Personen unangefochten ihren Nonsense verbreiten können.
Dass ein christlicher Geistlicher ebenfalls als Experte herhalten soll, ist nicht minder fragwürdig: Nur weil grosse Gruppen von Menschen für eine lange Zeit an einen bestimmten (nach wie vor unbewiesenen) Gott glaubten und glauben, ist damit keine Autorität gegeben. Fairerweise ist aber festzuhalten, dass der kostümierte Katholik Abt Christian mehr beschrieb, wie im Rahmen seiner Glaubensgemeinschaft das Gut Glück betrachtet wird, und weniger zu behaupten versuchte, dass sein Glaube der Wahrheit entspreche.

Weiter waren zwei Vertreter der Wissenschaft zugegen: Alois Stutzer und Jürg Kesselring, Ökonom respektive Neurowissenschaftler.
 

Pepo Puch und Christian Wenk stellten die Gruppe der Querschnittgelähmten (kein Witz): Zwei rollstuhlgängige Männer, die trotz allem wieder zu Glück gefunden haben.

Und als Krönung: DJ BoBo.
Etwas eigenartig ist, dass DJ BoBo während der ganzen Sendung nicht mit seinem bürgerlichen Namen angesprochen wurde, sondern eben als DJ BoBo. Für meine Wenigkeit ist es etwas gar viel verlangt, eine Diskussion ernst zu nehmen, in welcher Sätze fallen wie «Und was meinen Sie, DJ BoBo?».
Warum wird DJ BoBo in eine Sendung eingeladen, obwohl er einen wesentlichen Bezug zum in dieser Sendung behandeltem Thema vermissen lässt? Im Zweifelsfall DJ BoBo, darum.

Geld ist gar nicht so wichtig?
Wenn sich eine Gruppe weisser, wohlhabender Menschen darüber unterhält, was Glück eigentlich ist, ist die Meinung nicht weit, Geld sei gar nicht so wichtig. Diesen Standpunkt hat Christian Wenk besonders vehement vertreten (ca. ab Minute 29). Die Spielverderber waren hier die zwei Wissenschaftler: Stutzer bemerkte, aus vergleichender Forschung zeige sich, dass das Niveau an Zufriedenheit in wohlhabenderen Gesellschaften im Allgeimeinen höher sei als in armen und in Entwicklungsländern (Minute 32). Kesselring warnte zudem vor einer Glorififizierung der Armut (M inute 37).

Die Meinung, Menschen in ärmeren Teilen der Welt seien oft viel glücklicher als wir hier im Westen - feist und faul wie wir ja sind - , weil diese Menschen näher am «wahren Leben», näher an der Natur, näher bei den «wichtigen Dingen» seien, ist typisch für eine herablassende «white guilt»-Weltsicht: Indem man Selbstkasteiung betreibt und das vermeintlich einfache Leben der exotischen Wilden idealisiert, betreibt man nichts anderes als eine Variation des Rassismus: Der Stereotyp einer essentialisierten Kultur der Anderen («ist einfach so») wird quasi als Ausstellungsstück im Zoo behandelt.

Aber klar, wohlstand ist ja völlig egal - man schaue sich nur die fröhlich herumhopsenden Negerkinderlein in Haiti an: Sie fressen Dreck, um den ständig nagenden Hunger zu unterdrücken. So herzig, diese Tradition:



Dieser zynische Kommentar soll zeigen, warum die Frage nach dem Glück eine im Grunde unsinnige ist: «Glück» bzw. «glücklich sein» ist ein subjektives Empfinden und als solches kein Ausdruck der Qualität der Lebensumstände.
In diesem Zusammenhang ist auch die empirische Forschung zu Werten und Wertewandel interessant. Gesellschaftliche Modernisierung, etwa in der Form des Wertewandels von eher grundlegenden Überlebens-, hin zu eher fortschrittlich-individualisierten Werten, bedeutet gerade, dass Individuen weniger Zufrieden mit dem politischen status quo sind und nach Reformen rufen, welche ihnen höhere Handlungsautonomie bieten - Unzufriedenheit ist in diesem Sinne die Triebfeder für Wandel hin zu mehr Demokratie.
Das Buch «Modernization, cultural change, and democracy: The human development sequence.» beschreibt die für Modernisierung hin zu Demokratie mit folgenden Mechanismen (S. 3):
Mit diesen Prozessen der Modernisierung (die ich an dieser Stelle nur am Rande erwähne) ist auch erklärt, warum Menschen in entwickelten Demokratien glücklicher sind als Menschen in armen, weniger demokratischen Staaten: Menschen sind zufriedener, wo ihnen mehr Autonomie gewährt wird.

Damit will ich nicht behaupten, dass Faktoren wie soziale Integriertheit, also Freunde, Familie, Liebschaften, universal wichtige Glücks-Beeinflusser sind. Aber es besteht eine starke Korrelation zwischen Lebenszufriedenheit und Wohlstand, und der kausale Zusammenhang ist dabei ein solcher, dass höherer Wohlstand, also modernere sozioökonomische Ressourcen, die Grundlage für maximale Entfaltung des Individuums bietet.
Oder, wie es die US-Amerikaner nennen, «pursuit of happyness»: Die Möglichkeiten, das individuelle Glück anzustreben, sind durch den Grad des Wohlstandes bestimmt.

Ein interessanter Versuch, Zufriedenheit mit dem Leben zu messen, ist bei Gallup vorhanden.

Die Übersinnlichen
Und was haben die Astrologin und der Abt (klingt irgendwie nach einer guten Sitcom) zum Besten gegeben? Nicht wirklich viel Nennenswertes. Beide haben teilweise nachvollziehbare Allgemeinplätze, teilweise diffus-schwurbelige Phrasen vorgetragen - insgesamt war die Sendung aber sicher für diese zwei Personen ein Erfolg, denn ihre irrationalen Positionen wurden nicht hinterfragt, weder von den anderen Gästen, noch von der Moderatorin.

Ein interessanter Moment war Minute 14, als die Moderatorin den Abt fragt, ob Glaube glücklich mache. Dieser hat, verhältnismässig offen, das Geschäftsmodell seiner Organisation erklärt: Glaube sei zu Lebzeiten Suche, man sei immer unterwegs zum «Geheimnis». Ob den Gott für ihn Glück sei, will die Moderatorin wissen. Ja: Wenn er gestorben und in das «andere Leben» übergetreten sei, so der katholische Glaube, sei dort das Glück.
Das bedeutet, dass Glück bei den Katholiken letztlich etwas ist, was im Jenseits auf sie wartet - und den Schlüssel zu diesem transzendentalen (sprich unbewiesenen) Glück liegt bei den Katholiken. Was der gute Abt nämlich zu erwähnen versäumt: Wer den katholischen Glauben nicht teilt, darf leider dieses unbewiesene Glück im Jenseits nicht kosten, sondern leidet für alle Ewigkeit in der Hölle (auch das, wie alles, was Kirchen über Metaphysik erzählen, selbstredend unbewiesen).

Ich für meinen Teil hätte es als amüsante Bereicherung angesehen, wenn auch ein islamischer «Geistlicher» in der Runde gesessen hätte, um seine jenseitigen Glücksvorstellungen zu beschreiben, vielleicht mit reichlich willigen Jungfrauen oder ähnlich. Und beide, der Moslem wie der Christ, hätten mit ihren zahlreichen, aufeinander aufbauenden unbewiesenen Behauptungen gleich viel Recht - nämlich gar nicht, solange sie keine Beweise vorlegen.

Madame Etoile hatte nur wenige Gelegenheiten, ihre pseudowissenschaftliche Lehre einzubringen. Gerade bei ihr wäre eine kritische Moderatorin nötig gewesen: Astrologie und verwandte Scharlatanerie zielen stark auf Menschen, welche in persönlichen Krisensituationen nach «Glück» streben: Menschen, welche nicht weiter wissen, sich einsam und verloren fühlen, bei welchen vielleicht schon die letzten Stricke am reissen sind und sie darum verzweifelt nach Hilfe greifen.

Und was will die Moderatorin von Madame Etoile wissen? Ob es Sternzeichen gebe, welche mehr Glück verheissen als andere (Minute 61). Nein, so Madame Etoile, es gebe einfach Sternzeichen mit unterschiedlichem Temperament (sollte man eigentlich, im Rahmen der Allgemeinbildung, schon wissen, liebe Frau Moderatorin).

Fazit
Das Thema der Club-Ausgabe vom 1. November, «Glück», wurde durch eine emotionalisierte Brille diskutiert, ohne etwa kritisch zu fragen, ob diese egoistische Obsession mit «Glück» und dem Zustand des «glücklich sein» (oder von mir aus auch «Glückseligkeit») nicht vielleicht den Blick auf Wichtigeres versperrt. Menschen können auch mit einem breiten Lächeln Dreck fressen

Das eigentliche Problem an dieser Sendung ist aber die Auswahl der Gäste: Mit Christian Meyer, einem Repräsentanten der katholischen Kirche, und Monika Kissling, einer Astrologin, wurden zwei Vertreter irrationaler Weltbilder eingeladen. Und das nicht, um deren aussergewöhnliche, unbewiesene Behauptungen kritisch zu thematisieren, ganz im Gegenteil: Die unbewiesenen Behauptungen dieser zwei Personen wurden implizit als gegeben und erwiesen behandelt.

Die Moderatorin Christine Maier hielt mit dieser Ausgabe zum letzten Mal die Moderation des Club; am Schluss gab es gar einen rührseligen Abschied unter Applaus der Gäste:
Schön, dass sich die Moderatorin Maier bei einem kleinen internen Stellenwechsel (sie bleibt beim Schweizer Fernsehen, wechselte lediglich zur Sendung 10vor10) auf die Schulter klopft - weniger schön, dass sie als vermeintliche Journalistin dabei vergisst, ihren Gästen auf die Finger zu klopfen.

15 Kommentare:

nirwanixla hat gesagt…

"Was der gute Abt nämlich zu erwähnen versäumt: Wer den katholischen Glauben nicht teilt, darf leider dieses unbewiesene Glück im Jenseits nicht kosten, sondern leidet für alle Ewigkeit in der Hölle"

Hier legst du ihm etwas in den Mund was er nicht gesagt hast. Diese Position wird kaum ein Christ vertreten, sofern er nicht eher fundamentalistischen Kreisen angehört.

Zwei weitere Bemerkungen:
nur weil jemand ein Christ ist, muss er deswegen nicht inkompetent sein. (Es gibt genügend Christen, die ihre Arbeit als Wissenschaftler genau so gut machen wie andere)

b) wann ist eine Überzeugung irrational? Was sind die Kriterien dafür? Dabei ist einige Vorsicht angebracht: die Überzeugung, dass nur das rational ist, was nachgewiesen werden kann, muss ebenso begründet werden.

Marko Kovic hat gesagt…

Hier legst du ihm etwas in den Mund was er nicht gesagt hast. Diese Position wird kaum ein Christ vertreten, sofern er nicht eher fundamentalistischen Kreisen angehört.

Diese Position ist der Kern des christlichen Glaubens: Gott vergibt einem alle Sünden, solange man an ihn glaubt. Wenn jemand nicht an diesen Gott glaubt, ist egal, wie sie oder er ihr bzw. sein Leben lebt, man landet in der Hölle, weil man sich Gott nicht hergibt.
In diesem Punkt schätze ich Fundamentalisten: Sie sprechen einfach das aus, was vielen "moderaten" Gläubigen nicht so recht über die Lippen rutschen will.


nur weil jemand ein Christ ist, muss er deswegen nicht inkompetent sein. (Es gibt genügend Christen, die ihre Arbeit als Wissenschaftler genau so gut machen wie andere)

Ich wüsste nicht, wo ich im Text oben behaupte, christlicher Glaube bedeute Inkompetenz. Ebenso behaupte ich nicht, dass die Abwesenheit (egal welchen) Glaubens "Kompetenz" bedeute.
Wer religiös ist, kann aber keine Wissenschaftlerin bzw. kein Wissenschaftler sein, sondern nur Akademikerin bzw. Akademiker. Wissenschaft bedeutet, dass es keine absoluten, unantastbaren Wahrheiten gibt, sondern alles nur vorläufig als wahr gilt, also stets revidierbar und kritisierbar bleiben muss. Religiöse Menschen akzeptieren ein Dogma und weigern sich, dieses in Frage zu stellen, ungeachtet der Beweislage.


wann ist eine Überzeugung irrational? Was sind die Kriterien dafür? Dabei ist einige Vorsicht angebracht: die Überzeugung, dass nur das rational ist, was nachgewiesen werden kann, muss ebenso begründet werden.

Also ist auch die Astrologin in der Sendung ganz unproblematisch? Das sind doch elementare Dinge kritischen Denkens, die du selber auch kennst: Solange etwas nicht bewiesen wird, bleibt es Hypothese. Wer eine Hypothese aufstellt und den Anspruch erhebt, sie stimme, muss auch selber demonstrieren und begründen, warum dem so sein soll.
Wenn wir anfangen beliebige unbestätigte Hypothesen als wahr anzusehen, landen wir in einer absurden "anything goes"-Situation: Es gibt Gott und Götter (ich bin übrigens auch einer); Homöopathie wirkt, Impfungen machen autistisch, Obama ist ein Reptilien-Ausserirdischer, in meinem Schlafzimmer steht ein grosser, rosaroter, Gummibären speiender Drache.

nirwanixla hat gesagt…

"Wenn jemand nicht an diesen Gott glaubt, ist egal, wie sie oder er ihr bzw. sein Leben lebt, man landet in der Hölle, weil man sich Gott nicht hergibt."

Ich halte diese Behauptung für falsch. Ich habe sie weder von Kirchenvertretern noch von anderen mir bekannten Christen gehört, auch von denen nicht, die ich durchaus als eher konservativ (aber nicht als fundamentalistisch) bezeichnen würde.

"Wer religiös ist, kann aber keine Wissenschaftlerin bzw. kein Wissenschaftler sein"

Diese Meinung teile ich nicht und ist auch empirisch widerlegt, weil es eben religiöse Wissenschaftler gibt. Ob man nun religiösen Wissenschaftlern abspricht Wissenschaftler zu sein, ist eine subjektive Sache, oder Sache der Weltanschauung. Für mich schließt sich religiös und Wissenschaftler sein nicht gegenseitig aus.

Die Astrologin ist sicher problematisch (ich hab mir Sendung aber nicht angesehen, nur den Text hier gelesen). Meine Zielscheibe war aber der Begriff "irrational" und dessen Anwendung.

Irgendwer (der Name ist mir entfallen) schrieb mal, dass es zu jeder Zeit, an jedem Ort und für jede Person falsch (irrational?) ist, etwas zu glauben, ohne entsprechende Belege (so in etwa lautet dies).

Aber auch diese Behauptung muss begründet werden, die wirklichen Probleme fangen ja hier erst an und gehen weit in die Erkenntnistheorie hinein.

Michael hat gesagt…

@nirwanixla: ist der Papst offiziell genug als Kirchenvertreter? Lies doch mal die Dogmen der katholischen Kirche nach, z.B. das der Erbsünde. Danach sind alle Menschen nach Adam zunächst Sünder, die in die Hölle kommen. Dies wird nur durch die Taufe aufgehoben. Das heißt nichts anderes, als dass ungetaufte Babys sowie alle Nichtchristen (genauer: alle Nichtchristen und nicht-katholische Christen!) Sünder sind.

Das ist jetzt keine mittelalterliche Auslegung. Das Dogma der Erbsünde gilt für die katholische Kirche bis heute. Nur wird das eben selten ausgesprochen in der heutigen Zeit.

Zum Thema Religiösität vs. Wissenschaft: Ein Mensch kann durchaus gleichzeitig gläubig und Wissenschaftler sein. Menschen sind da recht gut darin, widersprüchliche Positionen gleichzeitig zu vertreten. Die werden dann gut partitioniert, und z.B. ein Chemiker kann dann im seinem Beruf streng nach wissenschaftlichen Prinzipien handeln, während er bei privaten Themen, die seinen Beruf nicht berühren, wie ein Gläubiger handelt. Das heißt aber nicht, dass Wissenschaft und Glaube nicht in Konflikt stehen, denn das tun sie zweifellos! Spannend wird es dann, wenn die beiden Positionen doch einmal aneinander geraten, z.B. wenn dieser hypothetische streng katholischgläubige Chemiker, der bisher nur an Kunstdünger geforscht hat, den Auftrag bekommt, ein neues Verhütungsmittel zu entwickeln.

nirwanixla hat gesagt…

auch wenn der Papst diese Aussage getätigt haben sollte, halte ich sie für falsch. Was die Dogmen betrifft, ich glaube ein Theologe (Rahner?) hat so was mal gesagt:

Dogmen sind wie die Laternen entlang der Straße, nur Besoffene halten sich daran fest.

Find ich irgendwie witzig, auf den Punkt gebracht: Dogmen sind für mich Denkverbote und damit inakzeptabel.

Was den strenggläubigen Christen und das zu entwickelnde Verhütungsmittel betrifft, so gerät er sicher in einen Wertekonflikt. Damit wird die Diskussion aber auf die ethische Ebene gebracht. Vergleichbar mit Physikern, die sich mit der Entwicklung von Waffen (ala Atombombe) auseinandersetzen müssen.

Im Grunde handelt es sich also um die ethische Frage, ob man alles tun soll, was man tun kann. Ich sehe also dabei weniger einen Widerspruch zu den Wissenschaften, als vielmehr eine notwenidge ethische Hinterfragung ihrer Möglichkeiten.

Don't think! hat gesagt…

Die Sendung ist ja eigentlich eher für Leute, die sich gerade unglücklich fühlen und denen wieder einmal bewusst werden sollte, was sie eigentlich haben und dass man auch für sein Glück kämpfen muss.

Die verschiedenen Weltbilder sind wichtig, damit die Diskussion überhaupt interessant wird. Wer würde die Sendung überhaupt schauen, wenn da 7 Glückswisssenschafter sässen?!

Wir sollten nicht vergessen, dass auch dies nur Unterhaltung ist.

Jeder hat seine Meinung und bleibt dabei, es ist aber trotzdem interessant, zu hören, was andere denken.

Michael hat gesagt…

@nirwanixla: Wer die Dogmen der katholischen Kirche für falsch hält, darf sich dann aber auch nicht Katholik nennen. Das sind, wie schon gesagt, die grundsätzlichen Glaubenssätze der katholischen Kirche.

Und wenn dir ein anderes Beispiel besser gefällt. Was ist mit dem strenggläubigen Biologen, der früher oder später auf die Frage Evolution vs. Schöpfung stoßen wird? Hier geht es dann nicht um Werte oder Ethik, sondern um Fakten. Beide sind nicht miteinander vereinbar. Ein "gläubiger Wissenschaftler" muss sich an dieser Stelle entscheiden, ob er entweder seinen Glauben oder seine Wissenschaft verwässert.

nirwanixla hat gesagt…

@"darf sich nicht Katholik nennen". Weiß ich nicht.

@Evolution vs. Schöpfung: soferns sichs beim "strenggläubigen" Biologen nicht um einen Kreatonisten handelt oder dgl. handelt, wird er mit der Evolution kein Problem haben: Schöpfung wird umfassender verstanden, Evolution ist demnach ein Teil der Schöpfung sein.

Ich bin kein Theologe, aber Schöpfung könnte einfach eine Sichtweise auf die Welt sein, deren Existenz auf einen Schöpfer zurückgeführt wird.

Michael hat gesagt…

"Schöpfung wird umfassender verstanden, Evolution ist demnach ein Teil der Schöpfung sein."

Das ist genau das, was ich mit "Verwässern" meine :-)

nirwanixla hat gesagt…

...womit wir uns diesem Punkt nähern:

nehmen die Religiösen ihre Schriften wörtlich, sinds Fundis,

interpretieren sie ihre Schriften und legen sie aus, dann verwässern sie den Glauben.

Religiöse Menschen könnens offensichtlich nie recht machen ;)

Michael hat gesagt…

So ist das halt, wenn man irrationalen Überzeugungssystemen anhängt. Die kognitive Dissonanz ist dann unausweichlich.

Öfters Anonym hat gesagt…

Die kognitive Dissonanz ist keineswegs zwingend. Die 'irrationale' Weltanschauung kann lediglich nicht nach den Kriterien der sogenannt rationalen Weltanschaung abgebildet werden.

Eine kognitive Dissonanz besteht also nur aus dem subjektiven Blickwinkel einer Person, die einer 'rationalen' Weltanschauung anhängt und für diese den Wahrheitsanspruch erhebt.

nirwanixla hat gesagt…

Tja, die verflixte Frage: wann ist etwas rational, wann irrational? Gibt es ein allgemeingültiges Kriterium zur Unterscheidung zwischen rational und irrational, oder spielt die subjektive Einschätzung die größere Rolle?

Marko Kovic hat gesagt…

Tja, die verflixte Frage: wann ist etwas rational, wann irrational? Gibt es ein allgemeingültiges Kriterium zur Unterscheidung zwischen rational und irrational, oder spielt die subjektive Einschätzung die größere Rolle?

Rational ist, was kritisierbar ist - eine Aussage, welche sich nicht potentiell widerlegen lässt, ist irrational.

Aber: Auch wenn eine Aussage (vorläufig) rational, also grundsätzlich widerlegbar, formuliert wird, bleibt die Aussage so lange irrelevant, bis die Person, welche die Aussage macht, diese durch Beweise und Argumente unterfüttert.

nirwanixla hat gesagt…

"rational ist, was kritisierbar [falsifizierbar] ist"

Das ist eine Behauptung bzw. Setzung, die einer Begründung bedarf, warum es eben genau so sein sollte. Ich vermute übrigens, dass du die "Kollateralschäden" nicht miteinbezogen hast ;)

Wenn nur Aussagen rational sind, die falsifizierbar sind, dann reden wir im Alltag meistens irrationales Zeug daher. Sämtliche Aussagen mit: ich wünsche, ich glaube, ich hoffe ... werden dann irrational.

Aber nicht nur: beispielsweise wäre es nach diesem Kriterium irrational, den Determinismus zu vertreten, da er sich ebenso nicht widerlegen lässt.

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