29. Februar 2012

Neues Kommentarsystem auf dem Blog

Weil die Standardmöglichkeiten zum Erstellen von Kommentaren bei Blogger (der skeptiker-blog läuft auf Blogger) nach wie vor beschränkt sind, kommt auf dem skeptiker-blog neuerdings «Disqus» zum Einsatz. Damit wird Kommentieren bequemer; so ist es z.B. möglich, direkt auf bereits bestehende Kommentare zu antworten und die Interaktion unter den Kommentierenden auch visuell darzustellen.
Die Handhabung der Kommentare bleibt wie gehabt: Es darf jede und jeder kommentieren, auch anonym, und Kommentare werden sofort freigeschaltet.
Wichtig: Für anonyme Kommentare fragt Disqus nach einer Email-Adresse. Diese muss nicht zwingend real sein: Die Email-Adressen werden nicht geprüft und nicht veröffentlicht. Die Eingabe einer (fiktiven) Email-Adresse ist eine Massnahme gegen automatisierte Spam.

Und wie immer gilt: Diese Änderung soll einzig zur Verbesserung des Blogs beitragen. Die Einbindung von «Disqus» ist in keiner Art durch finanziellen Profit motiviert («Disqus» generiert keinerlei Werbeeinnahmen o.ä.).

23. Februar 2012

Handystrahlung und Blindheit bei Kälbern

Am 22. Februar berichtete 20minuten-Online über eine Studie, welche eine Korrelation zwischen Katarakt bei neugeborenen Kühen und der Nähe dieser Kühe zu Mobilfunkantennen feststellt:
Bei der zitierten Studie handelt es sich um «Vermehrtes Auftreten von nukleärer Katarakt beim Kalb nach Erstellung einer Mobilfunkbasisstation» (Download-Link). Diese Studie dokumentiert das Auftreten der Erkrankung auf einem Landwirtschaftsbetrieb und hält fest, dass sich die Krankheit tatsächlich überdurchschnittlich oft häufte.
Die Autoren bemerken aber korrekt, dass ihre deskriptive Studie keine kausalen Schlüsse zulässt (S. 85):
Die Schlussfolgerung der Studie ist unmissverständlich: Eine reine Korrelation bedeutet noch keine Kausalität. Interessanterweise interpretieren Handystrahlen-Gegner die Studie anders als die Autoren. 20minuten zitiert Andrea Klinger vom «Dachverband Funkstrahlung»:
Die Studie lässt keine Zweifel zu. Alle Faktoren ausser den Antennen wurden darin ausgeschlossen.
Der Klassiker unter den Fehlschlüssen: «argument from ignorance». Die Studie behauptet explizit, dass nicht bekannt ist, wodurch das interessierende Phänomen verursacht wird. Der Schluss, dass darum gerade bekannt sei, wodurch das interessierende Phänomen verursacht wird, ist ungültig.

Die Frage, ob elektromagnetische Strahlung u.a. von Mobiltelefonen und deren Antennen (also Strahlung im nicht-ionisierenden Bereich der Mikrowellen) Auswirkungen auf Menschen und andere Lebewesen hat, ist berechtigt - schliesslich sind viele von uns mittlerweile Cyborgs (ohne Smartphone läuft nichts mehr) und entsprechend praktisch ununterbrochen «bestrahlt».
Der gegenwärtige Stand der relevanten Forschung zeigt, dass Handystrahlung keine nachweisbaren Schäden verursacht und Panik nicht angebracht ist (und der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass vorläufig auch nicht belegt ist, dass Handystrahlung positive Effekte hat). Organisationen wie der «Dachverband Funkstrahlung» interpretieren aber jede Erkenntnis im Sinne ihrer festen Glaubenssätze; was nicht passt, wird passend gemacht.

P.S. Dass Mobiltelefone grosse indirekte Schäden verursachen können, bestreitet niemand: Telefonieren am Steuer beispielsweise ist selten eine gute Idee.

15. Februar 2012

Gesichterleserei in der NZZ

Der mediale Siegeszug der «Physiognomin» Tatjana Strobel macht auch vor der «Qualitätszeitung» NZZ nicht halt: Wurde Strobel im Dezember noch als Teil der «esoterischen Beraterszene» beschrieben, durfte sie am 10. Februar in einem sanften «softball»-Interview Werbung für sich machen: 
Ein herausragend absurdes Argument nennt Strobel als Antwort auf die Frage, ob es denn kein Problem sei, dass mittels Physiognomie Menschen immer wieder diskriminiert worden seien:
Pädophile nutzen das Internet, um sich mit Kindern zu verabreden, Terroristen, um Anschläge vorzubereiten – sollen wir deswegen das Internet verbieten? Ich biete nicht Hand dazu, Leute zu stigmatisieren oder zu manipulieren. Ich will mithelfen, dass viele Leute ihre Menschenkenntnis erweitern.
Wenn Pädophile und Terroristen das Internet nutzen, nutzen sie ein bestimmtes Werkzeug. Wenn Gesichterleser Gesichterleserei benutzen, nutzen sie auch ein bestimmtes Werkzeug - eben eines, welches nicht funktioniert.

Es wäre schade, aus Strobels medial unkritisch behandeltem Luxus-Humbug keine Lehren zu ziehen. So zeigt sich einerseits: Der Durst nach Pop-Psychologie, welche die komplexe Welt auf banale Daumenregeln reduziert, ist gross.
Andererseits kann Gesichterleserei vielleicht doch mindestens eine zutreffende Aussage machen: Wann immer nämlich Strobels strahlendes Gesicht zu sehen ist, sind kompetente, kritische Journalisten keine der Nähe.

Dank an Marcel Küchler für den Hinweis auf den NZZ-Artikel.

12. Februar 2012

Eindrücke vom Anti-ACTA-Protest in Zürich vom 11. Februar

Am Samstag, dem 11. Februar, fanden weltweit Proteste gegen ACTA statt. ACTA ist ein geplantes Handelsabkommen, welches Produkt- und Markenpiraterie bekämpfen soll, aber unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgehandelt (und dem Einschluss diverser Lobby-Gruppen) wurde. Nach wie vor herrscht rund um ACTA Intransparenz.

Der Protest in Zürich wurde von der Piratenpartei Schweiz organisiert:

Der Schutz von Marken- und Urheberrechten ist grundsätzlich erstrebenswert. ACTA ist aber ein Abkommen, welches unter kompletter Umgehung demokratischer, öffentlicher Prozesse zum Vorteil bestimmter Interessengruppen ausgearbeitet wurde, und darum sind Proteste gegen ACTA zu begrüssen. Was dabei allerdings wichtig ist: Gute Informiertheit über den tatsächlichen ACTA-Text. Nicht zuletzt, weil ACTA erst der Anfang ist (vgl. auch dieses Video).

9. Februar 2012

Sind die PISA-Studien Pseudowissenschaft?

NZZ-Online hat am 29. Januar einen lesenswerten Artikel zu den berühmten «PISA»-Studien veröffentlicht:
Der Autor des Artikels, der Mathematik-Didaktik-Professor Thomas Jahnke, kritisiert die PISA-Studien heftig: Es handle sich bei diesen Messungen um ein privatwirtschaftliches Projekt, welches sich im Mantel der Wissenschaftlichkeit kleidet, in Tat und Wahrheit den wissenschaftlichen Diskurs aber meidet.

Ist die Kritik an den PISA-Studien berechtigt?