29. Dezember 2011

Das Spukhaus von Stans, oder: Wie einfach es ist, die menschlichen Sinne zu täuschen, oder: Lesetip: Paranormality

Die NZZ hat gestern am 28. Dezember einen Artikel über ein (mittlerweile abgerissenes) «Spukhaus», in welchem Geister ihr Unwesen getrieben haben sollen, veröffentlicht:
Der Artikel hinterfragt die angebliche paranormale Aktivität im Haus nicht. Und wenn es um unkritischen Boulevard-Journalismus geht, ist auch das Schweizer Fernsehen nicht weit: Im Februar 2010 wurde in der Sendung «Schweiz Aktuell» ebenfalls über das «Spukhaus» berichtet.
Schweiz aktuell vom 17.02.2010
Was hat es auf sich mit den Geister-Geschichten rund um das «Spukhaus von Stans»? Endgültig untersuchen lassen sich die angeblichen übernatürlichen Vorkommnisse nicht - die Aussagen der Betroffenen sind eben nur das, unbewiesene Aussagen. Weiter recherchieren ist nicht möglich: Der angebliche Spuk ereignete sich im 19. Jahrhundert; auch wenn das «Geisterhaus» heute noch stünde, wäre eine gegenwärtige Nicht-Nachweisbarkeit von Übernatürlichem kein endgültiger Beweis, dass im 19. Jahrhundert nicht doch etwas vorfiel.


Paranormality: Why we see what isn't there
Wenn es nicht möglich ist, den interessierenden Gegenstand direkt zu untersuchen, stellt sich die Frage, wie gut erforscht das Phänomen der (Polter-)Geister im Allgemeinen ist; womöglich liefert Wissen zum Phänomen der Geisterwahrnehmung Antworten auch im Falle des «Spukhauses von Stans». Hier schafft Richard Wisemans «Paranormality: Why we see what isn't there» einen guten kritischen Überblick:
Im Kapitel «Ghost-hunting» geht Wiseman explizit auf das Phänomen der Geister und Poltergeister ein (mit Letzterem meine ich solche Geister, welche angeblich nur innerhalb bestimmter Gebäude agieren).

Eine erste Erklärung für Geister interessiert hier weniger, ist aber auch relevant: Menschen lügen manchmal bewusst. Das konkrete Motiv kann variieren (nicht selten ist es in solchen Fällen pekuniärer Natur), interessiert aber auch nur bedingt.
Wiseman widmet sich eher Fällen, in denen Menschen wahrhaftig überzeugt sind, dass sie von Geistern heimgesucht werden. Die kurze Erklärung für solch ausserordentliche und oftmals sicher verstörende Erlebnisse ist einfach: Das menschliche Hirn ist ein ziemlich unzuverlässiges Instrument, dessen Fehlfunktionen uns nicht selten staunen lassen.

Ein wichtiges Beispiel, welches Wiseman nennt, ist menschlicher Schlaf. Mittlerweile ist bekannt, dass unser Hirn während des Schlafes nicht einfach auf Standby schaltet, sondern unterscheidbare Phasen der Aktivität kennt (Bildquelle):
In Phase 1 (kurz nach dem Einschlafen und kurz vor dem Aufwachen) ist das Hirn verhältnismässig aktiv, und es treten häufig audio-visuelle Halluzinationen auf, inklusive der Wahrnehmung menschenartiger Gestalten.

Die REM-Phase des Schlafes tritt nach Phase 4 auf: Das Hirn wechselt wieder über Phase 3 und 2 in den verhältnismässig aktiven Zustand der Phase 1 und wir träumen. Dabei treten interessante Phänomene auf, welche standardmässig nicht bei Phase 1 auftreten; etwa, dass Genitalien erregt werden und sich die Augäpfel stark bewegen. Noch wichtiger ist aber, dass der Rest des Körpers paralysiert wird. Die hypothetische Erklärung für diese Bewegungslosigkeit ist, dass sich dieses Merkmal evolutionär durchgesetzt hat, um den Menschen vor allzu wilden Träumen zu schützen, da erregtes Herumfuchteln im Schlaf eine potentielle Verletzungsgefahr darstellt.

Was nun passieren kann, ist, dass unser jämmerliches Hirn nicht ohne Weiteres mit den Sprüngen zwischen Phase 1 und REM klarkommt, und sich darum deren Merkmale vermischen, und das während wir einschlafen oder aufwachen: Halluzinationen bei paralysiertem Körper und sexueller Erregung. Diese «Schlafparalyse» ist wohl kein übertrieben angenehmes Ereignis, wie schon der Maler Heinrich Füssli in seinem Gemälde «Die Nachtmahr» festhielt:
Das Empfinden, ein Gewicht drücke auf den Brustkorb, ist für Schlafparalyse typisch: Die Betroffenen können im Zustand der Bewegungslosigkeit das eigene Atmen nicht bewusst empfinden und steuern.

Und was ist mit Geisterfällen, in denen die Betroffenen wach sind? Wiseman liefert auch hier mehrere Beispiele, welche demonstrieren, dass unsere Sinne alles andere als unfehlbar sind - wir sehen, hören, riechen oft das, was wir zu sehen, zu hören, zu riechen glauben.
Hierbei ist auch das Konzept des Hirnes als «Hypersensitive agency detection device» wichtig: Unser Hirn hat die Tendenz, ständig kausale Muster und Erklärungen zu suchen. Oder, wie es Wiseman formuliert (S. 230):
According to the theory, many people are very reluctant to think that certain events are meaningless, and are all too eager to assume that they are the work of invisible entities.
Was Wiseman zu erwähnen versäumt, ist die schier grenzenlose Egozentrik des Menschen: Wenn ich die Wahl habe zwischen der Erklärung einerseits, dass übersinnliche Kräfte am Werk sind, deren Existenz unbewisen ist und im Gegensatz zum aktuellen Wissen über die Welt steht, und der Erklärung andererseits, dass ich mich täusche, ist natürlich klar:  Ich muss Recht haben; die Geister existieren wirklich.


Fazit
Es ist nicht endgültig auszuschliessen, dass das «Spukhaus von Stans» tatsächlich von einem oder mehreren Geistern heimgesucht wurde. Nur fehlen dafür relevante Beweise. Berichte der betroffenen Hausbewohner sind Berichte des subjektiven Erlebens - nicht notwendigerweise erlogen, aber durch andere, plausiblere biologische und psychologische Mechanismen erklärbar (Ein wenig verwundert es aber schon, dass der richtig spektakuläre Spuk, etwa herumfliegendes Mobiliar, nur auftritt, wenn keine dokumentierende Drittperson zugegen ist.).

Die Geschichte um das stanser Spukhaus wird in Bälde vielleicht um ein Kapitel reicher: Wenn ich Eines über Poltergeister gelernt habe, dann, dass nicht das jeweilige Haus das Problem ist, sondern der Boden, auf welchem dieses steht - und auf dem Land, auf welchem früher das «Spukhaus von Stans» stand, soll ein Einkaufszentrum gebaut werden. Fortsetzung folgt?

Dass die renommierte NZZ - in der Schweiz ein Synonym für «Qualitätszeitung» - die Geister-Geschichte als erwiesen ansieht und gar nicht versucht, alternative Erklärungen zu präsentieren, ist bedenklich. Nicht zuletzt, weil in der NZZ selber schon erklärt wurde, wie eine angemessene skeptische Reaktion auf Übersinnliches aussehen kann (hier als PDF):


Grosser Dank an Marcel Küchler für den NZZ-Artikel «Bekenntnisse eines Geisterjägers»!

3 Kommentare:

FREDO hat gesagt…

Ich bin üerzeugt davon da es hier spukt der herr melchior joller erwähnte es ja nicht zum spass und nebenbei finde ich es eine bodenlose frechheit so ein haus mit solche unerklaerlichen ereignisse abzureissen naja einfach eine schande

FREDO hat gesagt…

aber was soll mann dagegen machen ich bin mir ziemlich sicher der ,der den auftrag gegeben hat es abzureissen ist sicher wieder so ein scheiss skeptiker wahrscheinlich mit brille die leute glauben nicht an spuk und andere sachen wie aliens usw. aber es waere auch dumm zu denken das wir menschen auf diesen riesigen universum alleine sind liebe skeptiker ich bin selber mit einen hobbie geister jäger team unterwegs und mir tut echt leid um dieses haus ich habe schon oft in österreich anfragen gesendet per email auf schloesser und burgen fast nur absagen bekommen das sind eben alles skeptiker besonders in österreich wo ich zu hause bin . bin ueberzeugt ne menge leute sind meiner meinung

FS hat gesagt…

Sie Sind überzeugt, wenn man fragen darf durch welche wissenschatlich belegbaren Beweise? Einfach vor dem posten wenigestens ein mal auf Zeichensetzung oder Groß-/Kleinschreibung achten um ernst genommen zu werden. Ihre Ansichten sind gelinde gesagt fundamentalistisch, um kein Wort das mit "i" oder "d" beginnt zu verwenden. Geister sind, weil sie daran glauben, ipso facto sind alle die nicht daran glauben intollerant bzw. noch nicht erleuchtet. Ein schlichter Intellekt wird Situationen und Sachverhalte immer durch schlichte Lösungen erklären. Wissenschaftliche Methodik will ich ihnen hier nicht abverlangen, da sie dafür eh nicht offen wären, wahrscheinlich auch damit überfordert. Bitte Grüßen Sie mir das fliegende Spagehettimonster, es muss existierne denn keiner kann mir Beweisen, dass es nonexistent ist. Zu auserirdischem Leben kann man nur sagen mathematisch spricht einiges dafür, aber daraus zu folgern, diese besuchen ständig die Erde lässt sich nicht belegen. Ein grosteil der Esoterik widerspricht der Physik unseres real existierenden Universums. Nur so als Tip, wenn sie an Geister glauben, können sie das gerne tun. Aber lesen sie nicht Artikel die das gegenteil behaupten, und meinen dann, ohne es belegen zu können, dass es Geister giebt. Glauben ist nicht Wissen. Von etwas Überzeugt sein ohne besseres Wissen ist auch nur Glauben..... Ich warte auf ihre Antwort, wird sicher lustig :D

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