23. Juni 2012

Tödliche Vogelgrippeviren und explosive Studien

Tagesanzeiger-Online berichtet heute über die umstrittene Veröffentlichung zweier Studien zu einem im Labor hergestellten Strang des Vogelgrippe-Virus:
Der Autor des Artikels, Didier Trono, ist Professor an der ETH Lausanne und selber Virus-Experte. Trono bemängelt, dass die im Labor hergestellten Vogelgrippe-Mutationen ein unverhältnismässiges Risiko darstellen. Hat Trono Recht, oder übt sich der Tagesanzeiger in Alarmismus?

Die Virus-Mutationen

Der Stein des Anstosses sind Forschungsarbeiten zweier Gruppen: Eine davon am Erasmus Medical Centre Rotterdam unter Leitung von Ron Fouchier, und die andere an der Universität Wisconsin-Madison unter Leitung von Yoshihiro Kawaoka.

Die zwei Forschungsteams haben das H5N1-Virus, das sogenannte Vogelgrippe-Virus, unter Laborbedingungen mutiert, und zwar derart, dass eine Übertragung des Virus von Säugetier zu Säugetier über die Luft stattfinden kann. Dies sorgte für einige vor allem massenmediale Empörung, weil befürchtet wurde, dass diese neuen «Killerviren» unfreiwillig freigesetzt werden könnten, oder, dass die Forschungsergebnisse eine regelrechte Anleitung für Bioterrorismus seien.

16. Juni 2012

Sport und Pseudowissenschaft - ein Dream-Team?

Die Fussball-Europameisterschaft ist in vollem Gange, und trotz immer vorhandener und notwendiger Diskussionen rund um politische und finanzielle Umstände solcher sportlicher Grossanlässe ist ein athletischer Wettkampf auf höchstem Niveau immer eine spannende Sache.

Eine bestimmte Komponente ist dabei stets vorhanden: Wo Sport auf höchstem Niveau stattfindet, wo also Athletinnen und Athleten ihre Körper bis an die Grenzen des biologisch Machbaren zwingen, dort ist auch die Verlockung gross, durch den Einsatz unerlaubter oder gefährlicher Mittel diese Grenzen auszuweiten.

Wie Focus Online unlängst berichtete, wird zu diesem Zweck auch zu esoterischen Aufputschmitteln gegriffen:
Wenn sogar der deutsche Nationaltrainer Joachim Löw seinen Spielern Shambala-Armbänder verteilt, sind ein paar Überlegungen zu Esoterik und Pseudowissenschaft im Sport angebracht.

Einen Umstand möchte ich vorwegnehmen: Konkrete Daten zu der Verbreitung bestimmter esoterischer und/oder pseudowissenschaftlicher Mittel und Methoden in Profi- und Breitensport liegen mir keine vor; mit diesem Blogeintrag will ich also nicht alarmistisch behaupten, Sport sei von Pseudowissenschaft unterwandert.

Wo der Placebo Berge versetzt

Eine erste mögliche Erklärung für die Nutzung von Esoterik und Pseudowissenschaft in athletischem Umfeld sehe ich in der körperlichen Unmittelbarkeit von Sport gegeben.

Der Mensch ist darauf geeicht, aus anekdotischen Vorgängen kausale Muster zu erkennen, und diese fast automatisierte Suche nach Mustern hilft uns ganz gut durch den Alltag. Besonders durch die lebenslange Wiederholung von Vorgängen, die unseren eigenen Körper betreffen, werden wir alle zu Experten des Subjektiven: Wenn die Blase drückt, muss ich urinieren, dann drückt sie nicht mehr. Wenn das unangenehme Hungergefühl auftaucht, esse ich etwas, und das Gefühl ist vorläufig gebannt. Wenn das diffuse und doch so bekannte Gefühl der Müdigkeit mich überwältigt, bette ich mich zum Schlaf und bin nachher weniger müde. Wenn ich sexuelle Erregung verspüre, weiss ich, dass eine entweder alleine oder in Gemeinschaft stattfindende stimulative Entladung ein wohliges Empfinden verursacht.

10. Juni 2012

Eindrücke von der Vereinsgründung der «Skeptiker Schweiz»

Nach langem Warten war es gestern so weit: «Skeptiker Schweiz - Verein für kritisches Denken» wurde gegründet.

Im vollgepackten Saal - so soll es auch sein - hielt Florian Freistetter ein Referat zum Weltungergang 2012 (Das erste Foto stammt von Florians Reisebericht aus Zürich):

Auch Amardeo Sarma, der Vorsitzende der GWUP, stattete uns einen Besuch ab, und gab uns einige Tipps aus dem GWUP-Erfahrungsschatz der letzen 25 Jahre mit auf den Weg:

Den ersten Vorstand der «Skeptiker Schweiz» bilden (leider haben wir nicht daran gedacht, ein Gruppenfoto o.ä. zu machen):
  • Christian Burger
  • Fabian Frei
  • Tobias Füchslin
  • Marko Kovic
  • Marcel Küchler
Der Kassier ist Christian, und ich übernehme vorerst das Präsidium. Die Revisionsstelle übernimmt Daniel Andres.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Florian Freistetter und Amardeo Sarma für ihren Besuch, wie natürlich auch bei allen anderen gestern Anwesenden. Besonderer Dank gebührt zudem allen, die zur Entstehung der «Skeptiker Schweiz» beigetragen haben.

Für alle an einer Mitgliedschaft Interessierten: Der Mitgliederbeitrag bis Ende 2012 beträgt CHF 30.-. Auf www.skeptiker.ch werden wir ein Online-Beitrittsformular sowie eine PDF-Version aufschalten. Für alle, die sofort Mitglied werden möchten: Die PDF-Version des Formulars, welche bequem am PC ausgefüllt und anschliessend an Christian Burger (christian.burger@skeptiker.ch) geschickt werden kann, ist hier herunterladbar.

UPDATE 11.06.2012:
Das Anmelde-Formular ist nun auch online auf www.skeptiker.ch.

3. Juni 2012

Mamablog: «Weshalb fahren Familien auf Homöopathie ab?»

Am 10. Mai erschien auf dem «Mamablog» des Tagesanzeigers ein Artikel, welcher der Frage nachgeht, warum Homöopathie bei Eltern so beliebt sei:
Zunächst sei bemerkt, dass der Mamablog-Artikel keine Daten präsentiert, welche zeigten, ob Homöopathie bei Familien besonders verbreitet sei («Das bestätigen Homöopathen und die Regale von Buchläden: Dutzende Ratgeber und Nachschlagewerke versuchen dem Laien diese Alternativmedizin näherzubringen. Viele Buchtitel richten sich dabei explizit an Familien.»).

Dennoch ist der Artikel lesenswert, da er einerseits gut beschreibt, warum es für Eltern vielleicht verlockend sein kann, Homöopathie anzuwenden - und andererseits demonstriert, wie egoistisch Eltern sein müssen, um ihren Kleinkindern Homöopathie zu verabreichen.

Der Reiz der Homöopathie

Die Autorin erklärt zunächst, dass die Lehre der Homöopathie nicht eben simpel ist:
Die Eltern müssen also die Art des Schmerzes bestimmen sowie den allgemeinen Zustand des Kindes erfassen können.
Das ist anspruchsvoll. Und alles für eine Behandlung, deren Wirkung umstritten ist.
Weshalb also ist die homöopathische Behandlung für Eltern derart attraktiv?
Ein berechtigter Punkt, und die vermutete Antwort ist auf einer emotionalen Ebene nachvollziehbar:
Vor allem wohl, weil sich viele Eltern gegenüber der Schulmedizin eine Alternative wünschen. Sie sind irritiert, wenn ihnen der Arzt bei einem normalen grippalen Infekt eine Handvoll chemischer Medikamente in die Hand drückt, damit sie diese dem Kleinkind verabreichen. Die Eltern setzen mit der Homöopathie auf eine natürliche Methode, die im Gegensatz zu Medikamenten keine Nebenwirkungen hat.
Damit ist der elterliche Beschützerinstinkt angesprochen: Man will das eigene Kind nicht vermeintlich aggressiven Stoffen aussetzen, und setzt stattdessen lieber auf angeblich mildere Heilmittel. Und bereits hier setzt die Liebe zum eigenen Kind aus und beginnt der eigene, egoistische Glaube.

Was ich glaube, hat mein Kind zu schlucken