15. Februar 2012

Gesichterleserei in der NZZ

Der mediale Siegeszug der «Physiognomin» Tatjana Strobel macht auch vor der «Qualitätszeitung» NZZ nicht halt: Wurde Strobel im Dezember noch als Teil der «esoterischen Beraterszene» beschrieben, durfte sie am 10. Februar in einem sanften «softball»-Interview Werbung für sich machen: 
Ein herausragend absurdes Argument nennt Strobel als Antwort auf die Frage, ob es denn kein Problem sei, dass mittels Physiognomie Menschen immer wieder diskriminiert worden seien:
Pädophile nutzen das Internet, um sich mit Kindern zu verabreden, Terroristen, um Anschläge vorzubereiten – sollen wir deswegen das Internet verbieten? Ich biete nicht Hand dazu, Leute zu stigmatisieren oder zu manipulieren. Ich will mithelfen, dass viele Leute ihre Menschenkenntnis erweitern.
Wenn Pädophile und Terroristen das Internet nutzen, nutzen sie ein bestimmtes Werkzeug. Wenn Gesichterleser Gesichterleserei benutzen, nutzen sie auch ein bestimmtes Werkzeug - eben eines, welches nicht funktioniert.

Es wäre schade, aus Strobels medial unkritisch behandeltem Luxus-Humbug keine Lehren zu ziehen. So zeigt sich einerseits: Der Durst nach Pop-Psychologie, welche die komplexe Welt auf banale Daumenregeln reduziert, ist gross.
Andererseits kann Gesichterleserei vielleicht doch mindestens eine zutreffende Aussage machen: Wann immer nämlich Strobels strahlendes Gesicht zu sehen ist, sind kompetente, kritische Journalisten keine der Nähe.

Dank an Marcel Küchler für den Hinweis auf den NZZ-Artikel.

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen