16. März 2012

Ist Esoterik ein Frauenproblem?

Die Weltwoche hat einen amüsanten Artikel zur Esoterikmesse «Lebenskraft 2012» veröffentlicht:
Der Weltwoche-Artikel trägt den Titel «Frauen-Krankheit Esoterik», und obwohl der Artikel selber nicht wirklich auf das vermeintliche Thema eingeht (Abgesehen vom Satz «Studien zufolge sind Frauen deutlich abergläubischer als Männer», erfahren wir wenig), ist die Frage berechtigt: Sind Frauen anfälliger für Aberglaube und Esoterik? Daran anschliessend: Wenn ja, warum sind Frauen anfälliger für Esoterik?

Im Folgenden möchte ich versuchen, einige Anhaltspunkte und Ideen für eine mögliche Beantwortung dieser zwei Fragen zu finden.

Sind Frauen anfälliger für Esoterik?
Diese Frage mag auf den ersten Blick tendenziös klingen: Warum die Frage mit der Suggestion aufladen, Frauen seien der auffällige Untersuchungsgegenstand, Männer die Norm (Abgesehen vom Offensichtlichen: Der Weltwoche-Artikel ist entsprechend betitelt, und ich nehme den Artikel als Ausgangspunkt)?
Der Grund ist schlicht, dass meine subjektiven Erfahrungen als Skeptiker grundsätzlich auch in diese Richtung zeigen: Frauen scheinen öfter zu pseudowissenschaftlich-esoterischen «Dienstleistungen» zu greifen.

Aber auch im Gegenteiligen stützen Alltagserfahrungen diese Annahme: In der Skeptiker-Bewegung sind weitaus weniger Frauen als Männer aktiv (rein logisch muss ein Mehr an Frauen bei Esoterik nicht automatisch bedeuten, dass bei Skeptikern ein Weniger an Frauen resultiert - es gibt ja noch mindestens die Kategorie jener, die nicht-gläubig sowie nicht-skeptisch sind).
Julia Galef und Massimo Pigliucci nehmen sich des Frauenmangels in der Skeptiker-Gemeinde in einer Ausgabe von Rationally Speaking an:


Gibt es für all diese Eindrücke der Frauendominanz bei Esoterik-Glaube auch konkretere Daten, welche die tatsächliche Situation darstellen?

Eine Quelle für die Situation in der Schweiz ist die Studie «Religiosität in der modernen Welt. Bedingungen, Konstruktionen und sozialer Wandel», welcher ich mich in einem früheren Blogeintrag gewidmet habe. Die Autoren dieser Studie untersuchen Religiosität in der Schweiz und unterscheiden zwischen vier Kategorien der (Nicht-)Religiosität: institutionell (in etwa: stark religiös), alternativ, distanziert, säkular. Es zeigt sich, dass die in dieser Studie erfassten Frauen weniger säkular und stärker sowohl institutionell, als auch alternativ wie auch distanziert, also insgesamt religiöser als Männer sind (S.17):
Der grösste relative Unterschied zwischen Frauen und Männern ist in der Kategorie «alternativ» zu beobachten; diese Gruppe beschreiben die Autoren folgendermassen (S.9):
Alternative sind Personen, denen holistisch esoterische [sic] Glaubensansichten und Praktiken im Leben viel bedeuten. Alternative sprechen eher von "Spiritualität" als von "Religion", weniger von "Glauben", als vielmehr von "Erfahrung" und "Wissen". Alternative erfahren etwa den Kontakt mit Engeln und Geistern und wissen um die Reinkarnation, das Gesetz des Karma, kosmische Energien, die Wichtigkeit der Chakren, geheime Meister, heilende Kräfte von Steinen, Pflanzen, Kristallen oder Händen. Unter den Praktiken der Alternativen finden sich - neben dem Konsum esoterischer Literatur - Techniken der Wahrsagerei (Tarot, Channelling, Handlesen), geistliche Heilung (Schamanen, Faiseurs du secret), Atem- und Bewegungstechniken (z.B. Tai Chi, Kinesiologie, Alexander Technik, Yoga, Meditation), Heilungstechniken, die über die Hände wirken (z.B. Reiki, Massage, Akupressur) und diverse andere Techniken und Rituale (z.B. Natur-Rituale, Hypnose, Frauenspiritualität) [...].
Die Autoren listen auch auf, welche «alternativen» Praktiken, nach Geschlecht getrennt, ausgeübt werden (S.11):
Bei allen Praktiken sind Frauen deutlich übervertreten; es scheint also keine «typisch männlichen» und «typisch weiblichen» esoterisch-pseudowissenschaftlichen Praktiken zu geben. Über alle Zweifel erhaben ist diese Auflistung aber nicht. Z.B. ist unklar, ob Homöopathie erfasst wurde. Ebenso ist diskutabel, dass etwa Massagen, Meditation und Yoga als alternative Praktiken in einem ersatzreligiösen Sinne angesehen werden: Diese Tätigkeiten können durchaus ohne jeden Rekurs auf Übersinnlich-Transzendentales ausgeübt werden.

Ein Zusammenhang zwischen Religion und esoterischem Aberglaube, wie ihn die obige Studie postuliert, ist plausibel: Letztlich handelt es sich bei Religion wie bei Esoterik und Pseudowissenschaft um Glaubenssysteme, in denen sich Individuen explizit unbewiesenen (und oft widerlegten) Lehren fügen und ihre kritischen Denkapparate suspendieren. Der kausalen Logik nach bedeutet diese Lesart von Religion und Esoterik, dass Menschen nicht an bestimmte Lehren zu glauben beginnen, weil sie von diesen überzeugende Argumente erhalten, sondern, dass Menschen glauben wollen und das Objekt des Glaubens erst kontextspezifisch hinzugefügt wird.
Oder, einfacher ausgedrückt: Zuerst kommt Glaube, dann der Glaubensgegenstand.

Diesem Verständnis gemäss ist es nicht überraschend, dass Frauen - im Allgemeinen religiöser als Männer - auch eher abergläubisch in esoterisch-pseudowissenschaftlichem Sinn sind.
Das Merkmal der höheren Religiosität von Frauen scheint international und interreligiös stabil zu sein. Zur Veranschaulichung zwei kleine Tabellen des World Values Survey für den Zeitraum 2005-2008. Zunächst Daten für die Schweiz zu einer bestimmten Frage über Religiosität:
Und hier die Daten für dieselbe Frage zusammengefasst für 57 Staaten:
Frauen scheinen durch das Band religiöser zu sein. Sind sie auch esoterischer? Richard Wiseman, Autor u.a. des lesenswerten Buches «Paranormality», beschreibt im «Superstition Survey» die Situation für das Vereinigte Königreich:
Dabei ist zu beachten, dass nicht ganz klar ist, ob diese Studie repräsentativ ist (es handelt sich um eine Online-Befragung).

Sind Frauen also grundsätzlich anfälliger für Esoterik, d.h., glauben Frauen öfter als Männer an esoterisch-pseudowissenschaftliche Lehren? Die Antwort ist: Sehr wahrscheinlich.
Abschliessende Daten liegen an dieser Stelle nicht vor, aber da Frauen durchwegs religiöser als Männer zu sein scheinen und es nicht unplausibel ist, davon auszugehen, dass Anfälligkeit für Religiosität eine Anfälligkeit auch für Esoterik bedeutet (und einige Daten Stützen diese Annahme), ist davon auszugehen, dass Frauen tatsächlich stärker als Männer an esoterisch-pseudowissenschaftliche Lehren glauben.

Warum sind Frauen anfälliger für Esoterik?
Weitaus schwieriger als eine deskriptive Antwort auf die Frage, ob Frauen anfälliger für Esoterik sind, ist die Suche nach den Gründen dafür. Abschliessende Antworten kann ich an dieser Stelle keine liefern; nicht zuletzt, weil probabilistische kausale Zusammenhänge schwer zu quantifizieren sind. Darum seien die folgenden Zeilen eher als eine Art (leicht unstrukturierter) Ideensammlung denn als abschliessende Fakten zu verstehen.

Hypothese 1: Biologische Unterschiede
Eine erste mögliche Erklärung für die Frauendominanz bei (Esoterik-)Glaube liegt auf der Hand: Die zwei Gruppen unterscheiden sich in ihrer biologischen Konstitution markant. Kann es sein, dass die Summe der biologischen Geschlechterunterschiede Frauen eher anfällig für Glaube macht?

Derartige Vermutungen sind nicht neu. Eine der berühmteren ist die mittlerweile wissenschaftlich obsolete Idee, dass die Grösse des Hirnes direkt die kognitiven Fähigkeiten des Menschen determiniert. Diese Annahme, durch die Kraniometrie des 19. Jahrhunderts weit verbreitet, postulierte, dass Frauen aufgrund ihres im Schnitt kleineren Gehirnes zu weniger kognitiver Leistung fähig seien. Diese Annahme erwies sich als falsch (wie z.B. Stephen Jay Gould in «The Mismeasure of Man» erklärt).

Ein gängiger, durchaus interessanter Erklärungsversuch für unterschiedliches Alltagsverhalten von Frauen und Männern stützt sich auf evolutionäre Selektionsmechanismen. So ist etwa denkbar, dass sich bei Frauen das Merkmal der verstärkten Emotionalität durchgesetzt hat, weil dies dem Nachwuchs zum Vorteil gereicht: Wenn das Weibchen während und nach der Schwangerschaft starke emotionale Verbindungen zum Nachwuchs hat, ist denkbar, dass die Überlebensschancen des Nachwuchses steigen: Die Mutter wendet mehr Ressourcen für das Kind auf als ohne emotionale Bindung. Das ist plausibel, weil der Mensch in der Frühzeit seiner Existenz keine ethischen oder legalen Systeme kannte, welche den Schutz des Kindes diktieren - umso wichtiger eine emotionale Verbindung zwischen Mutter und Kind.

Das Problem mit dieser einleuchtenden Erklärungsvariante für vermeintliche weibliche Emotionalität ist, dass damit nach wie vor keine empirischen Daten vorliegen, sondern blosse Spekulation: Eine «Geschichte», welche im Rahmen evolutionärer Vorgänge plausibel klingt, lässt sich für jedes Phänomen des sozialen Alltags zusammenschustern; überprüfbar sind solche ad hoc-Hypothesen nicht.

Es ist festzuhalten: Männliche und weibliche Hirne untescheiden sich. Scientific American argumentiert aber, dass das menschliche Hirn formbar ist - unser Hirn entwickelt sich gemäss unseren Erfahrungen (vgl. Neuroplastizität).
Einen breiten Überblick über die relevante Fachliteratur habe ich nicht. Dennoch kann eine grobe Regel festgehalten werden: Gängige Stereotype (vgl. auch diesen Podcast) zu biologischen Unterschieden von Mann und Frau gründen oft in einer nicht ungefährlichen Logik. Phänomene der sozialen Interaktion werden durch biologische Kausalitäten zu erklären versucht. Dieses Erklärungsmuster ist natürlich verlockend, da die Vermutung, unterschiedliches Verhalten sei auf unterschiedliche körperliche Ausstattung zurückzuführen, offensichtlich ist, und oft auch zutrifft. Rein biologische Erklärungen dürften aber mindestens ebenso oft unbefriedigende bis irreführende Antworten liefern. Es ist davon auszugehen, dass biologische Unterschiede in vielen Fällen über indirekte Mechanismen eine Reihe sozial konstruierter Konsequenzen haben - was mich zu Hypothese 2 führt.

Hypothese 2: Kulturelle Pfadabhängigkeiten
Mit «Kultur» meine ich die Gesamtheit menschlicher die Natur beeinflussender Handlungen, und zwar in einem zeitlichen Verlauf: Ein Mensch, der in die Welt zu Zeitpunkt X hineingeboren wird, erlebt die Welt nicht in einem tabula rasa-Zustand, sondern ist zahlreichen Einflüssen vergangener menschlicher Handlungen ausgesetzt.

Das bedeutet ganz banal, dass jeder Mensch in einen gesellschaftlichen Kontext hineingeboren wird, auf den die oder der Neugeborene logischerweise keinen Einluss hatte. In diesem für jede und jeden Neugeborenen spezifischen Kontext lernt der Mensch die Welt kennen - es kommt zum Prozess der Sozialisation.

Im Rahmen dieser Sozialisation erfährt das Individuum eine Unmenge an Reizen, Informationen, Interaktionen und setzt sich mit diesen, je nach Kontext, auseinander. Ein neugeborener Mensch im heutigen Saudi-Arabien wird z.B. weniger Autonomie für die Auseinandersetzung mit der Welt geniessen können als ein neugeborener Mensch in der Schweiz, da der Entwicklungsstand des politischen Gesellschaftsvertrages an letzterem Ort weiter vorangeschritten ist.

Individuen lernen also die Welt in spezifische Kontexte eingebettet kennen. Ein gewichtiger Teil dieser gesellschaftlichen Kontexte betrifft Geschlechterrollen: Wie sich ein Mann, wie sich eine Frau zu verhalten hat, verhalten darf, verhalten kann.
Mit «Pfadabhängigkeit» meine ich nun, dass die jeweligen Kontexte, in welchen das Individuum die Welt kennenlernt, erstens aus einer Vielzahl auch historischer Komponenten und Einflüsse bestehen, und zweitens diese Komponenten sehr beständig sind.

«Kultur» wird von Menschen hergestellt und ist demnach veränderbar, weist aber eine starke Trägheit auf. Dieses Phänomen wird sozialwissenschaftlich beispielsweise im Rahmen der Forschung zu Wertewandel untersucht. Die Ergebnisse zeigen, etwa schon 1993 der Klassiker «Making Democracy Work», dass Werte nicht von Generation zu Generation und von Individuum zu Individuum völlig neu erdacht und frei gewählt werden, sondern intra- und intergenerational auf «Schienen» fahren.

Was bedeuten diese Ausführungen nun für Frauen und Esoterik? Vor allem, dass die Entwicklung der gesellschaftlich (also informell wie formell, sprich legal) anerkannten Rolle der Frau weg von jenem des nicht vollwertigen Menschen hin zu dem eines souveränen Individuums ein langer, aber vor allem träger Prozess ist. Wenn z.B. staatliche Gesetze Frauen erlauben, ihre Sexualpartnerinnen und -partner frei zu wählen, bedeutet das nicht, dass die soziale Umgebung einer bestimmten Frau diese Freiheiten auch zuspricht (Einfaches Beispel: Konservativ eingestellte Eltern haben ein Problem damit, dass die Tochter Sex vor der Ehe will - ein durchaus denkbares Szenario).

Was ich also mit der Hypothese der kulturellen Pfadabhängigkeit meine: Alte Rollenbilder für Frauen wirken noch nach. Frauen sind anfälliger für Esoterik, weil sie selber noch die Rolle der «sanften», «einfühlsamen» Frau als Gegensatz zum «logischen», «harten» Mann kennengelernt haben bzw. gegenwärtig noch damit konfrontiert werden. Ein wichtiger Aspekt dabei ist, dass die Esoterik-Szene gezielt Frauen in ihren traditionellen Rollen als Fühlende, nicht Denkende anspricht.

Wir Menschen sind soziale Tiere, und wir alle orientieren uns an der Welt, welche uns umgibt: Die Gesamtheit menschlicher Handlungen - Kultur - verschafft uns als Individuum überhaupt erst Handlungssicherheit. Die Welt, in welche wir hineingeboren werden, ist die einzige, an der wir uns überhaupt orientieren können.

Fazit
Das Thema ist so spannend wie komplex: Frauen glauben eher als Männer. Warum? Ist das ein angeborenes oder anerzogenes Merkmal? Biologische Unterschiede zwischen Mann und Frau sind, ganz offensichtlich, vorhanden, als direkte und alleinige Ursache für die weibliche Esoterik-Anfälligkeit aber keine unmittelbar befriedigende Erklärung.

Die gesellschaftliche Rollenbildung um die biologischen Geschlechter liefert womöglich eine greifbarere Erklärung: Wir Menschen funktionieren nicht als kontextfreie, völlig autonome Akteuere, sondern müssen im Rahmen der überlieferten Deutungsmuster handeln.

So gesehen füllen Esoterikanbieter alte Rollenbilder mit neuen Inhalten - und verdienen nicht schlecht dabei.


Dank an Daniel Stekhoven für den Weltwoche-Artikel.

5 Kommentare:

Jonas Vollmer hat gesagt…

Vielen Dank für diesen erstklassigen Beitrag! Eine sehr differenzierte und seriöse Analyse. Besonders die Erklärungsversuche sind besonders spannend.
Ich würde mich übrigens über einen Beitrag zum Thema Fleischproduktion und -konsum freuen.

Marko Kovic hat gesagt…

Ich denke halt einfach, dass die "Geschlechterfrage" auch innerhalb der Skeptiker/Freidenker/Humanisten-Bewegung von so grosser Bedeutung ist, dass Diskussionen dazu nur nützlich sein können - nicht zuletzt "Elevatorgate" (http://scienceblogs.com/pharyngula/2011/07/always_name_names.php) hat das demonstriert.

Dem Thema rund um Fleischproduktion und -konsum werde ich mich demnächst sicher auch widmen (wie immer ohne Garantie auf angemessene philosophische Tiefe ;) ). Das Thema ist wirklich verdammt spannend; einige der interessanteren Diskussionen, die ich in letzter Zeit führte, berührten Fleischproblematiken.

Als Fernsehtip schon Mal der Arte-Themenabend vom 27. März:
http://www.arte.tv/de/Programm/244,broadcastingNum=1331111,day=4,week=13,year=2012.html

Gruss

Triglav hat gesagt…

 In Saudi Arabien sind Männer sicher genauso gläubig wie Frauen. Warum sollte da ein Unterschied sein? In Europa hat der Glaube an die Wissenscaft den Glauben an einen Gott abgelöst. Trotzdem bleibt es für die meisten Menschen Glaube. Man vermittelt den Glauben, der Mensch könne Macht über die Natur ausüben. In Wahrheit zerstört der Mensch nur den eigenen Lebensraum. Frauen haben vielleicht in unserer Gesellschaft andere Probleme als Männer. Sie suchen eher nach Hilfe als Männer. Männer gehen auch seltener zum Psychologen, sie gehen sogar seltener zum Arzt, weil Männer stark sein müssen. Männer geben auch ungern zu, zur Wahrsagerin zu gehen. Sieh es einmal von dieser Seite aus.

Daniel Stekhoven hat gesagt…

 Hat er ja. Hypothese 2 über die kulturellen Pfadabhängigkeiten deckt deinen Einwand vollumfänglich ab.

Warum es zwischen Männern und Frauen in Saudi-Arabien keinen Unterschied in der Empfänglichkeit für Esoterik geben soll, ist mir schleierhaft. Weil der Wahhabismus geschlechterübergreifend gleichschaltet?

Zudem geht es nicht darum, Macht über die Natur auszuüben, sondern eben diese zu verstehen. Aber in Anbetracht deiner "Wahrheit" ist das wohl margerites ante porcos.

Triglav hat gesagt…

"Hat er ja. Hypothese 2 über die kulturellen Pfadabhängigkeiten deckt deinen Einwand vollumfänglich ab."

Stimmt aber nicht.


Es geht immer darum, Macht über die Natur (oder über Gott) auszuüben. Niemand versucht "die Natur" zu verstehen, das bildest du dir nur ein.

"Warum es zwischen Männern und Frauen in Saudi-Arabien keinen Unterschied
in der Empfänglichkeit für Esoterik geben soll, ist mir schleierhaft.
Weil der Wahhabismus geschlechterübergreifend gleichschaltet?"

Religion und Esoterik sind ein und dasselbe. Oder wo sollte es da einen Unterschied geben? Noch nie gehört, dass in arabischen Ländern wegen Hexerei angezeigt wird? Oder dass in europäischen Ländern Exorzismus betrieben wird? In einer Kultur die nur eine Meinung gelten lässt, denken die Menschen so ziemlich alle dasselbe. Wie willst du dann behaupten, Frauen würden anderes glauben als Männer? Woher weißt du denn wieviele Frauen zur Wahrsagerin gehen und wieviele Männer? Legen die Damen und Herren Wahrsager dem Finanzamt genaue Abrechnungen vor, dass du das feststellen kannst? Aber du kannst genau sagen wieviele Leute Kirchensteuer zahlen. Esoterik ist keine Bezeichnung für eine bestimmte, "geheime" Lehre, sondern ein vereinfachender Begriff. Unter diesem Begriff wird heute alles gesammelt was deutlich den herrschenden Religionen und den Glaubenssätzen der Wissenschaft widerspricht. Gerade religiöse Leute greifen gerne "Esoteriker" an, als wären sie selbst etwas anderes. Sie glauben an Teufel, an Himmel und Hölle, an Engel, an Flüche und was weiß ich noch alles. Dabei haben sie sogar auch noch eigene "Beauftragte" die sich um die armen, von den "Esoterikern" Geschädigten kümmern.

Klar dass in einer Gesellschaft in der es keinen Widerspruch gibt, wo man also nur Zugang zu einer Sichtweise hat, schwerer ist, sich gegen die Gehirnwäsche der man unterzogen wird, zu wehren. Denn religiöse Erziehung ist immer Gehirnwäsche - egal ob in einem arabischen Land, oder in der Schweiz. In der Schweiz hat man Zugang zu verschiedenen Auswüchsen dieser Gehirnwäsche und deshalb kann man leichter sich selbst "deprogrammieren". Man wird immer wieder in Situationen gezwungen wo man mit einer anderen Ansicht konfrontiert wird und sich irgendwie entscheiden muss woran man glaubt.

Es stimmt aber nicht, dass Frauen sich schwerer aus ihrer bisherigen Geschlechterrolle lösen. Sie machen es nur anders, weil sie in einer halbwegs freien Gesellschaft eher zu ihrer natürlichen Grundhaltung finden. Die organisierten Esoteriker, sprich Religionen, sind durch und durch patriarchalisch. Deshalb wenden sich viele Frauen modernen, romantisierenden Naturreligionen zu. Das heisst aber nicht, dass sie mehr, oder weniger "esoterisch" sind. Sie gehen nur einen anderen Weg als die esoterischen Anhänger der traditionellen Weltreligionen. Sie suchen einen Ersatz. Weil sie suchen gibt es für sie keine vorgebildeten Denkmuster. Die müssen erst noch geschaffen werden. In religiöser Hinsicht sind deshalb die Frauen den Männern gegenüber oft sogar weiter entwickelt. Sie forschen, denken nach, schaffen sich ihr eigenes, neues, religiöses Weltbild, in dem sie ihren Platz finden können.

Es gibt keinen Beweis für, oder gegen die Existenz höherer Mächte. So gesehen ist jedes Weltbild nur Glaube der falsch, oder richtig sein kann. Esoterik bedeutet ursprünglich "geheimes Wissen" zu dem nur ein gewisser Kreis Zugang hat. Heute versteht man unter Esoterik alles mögliche, angefangen von irgendwelchen neuen Naturreligionen, über professionelle Hellseherei, bis hin zur Akupunktur. Das ist nur Ausdruck eines Vorurteils. So sorgt man dafür, dass man sich mit all diesen Themen nicht auseinanderzusetzen braucht. Man tut alles als Humbug ab, egal was es ist. Wenn man das aber schon tut, dann muss man auch alle Religionen mit in diese Aufstellung nehmen.

triglav (http://www.psionik.blogspot.com/)

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