1. Juli 2012

Neues Altes zur Homöopathie

Gegenwärtig überschlagen sich die Ereignisse zu Homöopathie: Ein Buch mit dem Prädikat «Made in Switzerland» sorgt für Furore, eine Gesetzesänderung im Vereinigten Königreich bedeutet vielleicht das dortige vorläufige Ende der Homöopathie, und die nicht immer ganz lauteren Methoden der Homöopathie-Lobby werden publik. Aber der Reihe nach.

Der «Swiss homeopathy report»

Im Februar 2012 erschien die englischsprachige und erweiterte Fassung einer Untersuchung, welche im Auftrag des Bundes erstellt wurde, und zwar im Zusammenhang mit der Aufnahme bestimmter alternativmedizinischer Heilmethoden in die obligatorische Krankenkasse: «Homeopathy in Healthcare – Effectiveness, Appropriateness, Safety, Costs».
Die Untersuchungen dieses Buches sind ein Teil des 2005 abgeschlossenen «Programms Evaluation Komplementärmedizin (PEK)». Bereits die Buchbeschreibung deutet an, um was für einen Inhalt es sich handelt:
The present report, in contrast, offers a differentiated evaluation of the practice of homoeopathy in health care. It confirms homoeopathy as a valuable addition to the conventional medical landscape – a status it has been holding for a long time in practical health care.
Zusätzlich noch eine kleine Leseprobe, die eigentlich zu Genüge demonstriert, was für «Forschung» hier vorliegt (S.12; das ganze Buch lade ich aus urheberrechtlichen Gründen nicht rauf):
Das «Leben als Ganzes» ist zu beachten. Man muss auch «spirituelle Wissenschaft» berücksichtigen. Und überhaupt, Quantentheorie und Chaostheorie. Noch Fragen?

Es ist allzu offensichtlich, dass dieses Buch nicht demonstriert, dass Homöopathie wirkt, sondern eher, wie kreativ Homöopathie-Gläubige bei der Rechtfertigung ihres Glaubens sein können. Abschliessend noch ein paar weiterführende Links, wo genauer besprochen wird, was die Probleme des Buches sind:

Die britische Gesetzesverschärfung

Quackometer berichtete von einer Gesetzesänderung im Vereinigte Königreich:
Genau genommen tritt keine Gesetzänderung in Kraft, sondern eine Konsolidierung bestehender Gesetze in einen Gesetzestext. Dabei wird das bestehende Gesetz konsequenter angewendet und der Verkauf unauthorisierter homöopathischer Mittel z.B. über das Internet und Telefon unterbunden.

Offenbar machen solche Vertriebsquellen für Homöopathinnen und Homöopathen im Vereinigten Königreich eine grosse Einnahmequelle aus; so sehr, dass ohne diese Einnahmequelle von einem «Ende» der Homöopathie gesprochen wird. In der Schweiz dürfte die Situation diesbezüglich anders sein: Das Gros der Globuli hierzulande ist wahrscheinlich ganz legal in Umlauf, auch, weil diese eine «vereinfachte Zulassung» geniessen. Das bedeutet u.a., dass Globuli auch dann in den Verkauf kommen dürfen, wenn sie explizit behaupten, die Globuli hätten keine Indikation, also keinen Wirkungsbereich:
Dieses eigentümliche Verfahren ergibt sich aus den Glaubenssätzen der Homöopathie, wo zwar postuliert wird, das Gleiches Gleiches heile, aber dann auch wieder, dass nicht im Voraus klärbar sei, welches Mittel für welches Gebrechen zu nutzen sei.

In den Niederlanden wird die Schraube des Gesetzes angezogen: Seit heute müssen Homöopathie-Hersteller beweisen, dass ihre Globuli wirken, wenn sie weiterhin von der Mehrwertsteuer befreit sein wollen:


«Die schmutzigen Methoden der sanften Medizin»

So der Titel eines sehr lesenswerten Artikels auf Sueddeutsche.de:
Der Artikel beschreibt, wie bestimmte «alternativmedizinische» und esoterische Firmen und Gruppierungen ein Netz von Journalisten finanzieren, welche über Online-Kanäle Kritikerinnen und Kritiker zu diskreditieren versucht.

Grundsätzlich ist natürlich nichts verkehrt dabei, wenn Personen Kritik an skeptischer Berichterstattung anbringen. Hier liegt aber ein relativ klarer Fall von halbversteckter Auftrags-PR vor, die wenig mit richtiger Kritik und mehr mit Verzerrung, persönlichen Angriffen, und aggressivem Produktmarketing zu tun hat. Das bedeutet nicht, dass alle Esoterik-Verfechterinnen und Verfechter unlauter vorgehen, aber offenbar ein Teil der Esoterik-Industrie schon.

Fazit: Homöopathie bleibt Humbug

Es passiert viel und ändert sich wenig: Die theoretischen Argumente und empirische Datenlage zu Homöopathie bleiben dieselben. Die zwei Grundpostulate der Homöopathie
  1. Gleiches heilt Gleiches.
  2. Bei Verdünnung wirkt ein Mittel stärker.
stimmen nach wie vor nicht. Die Fehlschlüsse der Homöopathieverfechterinnen und -verfechter bleiben Fehlschlüsse: Ja, Homöopathie ist beliebt, aber Beliebtheit sagt nichts über Wirksamkeit aus. Nein, der Plural von «Anekdote» ist nicht «Daten». Nein, Homöopathie wird nicht durch Quantenphysik bestätigt. Ja, auch in der Pharmaindustrie läuft nicht alles ideal ab, aber das beweist noch nicht die Wirksamkeit der Homöopathie.

Zur abschliessenden Illustration ein von der BBC durchgeführter Homöopathie-Test:






Die Zeit scheint langsam reif, einen vorläufigen Schlussstrich* zu ziehen: Homöopathie wirkt über den Placeboeffekt hinaus nicht.

*Ergebnisoffenheit ist dabei natürlich immer noch oberste Prämisse: Neue Argumente und Daten sind immer willkommen. Es gilt aber: Aussergewöhnliche Behauptungen bedürfen aussergewöhnlicher Beweise.

1 Kommentare:

Juliane1205 hat gesagt…

Sehr interessant und ich zweifle auch nicht an der Unzulänglichkeit der Homöopathie!
Dennoch fehlen mir Erklärungen WARUM jetzt gerade dieser Tierarzt gute Erfolge mit der Homöpathie hat? Was führt dazu? Welche Umstände? Es muss doch dafür eine Erklärung geben. Oder auch WAS hat die Messergebnisse von Prof Madeleine Ennis entsprechend beeinflusst, sodass sie auf einsprechende Ergebnisse kam? Es wird dann zwar eine Studie gemacht, die ihre Ergebnisse überzeugend widerlegen, aber es muss doch auch einen Grund haben weshalb sie zu ihren letztendlich "falschen" Ergebnissen kommt?

Kommentar veröffentlichen