3. Oktober 2012

«Kassensturz» testet Paranormale: Der Pendler

Die Verbraucherschutz-Sendung «Kassensturz» widmet sich in einer siebenteiligen Reihe der Erforschung angeblich (im weitesten Sinne) paranormaler Fähigkeiten. Können die Kandidatinnen und Kandidaten ihr paranormales Können unter Beweis stellen, winkt ihnen ein Preisgeld von 10'000 Franken - der Kassensturz orientiert sich also an berühmten Vorbildern wie der Million Dollar Challenge der James Randi Educational Foundation und dem PSI-Test der GWUP.
Am 2. Oktober wurde der erste von den sieben Tests ausgestrahlt. Der Kandidat dieser Ausgabe ist der Pendler Ernst Bieri aus Entlebuch, der behauptet, im Stande zu sein, mit seinem Pendel «Energien» zu erspüren. Bieri betreibt die Firma «Biotransmit» und verkauft ein «Schutzschild», welches vor «SCHLAFSTÖRUNG, DEPRESSIONEN, RHEUMA, MÜDIGKEITEN, EHEPROBLEME USW.» schützen soll und «ABSOLUT SERIÖS!» sei:

Die Jury, welche die Resultate begutachtet, besteht aus drei Personen:
  • Peter Brugger ist Professor an der Neuropsychologischen Abteilung des Universitätsspitals Zürich.
  • Rainer Bunge ist Professor am Institut für Umwelt- und Verfahrenstechnik an der Hochschule für Technik Rapperswil.
  • Christoph Borer ist Bühnenmagier (im Sinne eines Zauberkünstlers, nicht Zauberers)
Bieri sollte von neun Bechern mit Wasser jenen finden, welches mit Granderwasser gefüllt ist. Offenbar hat Bieri diesen Test selber vorgeschlagen. Nun könnte dem Kassensturz vorgeworfen werden, dass Bieri von Beginn weg zum Scheitern verurteil gewesen sei, weil Granderwasser eben keine aussergewöhnlichen Eigenschaften besitzt und sich von normalem Wasser nicht unterscheidet.
Zum einen hat Bieri selber diese Esoterik-Kaskade als Versuchsanordnung gutgeheissen (nach Ende des Tests beruft sich Bieri denn auch auf frühere Tests, die anders ausgefallen seien), und andererseits könnte argumentiert werden, dass das Pendel auch Profanes zu Tage fördern können müsste, wie also die Antwort auf die Frage, wo sich der Becher befindet, den Bieri sucht.
Der Ausgang des Tests zeichnet sich rasch ab:
Bieri hat nach drei Fehlversuchen aufgegeben, und schien sehr erschüttert ob des negativen Resultates. Hat sich der Kassensturz hier einen brutalen Scherz erlaubt mit einem älteren, aberlgläubischen Mann? Nur bedingt, denn nicht vergessen werden darf, dass Bieri seine Dienstleistungen und Produkte aktiv bewirbt und Heilsversprechen abgibt, und nicht etwa bloss ab und zu am Stammtisch pendelt.
Die Erklärung für Bieris Überzeugung (welche mir durchaus Wahrhaftig scheint) erklärt Peter Brugger: Das Ausschlagen des Pendels ist von Bieri selbst hervorgerufen, aber nicht unbedingt bewusst willentlich. Dadurch entsteht der teils überwältigende Eindruck, das Pendel habe von sich aus reagiert, weil eine bewusste Manipulation nicht stattfand. Das berühmteste Beispiel zu diesem ideomotorischen Effekt ist wohl das sogenannte «Ouija Board» (Bildquelle):

Dieses vor allem in den USA bekannte Spielbrett sorgt bei so manchen Kindern, aber auch Erwachsenen, für Gänsehaut, denn der Holzzeiger bewegt sich wie von Geisterhand von Buchstabe zu Buchstabe.
Die eigentlich Wichtigste Erkenntnis als Fazit des Pendlertests stammt von Rainer Bunge, wenn er die Reaktion Bieris auf seinen Misserfolg kommentiert:
Der Wissenschaftler, beispielsweise ich, fängt an, an der Theorie zu zweifeln, wenn die Ergebnisse in eine andere Richtung zeigen, also die Messergebnisse, während der Esoteriker an den Messergebnissen zweifelt und seine Theorie nicht in Frage stellt.
Eine prägnante Erklärung, die aber eines der wichtigsten, wenn nicht gar das wichtigste Kriterium der Unterscheidung zwischen wissenschaftlichem und nicht-wissenschaftlichem Vorgehen beschreibt.

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